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Thema: Fethullah Gülen und die Gülen Bewegung

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    Merkel-Besuch in der TürkeiDas Problem mit dem dubiosen Herrn Gülen

    Berlin soll härter gegen Anhänger des Predigers Gülen vorgehen, fordert die Türkei. Für Merkel ein Dilemma: Sie will sich nicht zu Ankaras Handlanger machen - aber auch nicht die Machenschaften der Sekte dulden.

    Von Maximilian Popp


    Mittwoch, 01.02.2017 18:27 Uhr



    Wenn Kanzlerin Angela Merkel an diesem Donnerstag den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Ankara trifft, muss sie sich abermals mit einem Mann beschäftigen, der mehrere tausend Kilometer von der Türkei entfernt in den USA im Exil lebt: mit dem Islamistenprediger Fethullah Gülen.


    Erdogan beschuldigt Gülen, den Militäraufstand vom 15. Juli 2016 orchestriert zu haben und verfolgt dessen Anhänger. Mehr als 200.000 Staatsbeamte wurden seit dem Putschversuch verhaftet oder vom Dienst suspendiert - die Regierung bezichtigt sie, der Gülen-Gemeinde nahezustehen.
    Die Türkei setzt zudem ausländische Regierungen unter Druck, vermeintliche Verschwörer auszuliefern. Vergangene Woche weigerte sich Griechenland, acht türkische Soldaten an die Türkei zu überstellen - und löste damit eine diplomatische Krise zwischen den beiden Staaten aus.

    Der Bundesregierung hat Ankara in der Vergangenheit vorgeworfen, nichts gegen die Anhänger der Gülen-Bewegung in Deutschland zu unternehmen. Vor dem Besuch der Kanzlerin drängt Erdogan nun auf ein härteres Vorgehen.


    DER SPIEGEL und "Report Mainz" berichteten, dass etwa 40 türkische Nato-Soldaten in Deutschland Asyl beantragt haben. Der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik hat die Bundesregierung aufgefordert, die Gesuche abzulehnen. "Selbstverständlich wird die Gülen-Terrororganisation Teil der Gespräche zwischen Erdogan und Merkel sein", so ein türkischer Regierungsbeamter.
    In der Türkei zweifelt kaum jemand daran, dass Kader der Gülen-Sekte an dem Putschversuch beteiligt waren. Die Regierung hat bislang aber kaum Beweise vorgelegt, dass Gülen den Aufstand angeleitet hat. Der Prediger selbst bestreitet dies ohnehin.
    Ein halbes Jahr nach dem Putsch seien noch immer etliche Fragen offen, sagt Gareth Jenkins, Türkei-Experte am Central Asia-Caucasus Institute. "Sicher ist nur: Erdogan und die Gülen-Gemeinde haben die Demokratie in der Türkei lange vor dem 15. Juli gemeinsam beschädigt."
    Macht missbraucht, Kritiker ausgeschaltet

    Liberale Akademiker und Journalisten wie der "Cumhuriyet"-Reporter Ahmet Sik haben dokumentiert, wie Anhänger der Gülen-Sekte in den vergangenen Jahren Polizei, Justiz und Militär in der Türkei unterwanderten. Sie waren es auch, die am meisten unter der Erdogan-Gülen-Koalition litten.
    Gülen-Kader missbrauchten ihre Macht, um sich selbst zu bereichern und Kritiker auszuschalten. Ahmet Sik und sein Kollege Nedim Sener landeten, wie viele andere türkische Intellektuelle, nach kritischen Beiträgen über Gülen im Gefängnis. Ihre Verhaftung wurde durch eine Schmutzkampagne in Gülen-Medien wie der Tageszeitung "Zaman" begleitet.
    Erst nachdem sich Erdogan und Gülen 2011 über Machtfragen zerstritten, begann die Regierung, gegen Kader der Gemeinde vorzugehen. Gülen selbst war noch vor Amtsantritt Erdogans in den Neunzigerjahren vor einem Gerichtsverfahren in die USA geflohen. Seine Anhänger haben in 160 Ländern Schulen gegründet, eröffneten Universitäten, Medienhäuser, Kliniken, eine Bank.
    Gülens Netzwerk: Schulen, Zeitungen, Fernsehsender
    Je mehr die Gülen-Bewegung in der Türkei an Boden verliert, desto wichtiger werden ihre Unternehmungen im Ausland. Alleine in Deutschland betrieben Gülen-Kader zwischenzeitlich über 150 Nachhilfezentren, 30 Schulen, Print- und Onlinezeitungen, Radio- und Fernsehsender, sowie ein Dutzend sogenannter Dialogvereine.
    Funktionäre der Gemeinde wie Ercan Karakoyun, der Vorsitzende der Berliner Stiftung Dialog und Bildung, behaupten, ihr Engagement diene der Verständigung zwischen Migranten und Mehrheitsgesellschaft. Aussteiger hingegen bezeichneten die Gülen-Bewegung im SPIEGEL bereits 2012 als "islamistischen Geheimbund" mit Fethullah Gülen als Paten an der Spitze.
    In den Wohngemeinschaften der Gemeinde, den "Lichthäusern", werden Schüler und Studenten auch in Deutschland massiv unter Druck gesetzt, die Regeln Gülens einzuhalten. Das berichten ehemalige und aktuelle Bewohner. Die Sekte schreibt ihnen vor, welche Bücher sie zu lesen und welche Filme sie zu gucken haben, welche Freunde sie treffen und wann und ob sie ihre Familien sehen dürfen. Vorsteher, "große Brüder" genannt, legen Protokolle über jeden einzelnen Bewohner an. In Bildungseinrichtungen der Bewegung soll es wiederholt zu Fällen von Mobbing und Gewalt gekommen sein. Von Gülen-Funktionären wird die Kritik zurückgewiesen. In den "Lichthäusern" gehe alles mit rechten Dingen zu.
    Einschüchterung von Journalisten
    Gülen betont in Interviews gerne, wie wichtig Pressefreiheit ist. Doch nachdem der Beitrag über die Sekte 2012 im SPIEGEL erschien, traten seine Anhänger eine Kampagne los.
    Innerhalb weniger Tage gingen beim SPIEGEL 2000 Leserbriefe ein, die sich fast alle im Wortlaut glichen. Gülen-Anhänger initiierten einen offenen Brief und legten Beschwerden beim Presserat ein, die allesamt abgeschmettert wurden. Sie heuerten die Krisen-PR-Firma Burson-Marsteller an, die zuvor Unternehmen wie ExxonMobil und Diktatoren wie Augusto Pinochet beraten hat. In Gülen-Medien wie der mittlerweile geschlossenen Zeitung "Zaman" erschienen Artikel, die behaupteten, der SPIEGEL würde Zitate fälschen, Gesprächspartner bedrohen, Kontakt zur türkischen Mafia unterhalten.
    Das alles ist harmlos im Vergleich dazu, was türkischen Journalisten, die kritisch über Gülen schrieben, widerfuhr. "Die Gülen-Sekte ist nicht jene friedliebende Bildungsbewegung, als die sie sich gerne darstellt", sagt Türkei-Experte Jenkins. "Sie ist eine Interessensgemeinschaft, die demokratiefeindliche, antiliberale Methoden nie gescheut hat."

    In einem Papier des Verfassungsschutzes Baden-Württemberg heißt es, Gülens Gedankengut stehe in mancherlei Hinsicht im Widerspruch zur freiheitlich demokratischen Grundordnung. Die Bewegung verfolge einen türkischen Nationalismus in "seriösem Gewand" mit "islamistischen Komponenten".
    Die Bundesregierung steht nun vor einem Dilemma: Entweder sie geht strenger als bisher gegen die Gülen-Bewegung vor und riskiert damit, als Handlanger Erdogans dazustehen. Oder sie tut es nicht und handelt sich damit womöglich den Vorwurf ein, die radikalen Umtriebe einer dubiosen Religionsgemeinschaft zu ignorieren. "Bei dem Thema Gülen", sagt eine Koalitionspolitikerin, "können wir letztlich nur verlieren."


    Spiegel Online

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  2. #302
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    Gülens Rolle beim Türkei-PutschImam der Armee

    Die Gülen-Gemeinde präsentiert sich im Westen als moderat-religiöse Bildungsbewegung. Etliche Indizien sprechen jedoch dafür, dass ihre Kader die treibende Kraft hinter dem Putschversuch gegen Erdogan waren.

    Von Maximilian Popp, Ankara


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    AFP
    Denkmal in Istanbul für die Opfer des Putschversuchs vom 15. Juli 2016



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    Samstag, 15.07.2017 17:26 Uhr



    Der Luftwaffenstützpunkt Akinci liegt 25 Kilometer von Ankara entfernt auf einem Hügel. Er galt lange Zeit als einer der am besten gesicherten Flughäfen der Türkei. Das Militär hatte hier drei Staffeln F16-Jets stationiert. Bis in die Neunzigerjahre lagerten die US-Amerikaner in Akinci Nuklearwaffen. Zivilisten ist der Zugang zur Militäranlage verboten.




    Trotzdem nahmen am frühen Morgen des 16. Juli 2016 türkische Polizisten den Theologen Adil Öksüz in Akinci fest. Er soll in den Stunden zuvor von dem Stützpunkt aus den Putsch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogankoordiniert haben.
    Soldaten hielten die Bosporusbrücke und den Atatürk-Flughafen in Istanbul besetzt. Sie bombardierten das Parlament und den Präsidentenpalast in Ankara. Erst nach schweren Gefechten gelang es der Regierung, die Kontrolle über das Land zurückzugewinnen. Fast 300 Menschen starben bei dem Aufstand, mehrere Tausend wurden verletzt.
    Im Video:
    Der Türkei-Korrespondent Maximilian Popp über die Folgen des Putsches für die Türkei.
    Video

    REUTERS/Spiegel Online


    Am Samstag jährt sich der gescheiterte Putschversuch zum ersten Mal. Die Regierung hat dem Land eine mehrtägige Gedenkfeier verordnet. Doch nach wie vor ist umstritten, was genau am 15. Juli 2016 in der Türkei geschehen ist.


    Präsident Erdogan beschuldigt den Islamistenprediger Fethullah Gülen, den Aufstand angeführt zu haben. Gülen hingegen behauptet, der Umsturzversuch sei eine Inszenierung von Erdogan, der so seine Herrschaft ausdehnen wolle.
    Die Regierung hat bislang keinen Beweis für eine Beteiligung Gülens am Putsch erbracht. Doch zahlreiche Indizien deuten darauf hin, dass Gefolgsleute des Predigers tatsächlich die treibende Kraft hinter dem Aufstand waren. Die türkische Staatsanwaltschaft hält den Theologen Adil Öksüz dabei für eine Schlüsselfigur.
    Die Soldaten gehorchten dem Imam - nicht den Generälen
    Öksüz, 50 Jahre alt, ein gedrungener Mann mit Schnauzer und Halbglatze, hat in seiner Laufbahn als Akademiker an einer Provinzuniversität in Westanatolien außer seiner Doktorarbeit nichts publiziert. Sein Einfluss ist trotzdem groß. Öksüz gilt als Vertrauter Gülens. Videos zeigen die beiden beim gemeinsamen Gebet und auf Gülens Anwesen in Pennsylvania, USA.

    Gülen hat ein Reich aus Schulen, Universitäten und Medienhäusern in mehr als hundert Ländern geschaffen. Seine Anhänger besetzten Schlüsselstellen im türkischen Staat. Gülen hat für jede Institution einen Führer bestimmt, einen sogenannten Imam. Adil Öksüz, das sagen Gülen-Kader, war der "Imam der Armee" und dafür verantwortlich, den Einfluss der Gülen-Bewegung auf die Streitkräfte zu wahren. Etliche Soldaten gehorchten ihm angeblich mehr als dem Generalstab.
    Lange Zeit kontrollierten Erdogan und Gülen die Türkei gemeinsam. Spätestens 2013 zerstritten sie sich endgültig über Machtfragen. Erdogan verfolgt die Anhänger des Predigers seither als Terroristen, die Gülen-Gemeinde will den Staatschef loswerden.
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    DPA
    Fethullah Gülen


    Am 9. Juli 2016, sechs Tage vor dem Putsch, versammelte Öksüz in einer Villa im Nordwesten Ankaras eine Gruppe Männer: Zwei Generäle der türkischen Armee, einen Admiral, Zivilisten.
    Die Gruppe ging, so sagten Zeugen später gegenüber der türkischen Staatsanwaltschaft aus, die letzten Details eines Plans durch, den Öksüz ausgearbeitet hatte: Ein Team aus Elitesoldaten sollte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan festnehmen und auf ein Schiff im Mittelmeer bringen. Armeechef Hulusi Akar sollte überredet werden, den Aufstand anzuführen.
    Der Putschversuch scheiterte unter anderem am fehlenden Rückhalt durch das Volk. Auch die Militärführung beteiligte sich nicht an der Revolte. Öksüz wurde nach seiner Festnahme von einem Untersuchungsrichter freigelassen - aus Gründen, die nach wie vor rätselhaft sind. Er befindet sich seither auf der Flucht.
    Fotostrecke


    26 Bilder
    Türkei: Der Putsch vom 15. Juli 2016
    Die Gülen-Gemeinde stellt sich im Westen als moderat-islamische Bildungsbewegung dar. In Wahrheit ist sie eine Art Mafia, die bei der Verfolgung ihrer Ziele kriminelle Methoden nie gescheut hat. Gülen-Kader haben durch Schmutzkampagnen und Schauprozesse über Jahre hinweg Kritiker aus dem Weg geräumt, Menschen ins Gefängnis gebracht oder in den Selbstmord getrieben.
    Erdogan hat die Kader der Gemeinde gefördert und instrumentalisiert. In den sogenannten Ergenekon- und Balyoz-Verfahren, die von Gülen-Richtern gesteuert wurden und zu grundlosen Verhaftung Hunderter säkularer Offiziere, Journalisten, Akademiker führten, ernannte er sich zum "obersten Strafverfolger".
    Die Prozesse haben jenes Vakuum im Militär geschaffen, das Gülen-Kader später füllten. Nach den Säuberungen sei die Gülen-Gemeinde als einzige Fraktion im Militär stark genug gewesen, es mit Erdogan aufzunehmen, sagt James Jeffrey, der ehemalige US-Botschafter in Ankara, im Magazin "New Yorker". Jeffrey hat keinen Zweifel daran, dass die Gülen-Gemeinde den Putsch angeführt hat. Andere Gruppen, Kemalisten, Ultranationalisten, hätten sich womöglich angeschlossen.
    Putschversuch Türkei (Berichte vom 16.07.2016)

    Was wir wissen und was wir nicht wissen





    Mehrere Beschuldigte haben inzwischen bekannt, am 15. Juli im Auftrag Gülens gehandelt zu haben. Militärchef Hulusi Akar sagt, die Aufständischen haben ihm angeboten, ihn mit ihrem Anführer Fethullah Gülen in Kontakt zu bringen.
    Präsident Erdogan hat die Ermittlungen gegen mutmaßliche Putschisten durch seine Hexenjagd gegen Oppositionelle diskreditiert. Er denunziert inzwischen so gut wie jeden, der ihm widerspricht, als Gülen-Anhänger. Fast 140.000 Staatsbeamte haben ihren Job verloren, etwa 50.000 Menschen wurden verhaftet. Das Verbrechen vom 15. Juli selbst ist dabei mehr und mehr in den Hintergrund getreten.

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  3. #303
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    Wie kann es eigentlich sein , dass Sultan Erdoğan sämtliche Menschen , die über 100 Ecken was mit Fetö zu tun hatten oder jemals etwas an diese Organisation gespendet haben einsperrt und sich selbst dabei davon kommen lässt, obwohl er selber beste Freunde mit Gülen gewesen ist ?
    Selbst schuldlose ehemalige Bewohner der Herbergen sowie Heimen entlässt ?

  4. #304
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    Die Gülen-Bewegung und der Putschversuch in der TürkeiNicht einfach ein harmloser Bildungsverein

    Im Westen stößt der Vorwurf, die Gülen-Bewegung sei für den Putschversuch von Juli 2016 in der Türkei verantwortlich, bis heute auf Skepsis. Ein neues Buch zeigt aber, dass es der Bewegung nie allein um Dialog und Bildung ging, sondern schon immer um die Kontrolle des Staates. Ulrich von Schwerin hat es gelesen.

    Noch immer wird in der Türkei fast täglich über neue Festnahmen von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen berichtet. Für Präsident Recep Tayyip Erdoğan besteht kein Zweifel, dass die Gülen-Bewegung hinter dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli 2016 steht, weshalb die AKP-Regierung entschlossen ist, sie restlos zu zerschlagen. Doch auch fast zwei Jahre nach dem Umsturzversuch dauert die Debatte an, welche Rolle Gülen und seine Anhänger bei den dramatischen Ereignissen der Nacht des 15. Juli 2016 tatsächlich gespielt haben.
    Noch immer besteht keine völlige Klarheit über die Geschehnisse, und auch in Deutschland kursieren dazu weiter wilde Verschwörungstheorien. Umso gelegener kommt daher das Buch "Turkey's July 15. Coup – What happened and why", das jüngst von der Universität Utah veröffentlicht wurde. Der von den Politologen Hakan Yavuz und Bayram Balci herausgegebene Sammelband ist die erste umfassende Untersuchung des Staatsstreichs, vor allem aber die erste wissenschaftliche Studie zur Gülen-Bewegung seit dem Putschversuch.
    Im Westen hegen viele bis heute Zweifel, dass die auch als "Cemaat" bezeichnete Bewegung tatsächlich für den Putschversuch verantwortlich ist, der 250 Menschen das Leben gekostet hat. Selbst BND-Chef Bruno Kahl erklärte im März 2017, er könne keine Anzeichen erkennen, dass sie hinter dem versuchten Staatsstreich stecke, und warf Erdoğan vor, ihn als "willkommenen Vorwand" genutzt zu haben, um die Gülen-Anhänger aus dem Staatsdienst zu entfernen. Die Bewegung sei lediglich eine "zivile Vereinigung zur religiösen und säkularen Weiterbildung", sagte Kahl.
    Politische Ambitionen lange unterschätzt
    Ein harmloser Bildungsverein also? In der Türkei sorgte das Interview für ungläubiges Kopfschütteln. Die Überzeugung, dass die Gülen-Bewegung hinter dem Putschversuch steckt, beschränkt sich keineswegs auf Erdoğans AKP, sondern wird von fast allen Parteien und Medien geteilt. Nun kann man natürlich einwenden, dass es in der Türkei kaum noch die Freiheit gibt, der Darstellung der Regierung zu widersprechen. Umso wichtiger ist daher die Einschätzung unabhängiger Experten, wie sie sich in dem nun vorgelegten Buch finden.

    Alle zwölf Autoren haben intensiv zur Gülen-Bewegung gearbeitet. Mehrere der Forscher geben zu, ihre politischen Ambitionen lange unterschätzt zu haben, und sich von ihrer Selbstdarstellung als moderat-islamische Bewegung für Bildung und Dialog haben blenden zu lassen. Zugleich unterstreichen sie, dass die "Cemaat" notorisch intransparent sei. Geheimhaltung und Verstellung gehörten seit jeher zu ihrer Taktik. Weder ihre Anhänger, noch die Schulen, Medien und anderen Institutionen der Bewegung würden sich offen zu Gülen bekennen.

    Nach außen stellt sich die "Cemaat" als liberale, basisdemokratische Graswurzelbewegung dar, doch zeigen die Autoren, dass sie streng hierarchisch organisiert und in moralischen Fragen äußerst konservativ ist. Der Historiker Michael A. Reynolds aus Harvard zeigt zudem, dass die Schulen, Wohnheime und Nachhilfezentren der "Cemaat" nie ein Selbstzweck waren. Vielmehr wollte Gülen damit eine "goldene Generation" heranziehen, die islamisch geprägt, aber modern ausgebildet in der Lage wäre, das Land nach seinen Vorstellungen zu verändern.
    Durch die Arterien des Systems bewegen
    Schon seit den 1980er Jahren strebten seine Anhänger in den Staatsdienst. Gleich mehrfach wird in dem Buch eine Rede Gülens zitiert, in der er seine Anhänger auffordert, "sich durch die Arterien des Systems zu bewegen", bis sie "alle Zentren der Macht" erreicht haben. Erst wenn "die Zeit reif" sei, dürften sie sich zu erkennen geben, mahnte Gülen in der Rede, die 1999 an die Öffentlichkeit gelangte. Gülen bezeichnete die Aufzeichnung damals als manipuliert, floh aber vor einer drohenden Anklage in die USA, wo er bis heute in Pennsylvania lebt.
    Als 2002 die AKP an die Macht gelangte, waren ihr die gut ausgebildeten Gülen-Anhänger willkommen, um Stellen in Polizei, Justiz und Verwaltung zu besetzen. Die Anhänger der AKP und der "Cemaat" teilten das gleiche islamisch geprägte Gesellschaftsbild, doch gab es deutliche Differenzen zwischen Erdoğan und Gülen hinsichtlich der Außen- und Innenpolitik, die ab 2011 zu Spannungen und schließlich zum Bruch ihrer informellen Koalition führten, wie die Anthropologin Caroline Tee von der Universität Cambridge schreibt.

    So wollte Gülen - anders als Erdoğan - an dem Bündnis mit Israel festhalten und lehnte eine Annäherung an den Iran ab. Vor allem aber war er gegen Erdoğans Öffnung gegenüber den Kurden. Im Februar 2012 versuchten Gülen-Anhänger in der Justiz, Geheimdienstchef Hakan Fidan wegen seiner Friedensgespräche mit der PKK vor Gericht zu bringen. Erdoğan schlug daraufhin zurück, indem er die Nachhilfezentren der "Cemaat" schließen ließ.
    Erdoğan versus Gülen
    Als im Dezember 2013 Gülen-Anhänger in Polizei und Justiz Korruptionsermittlungen gegen Erdoğans Umfeld eröffneten, brach der Konflikt für alle sichtbar aus. Viele im Westen sahen damals den Vorwurf Erdoğans mit Skepsis, die Gülen-Bewegung habe ihn zu stürzen versucht, stand die Bewegung in der westlichen Wahrnehmung doch vor allem für Dialog und Bildung. In der Türkei waren viele jedoch keineswegs erstaunt, da Journalisten wie Ahmet Şık schon lange vor der Unterwanderung des Staats durch die "Cemaat" gewarnt hatten.

    Bis Juli 2016 brachte die Regierung die meisten Schulen, Medien und Firmen der "Cemaat" unter ihre Kontrolle und ging daran, ihre Anhänger aus dem Staatsdienst zu entfernen. Für die Bewegung stand damit ihr Überleben auf dem Spiel. Gründe genug für einen Putsch? Hakan Yavuz bejaht diese Frage klar. Aus seiner Sicht musste die "Cemaat" im Juli 2016 handeln, um ihre Zerschlagung zu verhindern, zumal erwartet wurde, dass der Oberste Militärrat bei seiner jährlichen Sitzung im August auch gegen die Gülen-Anhänger im Militär vorgehen würde.

    Für Yavuz war der Putschversuch zwar überstürzt, doch keineswegs "dilettantisch", wie teils im Westen behauptet. Vielmehr weise der Einsatz tausender Soldaten mit dutzenden Panzern, Helikoptern und Flugzeugen auf eine langfristige und akribische Planung hin.
    Ein Putschversuch in Eigenregie?
    Yavuz ist aufgrund der hierarchischen Struktur der "Cemaat" und ihrem Hang zur Autarkie zudem überzeugt, dass der Putschversuch von Gülen persönlich abgesegnet wurde, und seine Anhänger ohne Absprache mit den Kemalisten oder anderen Gruppen im Militär handelten.
    Nicht alle Autoren teilen diese Einschätzung. David Titterson etwa bezweifelt, dass die Gülen-Anhänger tatsächlich bis in die Generalität aufgestiegen seien, da die Militärführung noch nach 2002 alle Offiziersanwärter aussortiert habe, die religiöser Neigungen verdächtig waren. Zudem gibt es gewisse Hinweise, dass Erdoğan vorab von den Plänen der Gülen-Anhänger wusste, aber sie gewähren ließ, um anschließend mit der "Cemaat" aufräumen zu können.
    Es ist eine Schwäche des Buchs, dass Yavuz und andere Autoren solchen alternativen Szenarien kaum Aufmerksamkeit schenken und auch vorschnell über Unstimmigkeiten im Narrativ der Regierung hinweggehen, so dass am Ende etliche Fragen zur Putschnacht offen bleiben.
    Dennoch zeigt das Buch eindrücklich, wie naiv die Einstufung der "Cemaat" als harmloser Bildungsverein ist. Gerade in Deutschland, wo die Bewegung dutzende Schulen betreibt, ist eine kritische Neubewertung dringend nötig. Das Buch wäre eine gute Grundlage dafür.
    Ulrich von Schwerin
    © Qantara.de 2018
    M. Hakan Yavuz und Bayram Balci (Hrsg.): "Turkey's July 15th Coup - What Happened and Why", The University of Utah Press, Salt Lake City, 2018, 344 Seiten


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    Bundesregierung überprüft Bewertung der Gülen-Bewegung


    Die Regierung kommt laut Berichten zu einer kritischen Einschätzung der Bewegung. Die türkische Regierung macht den Prediger für den Putschversuch 2016 verantwortlich.
    8. Juni 2018, 18:57 UhrQuelle: ZEIT ONLINE, KNA, AFP, sk


    Die Bundesregierung bewertet die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen Medienberichten zufolge kritischer als bisher. Das Auswärtige Amt nehme die Bewertung seiner türkischen Quellen "zunehmend ernst", dass es sich bei der Bewegung um eine Organisation handele, die den Staat unterwandern wolle, berichten der Spiegel und Report Mainz. Sie berufen sich dabei auf einen internen Bericht der Deutschen Botschaft in Ankara, den beide nach eigenen Angaben einsehen konnten.




    Der Bericht stamme von Februar 2018 und berufe sich auf Informanten in der Türkei. Über die Gülen-Bewegung werde darin unter anderem geschrieben: "Der konspirative Teil der Bewegung zeichnet sich durch strikte Hierarchien aus und erinnert in seiner Struktur an Erscheinungsformen organisierter Kriminalität." Weiter heiße es, sämtliche Quellen der deutschen Botschaft seien sich einig, dass "Gülen-Kader über Jahrzehnte hinweg gezielt staatliche Institutionen in der Türkei, insbesondere Polizei und Justiz, unterwandert" hätten. Der Anspruch der Bewegung auf die Loyalität ihrer Mitglieder sei absolut, zitieren die Beamten den Medien zufolge ihre Informanten.
    Darüber hinaus spreche ein Führungsmitglied aus Deutschland, das kürzlich die Gülen-Bewegung verlassen habe, im Spiegel und bei Report Mainz von einer antidemokratischen Bewegung, die der Betreffende wegen ihrer "geheimen Parallelstruktur" für eine Sekte halte. Religiöse Führer, die aus der Türkei entsandt würden, träfen die maßgeblichen Entscheidungen der Bewegung in Deutschland.
    Sie entschieden dabei häufig gegen die Interessen der gewählten Vereinsfunktionäre, heißt es. Ziel der Gülen-Bewegung sei es, in Deutschland lebenden türkischen Muslimen "möglichst von klein auf eine religiöse Erziehung aufzuzwingen".
    Gülen gilt in der Türkei als Staatsfeind

    Der Leiter der Gülen-nahen Berliner Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun, bestreitet den Medienberichten zufolge, dass es eine Parallelstruktur gebe. Entscheidungen träfen die Vorsitzenden in den Vereinen und Stiftungen. Die Gülen-Bewegung stehe für Demokratie, Menschenrechte und für eine zeitgemäße Interpretation des Islam.

    Die Bewegung des im US-amerianischen Exil lebenden Predigers Gülengilt in der Türkei als Staatsfeind. Präsident Recep Tayyip Erdoğan macht sie für den gescheiterten Putsch 2016 verantwortlich. In Deutschland zählt die Bewegung, die sich Hizmet (türkisch: Dienst) nennt, bis zu 100.000 Mitglieder.


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    Die Gülen-Bewegung: Neues Zentrum "Almanya"

    Die Bewegung des islamischen Predigers Gülen ist nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei weltweit unter Druck geraten. In Deutschland ist sie aber noch aktiv. Eine Spurensuche von Gunnar Köhne.


    Die türkische Regierung beschuldigt die sogenannte "Hizmet" (Dienst-) Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, hinter dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 zu stecken, bei dem mehr als 290 Menschen getötet wurden. Für eine Beteiligung gibt es zwar zahlreiche Indizien. Eindeutige Beweise aber ist die Regierung in Ankara bis heute schuldig geblieben.
    Unstrittig ist aber, dass Anhänger der Gülen-Bewegung massiv im türkischen Staatsapparat vertreten waren und sie diese Positionen zu ihren Gunsten ausnutzten - allerdings geduldet von der Regierungspartei AKP, zumindest so lange, bis sich Präsident Recep Tayyip Erdogan und der in den USA lebende Fethullah Gülen überwarfen.


    Nach dem Putschversuch erfasste eine beispiellose Säuberungskampagne die Türkei: Rund 100.000 Menschen wurden aus dem Staatsdienst entlassen und 40.000 inhaftiert. Die meisten von ihnen waren mutmaßliche Mitglieder oder auch nur Sympathisanten der Gülen-Bewegung. Zehntausende mussten aus dem Land fliehen. Von den weltweit rund 800 Gülen-nahen Schulen in 150 Ländern mussten nicht nur in der Türkei viele schließen. Vor allem in muslimischen Staaten wie dem Kosovo und Malaysia wurden auf Druck der Türkei Bildungseinrichtungen des Netzwerkes geschlossen und türkische Lehrer ausgewiesen.
    Erdogan-Opfer als gutes Image
    In Deutschland hingegen verfügt die Gülen-Bewegung immer noch über große Sympathien - in den Medien, in der Politik und selbst bei den großen Kirchen, wie Recherchen der Deutschen Welle zeigen. Ihre Anhänger werden in erster Linie als Opfer Erdogans angesehen und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit geschätzt. Dass es sich um bedingungslose Anhänger eines konservativen islamischen Geistlichen handelt, für den "erfolgreiches Dienen im Islam" nur möglich ist "durch eine Islamisierung des Lebens mit all seinen Institutionen" - wie es in Gülens Buch "Der Prophet als Befehlshaber" heißt -, scheint keine besondere Rolle zu spielen.
    Für den Chef des Bundesnachrichtendienstes, Bruno Kahl, handelt es sich bloß um eine "zivile Vereinigung zur religiösen und säkularen Weiterbildung". Zwar zitiert die deutsche Botschaft Ankara in einem Bericht türkische Quellen, wonach sich "der konspirative Teil der Bewegung (...) durch strikte Hierarchien auszeichnet und in seiner Struktur an Erscheinungsformen organisierter Kriminalität erinnert." Es ist aber unklar, ob sich die Bundesregierung diese Sichtweise zu eigen macht. Immerhin räumt sie auf eine parlamentarische Anfrage hin ein: "Die Struktur der Gülen-Bewegung ist nicht transparent."
    Indifferenter Verfassungsschutz
    Ähnlich indifferent verhält sich der Verfassungsschutz: Auf Anregung des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz (SPD) nahm sich schon 2014 eine Arbeitsgruppe mehrerer Verfassungsschutzbehörden der Bewegung an. Sie kam zu dem Ergebnis, "dass keine hinreichenden Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen vorliegen". Gleichwohl wurde nach Auskunft des rheinland-pfälzischen Innenministeriums bei der Prüfung deutlich, dass in Gülens Schriften "Textpassagen zu finden sind, die kritisch zu hinterfragen sind, u.a. zur Glaubensfreiheit, zum Geltungsumfang der Religion im öffentlichen Leben und im Hinblick auf die Haltung gegenüber Atheisten".
    Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg hatte im Juli 2014 einen umfangreichen Bericht mit kritischen Anmerkungen zu Gülen auf seiner Onlineseite veröffentlicht. Nach dem Putsch wurde die Publikation von der Seite genommen. Auf Nachfrage der DW erklärte das Landesamt, der Bericht sei nie für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen. Dass ein politisch sensibler Bericht, aus dem mehrfach öffentlich zitiert wird, zwei Jahre lang online ist, ohne dass jemand in der Behörde diesen Fehler bemerkt, wirkt jedoch kaum glaubhaft. Eine plausible Erklärung kommt hingegen aus den Reihen der baden-württembergischen CDU-Fraktion. Danach hatten türkische Regierungsstellen nach dem Putschversuch die deutsche Seite unter Verweis auf den kritischen Gülen-Bericht aufgefordert, gegen die Bewegung vorzugehen.


    Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Ulla Jelpke, wirft der Bundesregierung vor, "schützend die Hand" über die Gülen-Bewegung zu halten - selbst über die Mitglieder, die in der Türkei mutmaßlich an Verbrechen beteiligt waren. Das Mitglied des Innenausschusses des Bundestages hat wiederholt kritische Anfragen zum Umgang mit der Bewegung gestellt. Auslieferungen an die Türkei lehnt Jelpke aber ab, da die Beschuldigten dort kein rechtsstaatliches Verfahren erwarte. "Aber man könnte ihnen hier den Prozess machen."
    Lebt ein Putsch-Drahtzieher in Deutschland?
    Auch die Türkei behauptet, etliche Verantwortliche für den Putschversuch vom Sommer 2016 seien nach Deutschland geflohen. Mitte Juni veröffentlichten türkische Zeitungen die Adresse eines Wohnhauses in Berlin-Neukölln, in dem sich einer der mutmaßlichen Drahtzieher versteckt halte: Adil Öksüz, der als "Imam der Luftwaffe" im Auftrag der Bewegung Gülen-treue Offiziere befehligt haben soll. Aufnahmen zeigen ihn am Abend des Putsches auf einer Luftwaffenbasis bei Ankara. Die türkische Regierung fordert seine Auslieferung. Offiziell erklärt die Bundesregierung, dass sie nicht wisse, ob sich Öksüz in Deutschland befinde. Man habe aber Ermittlungen eingeleitet. Ein Bewohner des Hauses sagte dagegen der DW, einem Mann im Haus begegnet zu sein, der ihm stark ähnele. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau ist Öksüz inzwischen vom Berliner Staatsschutz in Sicherheit gebracht worden.
    Die Gülen-Bewegung bestreitet jede Verwicklung in Gewaltverbrechen. Sie sei lediglich in den Bereichen Dialog und Bildung engagiert. Aber auch in Deutschland hat die Bewegung seit dem Putsch zahlreiche Unterstützer verloren. Drei der 30 Gülen-Schulen mussten schließen, weil vor allem türkischstämmige Eltern ihre Kinder abmeldeten. Auch rund die Hälfte der bundesweit 170 Gülen-Nachhilfeeinrichtungen mussten aufgegeben werden. Doch langsam kehrt sich dieser Trend um. So konnte das Wilhelmstadt-Gymnasium in Berlin-Spandau seine Schülerzahlen wieder ausgleichen, wie der Vorsitzende des Trägerverein Tüdesb, Irfan Kumru, der DW bestätigte. Er kündigte außerdem die Eröffnung mehrere Kindertagesstätten an: "Die werden viel nachgefragt."
    Bildungsträger oder Sekte?
    Die Einrichtungen profitieren auch von den mehreren tausend nach Deutschland geflohenen Glaubensbrüdern aus der Türkei, darunter ehemalige Beamte, Lehrer und Geschäftsleute. Allein im Jahr 2017 stellten rund 8000 türkische Staatsbürger einen Asylantrag, in den ersten drei Monaten dieses Jahres knapp 2000. Die Neuankömmlinge werden bei Gülen-nahen Vereinen wie der "Aktion für Flüchtlingshilfe" in Berlin betreut. Dort erhalten sie Rechtsberatung und Hilfe auf der Suche nach Sprachkursen, Jobs und Wohnungen. Die Asyl-Anerkennungsquote unter den Antragstellern ist nach Angaben der Bewegung hoch. In Berlin etwa liege sie bei rund 90 Prozent.
    In einem Interview der ARD warnt ein ehemaliger Gülen-Funktionär die deutschen Behörden vor einem unkritischen Umgang mit der "Sekte" wie er die Gülen-Bewegung nennt. Sie verfüge über eine "geheime Parallel-Struktur"; der "Schein nach außen" entspreche nicht der Realität: "Nicht die Vereinsvorstände, sondern die Imame haben die Macht. Diese Imame kommen aus der Türkei und werden unter verschiedensten Vorwänden nach Deutschland gebracht. Als Journalisten oder Buchhalter. Sie sind für zirka drei Jahre da."
    Mit dem Westen kompatibel?


    Die Gülen-Bewegung will den Vorwürfen in Deutschland durch mehr Transparenz begegnen. Vor allem die "Stiftung Dialog und Bildung" mit ihrem Vorsitzenden Ercan Karakoyun bemüht sich seit dem Putsch unermüdlich darum, in deutschen Medien ein Bild der Gülen-Bewegung als demokratischem Gegenentwurf zu Erdogans autoritärem Staatsverständnis zu verbreiten. Ihre religiösen Werte seien mit dem Westen kompatibel, findet Karakoyun: "Das sind beispielsweise die Vereinbarkeit von Religion und Moderne, von Religion und Demokratie, von einem Islamverständnis, das zeitgemäß ist."

    Doch genau das wird von vielen Experten bezweifelt. Fethullah Gülen sei nie ein Reformtheologe gewesen, sagt Friedmann Eißler von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Der Dialog mit Nicht-Gläubigen sei nur ein Mittel zum Zweck: "Wir sollten die Gesamtsicht im Blick haben. Und die beinhaltet eine islamische Vision auch für die hiesige Gesellschaft im Westen." So räume Gülen in seinen Schriften Frauen zwar Rechte ein, die nicht beschnitten werden dürften. "Aber welche Rechte das sind, sagt er nicht."

    Aber selbst die Kirchen in Deutschland haben keine Berührungsängste, wenn es um die Gülen- Bewegung geht: Für das in Berlin geplante "House of One", in dem die drei monotheistischen Religionen gemeinsam beten sollen, holte sich die Evangelische Kirche Gülen-Vertreter als Partner. Und der katholische Herder-Verlag veröffentlicht schon seit Jahren Bücher Fethullah Gülens und die seiner Anhänger. Der Verlag bestätigte der DW, dass "der Autor den Absatz eines Teils der Auflage organisiert und garantiert". Will sagen: Gülen bezahlt, Herder druckt. Kein Wunder, dass Ercan Karakoyun sagt: "Deutschland ist dabei, zu unserem neuen Zentrum zu werden."

    DW, 13.07.2018
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  7. #307
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    Ist das eigentlich bestätigt ,dass die Gülen Bewegung hinter dem Putsch steht oder war es kein Inside Job?

  8. #308
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    Reporter nach TV-Beitrag über Augsburger Kindergarten verurteilt

    18.09.2018, Augsburger Allgemeine


    Der Journalist Rahmi T. schimpfte in einer Live-Schaltung eines türkischen Fernsehsenders über einen Augsburger Kindergarten, der "Gülen-Terroristen" ausbilden soll.

    VON STEFANIE SCHOENEWeil er am 24. Mai 2017 in einem Live-Beitrag für den türkischen Fernsehsender A Haber den Kindergarten "Augsburger Kinderwelt" unter anderem als "getarnte Deutschlandbasis der fethullahistischen Terrororganisation (Fetö)" bezeichnet hatte, wurde der Münchener Journalist Rahmi T. jetzt zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 50 Euro verurteilt. Auch für die Kosten des Verfahrens muss der Journalist aufkommen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
    Nicht mehr von der Pressefreiheit gedeckt

    Nach vier Stunden Hauptverhandlung und der Anhörung des damaligen Geschäftsführers des Kindergarten-Trägervereins Mustafa Güngör sowie eines Staatsschutzbeamten der Polizei kam Richterin Melanie Koch zum Schluss, dass die Inhalte der Liveschalte nicht mehr von der Pressefreiheit gedeckt seien. Insbesondere die Äußerungen "hier ist die Wahrscheinlichkeit wie immer sehr groß, dass die Kinder zu Terroristen ausgebildet werden" und "Hier, unter dem Vorwand einer Bildungseinrichtung, waschen sie die Gehirne von unschuldigen Kindern der Menschen. Sie erziehen sie für die Zukunft als Terroristen und hetzen sie auf die Menschen" bewertete das Gericht als Volksverhetzung und Aufstachelung zu Hass in Tateinheit mit Verleumdung.
    Dem Reporter sei bewusst gewesen, dass sein Bericht, der im Sender A Haber in der Türkei sowie das Internet auch in Deutschland zu empfangen war, Menschen zu eigenmächtigen "Willkürmaßnahmen" gegen Kinder und Personal hätte ermuntern können.
    Anders sah es Rechtsanwalt Serdal Altuntas. Er beantragte, zwei Gutachter zu hören, die vor allem die politische Seite der Gülen-Bewegung, insbesondere ihre Struktur als Sekte erhellen sollten. Die Anträge wurden aber abgelehnt. In seinem Schlussplädoyer forderte er Freispruch. Das "Spielen mit Worten" und verbale Zuspitzung sei der Beruf seines Mandanten und von der Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt. Zudem sei das Türkische eine "sehr emotionale Sprache". Die Reportage höre sich für deutsche Ohren "härter" an als für die türkische Zielgruppe. Dabei wolle der Beitrag lediglich türkischstämmige Eltern davor warnen, ihre Kinder in diese Einrichtung zu schicken.
    Predigt Gülens vorgelesen

    Leidenschaftlich wies der Anwalt auf die Gefahren hin, die von der "Gülen-Sekte" ausgingen, von deutschen Medien und der Politik jedoch nicht gesehen würden. Er persönlich sei während seines Studiums von Gülen-Anhängern über Jahre "penetrant" gedrängt worden, sich ihnen anzuschließen. Um zu verdeutlichen, dass Rahmi T. lediglich für Aufklärung sorgen wollte, verlas er die zentrale Predigt Fethullah Gülens. Mit dieser hatte der Gründer der Gülen-Bewegung seine Anhänger 1999 zur sukzessiven Übernahme des türkischen Staates aufgerufen. Und dafür, warnte der Anwalt, brauchten sie Bildungsinstitutionen wie Kindergärten und Schulen: "Aus den Kindern können dann Terroristen werden. In der Türkei war das so, wer weiß, was in Deutschland noch passieren wird."
    Die türkische Politik und große Teile der Zivilgesellschaft nennen die Bewegung des konservativen Predigers Fethullah Gülen kurz "Fetö-Terrororganisation". Parteiübergreifend herrscht Einigkeit, dass der erfolglose Putsch 2016 auf das Konto der weltweiten Anhängerschaft dieses Imams geht. Seither treibt der Staat systematisch die Verfolgung und Enteignung der Gülen-Sympathisanten voran.
    Der Prozess zeigt: Deutsch-türkische Medien machen das auch in Augsburg zu ihrer Sache. Mit Folgen für die Betroffenen. Der ehemalige Frohsinn-Geschäftsführer Mustafa Güngör, der im letzten Jahr die Anzeige gegen den Sender erstattete, steht mit fünf weiteren Augsburgern auf einer der Wunsch-Auslieferungslisten des türkischen Geheimdienstes. Das Landeskriminalamt informierte sie vorsorglich. In die Heimat ihrer Eltern reisen die sechs seither nicht mehr.
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  9. #309
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    11.09.2018Gülen-Bewegung

    Die Gülen-Bewegung und die deutschen Medien

    Die Gülen-Bewegung hat in Deutschland ein positives Image. Hierzu tragen auch Journalisten aus dem Gülen-Umfeld bei. Ein Bericht von Volker Siefert.
    Yunus Ulusoy vom Essener Zentrum für Türkei-Studien ist sich sicher: Das Netzwerk der Gülen-Bewegung hat auch in Deutschland eine Machtstruktur entwickelt, die sich von außen weder durchschauen noch kontrollieren lässt. Ihre ganze Kraft widme die Bewegung einem neuen Image: als Vorreiterin für Demokratie. Und die Botschaft scheint in den deutschen Medien anzukommen. Kritische Stimmen über mangelnde Transparenz innerhalb der Bewegung oder die von Gülen geforderte Unterordnung unter die "absolute Wahrheit des Korans" kommen nur selten zur Sprache.
    Die vielfach unkritische Wahrnehmung der Gülen-Bewegung in Deutschland hänge mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zusammen, sagt Ulusoy. "Er steht für einen autoritären und antidemokratischen Führungsstil und ist eine verhasste Person in der deutschen Öffentlichkeit."
    Zum positiven Image der Bewegung tragen aber auch deutsch-türkische Journalisten aus dem Gülen-Umfeld bei. Das organisatorische und ideologische Zentrum der Gülen-Bewegung in Deutschland war bis zum Putsch der Medienkonzern "World Media Group AG" (WMG) mit Sitz in Offenbach am Main. Das Unternehmen brachte die Zeitung "Zaman-Europa" heraus, betrieb mehrere TV-Sender und verantwortete das online erscheinende Deutsch-Türkische-Journal (DTJ). Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten nach dem Bruch zwischen Erdoğan und Gülen musste die WMG nach und nach ihre einstmals 250 Mitarbeiter entlassen.
    Anfang 2018 sei das Offenbacher Gelände mit Verlagsräumen und Studios verkauft worden, sagt der ehemalige "Zaman-Europa"-Chefredakteur Mahmut Çebi. Er selbst sei derzeit arbeitslos, erzählt er. Anderen ehemaligen Kollegen ginge es ähnlich. Nach seiner Schätzung arbeiten zehn Prozent der ehemaligen WMG-Mitarbeiter in Deutschland in anderen Medien - als Journalisten oder in der Werbebranche.
    Einer der ehemaligen "Zaman"-Journalisten ist bei der Regionalzeitung "Die Rheinpfalz" in Ludwigshafen untergekommen. Trotz jahrelanger Berufserfahrung hat er dort eine Stelle als Volontär angetreten. Über den Konflikt zwischen Erdoğan und Gülen würde er in seiner neuen Stelle nicht berichten. "Im Moment habe ich keine Verbindung zur Gülen-Bewegung", beteuert er schriftlich auf Anfrage. Er habe lediglich zu ehemaligen "Zaman"-Kollegen sporadischen Kontakt, mit denen er sich gut verstanden habe.
    Netzwerkstrukturen funktionieren noch
    Die Werbe- und Medienagentur "Pinien Art & Media" in Hilden (NRW) schreibt auf ihrer Seite: "Unsere Rechercheure arbeiten präzise, seriös und sauber, sammeln Fakten, Indizien und beziehen Insider-Informationen aus erster Quelle… Unsere Rechercheure bedienen zahlreiche politische Magazine in öffentlich-rechtlichen Medien sowie internationale Medien."
    Einer der vier Gründer ist der Druckerei-Unternehmer Erkan Köktaş. Er bestätigt auf Anfrage seine Mitgliedschaft in der Gülen-Bewegung und sein ehemaliges Engagement im Gülen-Unternehmerverband "Fidan". Laut Impressum der Homepage (Stand 10.6.2018) sind für die journalistischen und redaktionellen Inhalte der Seite die beiden ehemaligen "Zaman"-Mitarbeiter Hüseyin Topel und Fatih Aktürk zuständig.
    Topel und Aktürk werden auf der Homepage neben Köktaş ebenfalls als Gründer genannt. Sie arbeiten als freie Autoren für verschiedene deutsche Medien. So war Topel 2017 an zwei Beiträgen des ARD-Magazins "Monitor" als Co-Autor beteiligt, die die Folgen der Repression des türkischen Staates gegen Gülen-Anhänger behandelten. In einem Beitrag ging es um deren Schwierigkeiten, in Deutschland als Asylbewerber anerkannt zu werden.
    In einem anderen Beitrag wird die Entlassung hochrangiger Manager von Turkish Airlines in Deutschland behandelt. Lediglich an einer Stelle wird in diesem TV-Beitrag auf eine andere Sichtweise auf Gülen verwiesen: "Die Bewegung ist auch in Deutschland nicht unumstritten. Doch für Terror- oder Putschvorwürfe gibt es keine belastbaren Beweise", heißt es in dem Film über die Airline-Manager.
    Zwischen Ahnungslosigkeit und kritischer Distanz
    Der WDR sieht in der Beschäftigung Herrn Topels mit Beiträgen über Gülen-Anhänger kein Problem: "Herr Topel hat bereits zu Beginn der Zusammenarbeit der Redaktion 'Monitor' gegenüber offen gelegt, dass er über gute Beziehungen zu Gülen-Anhängern verfügt. Seine frühere Tätigkeit bei 'Zaman' hat er der Redaktion mitgeteilt, auch seine Tätigkeit für die von Ihnen genannte Agentur ("Pinien Art & Media", Anm. d. Red.). Über die Tätigkeiten von Herrn Köktaş und dessen von Ihnen behauptete Beziehung zur Gülen-Bewegung ist der Redaktion nichts bekannt. Es ist auch nicht üblich, dass die Redaktion über die Gesinnung von Geschäftspartnern von Autoren Nachforschungen anstellt", schreibt die WDR-Pressestelle.
    Im ARD-Magazin "Kontraste" kam Topel im Frühjahr 2018 als Co-Autor in einem Beitrag über Erdoğans Kriegspropaganda in Deutschland zum Einsatz. Auf Anfrage erklärt die Pressestelle, die Beschäftigung Topels bei der "Zaman" und sein familiärer Hintergrund sei der Redaktion bekannt. "Herr Topel hatte keinerlei Entscheidungsbefugnis in Bezug auf Themensetzung, Themenumsetzung oder Auswahl des Recherchematerials und hat keine Interviews selbst geführt".
    Auch beim ZDF ist Topel für das Magazin "Frontal 21" und andere Redaktionen tätig. Für das Investigativ-Flaggschiff des Senders entstand 2017 unter seiner Co-Autorenschaft ein Beitrag über ErdoğansRepressionsapparat. Laut Pressetext kam darin auch Ercan Karakoyun zu Wort. Das ZDF sieht als einziger in dem Zusammenhang angefragten Sender Klärungsbedarf: "Grundsätzlich unterliegen freie Mitarbeiter keiner Genehmigungspflicht für die Ausübung anderweitiger Tätigkeiten. Dennoch führen die zuständigen ZDF-Redaktionen mit Hüseyin Topel Gespräche über seine weiteren Tätigkeitsfelder als deutsch-türkischer Journalist", teilt die ZDF-Pressestelle mit.
    Für den Deutschlandfunk berichtet Topel in der Religionssendung "Tag für Tag" am 22. August 2016 über die Theologie Gülens. "Diese Darstellung leistet der Beitrag 'Der vergessene Gelehrte', erklärt die Pressestelle des Deutschlandradios. Der Sender sieht keinerlei Grund zu einer Beanstandung im Sinne einer nicht sachlichen oder parteiischen Berichterstattung. Das gelte auch für andere Beiträge für die Politik-Redaktion des DLF, in denen es um den Umgang von Erdoğan mit Kritikern ging. Auch dass Topel seinen Geschäftspartner Aktürk in einem Beitrag als "deutsch-türkischen" Journalisten zu Wort kommen lässt, ohne den Hörer über deren geschäftliche Verbindung zu informieren, sieht der Sender als unproblematisch an.
    Aktürk hat in der Vergangenheit unter anderem für "cicero-online", die Online-Plattform "Huffingtonpost" und die "Südwestpresse" (swp) zu Erdoğans Repressionspolitik geschrieben. In zwei Artikeln aus dem Jahr 2017 für die "swp" kommen Gülen-Anhänger zu Wort, die auf der Spionage-Liste stehen sollen oder Probleme bei der Einreise nach Deutschland bekommen.
    An keiner Stelle erfährt der Leser davon, dass der Autor selbst für die "Zaman" in Düsseldorf gearbeitet hat und mit einem bekennenden Gülen-Mitglied gemeinsam die Agentur "Pinien Art & Media" gegründet hat. Die zuständige Redakteurin habe von einer möglichen "Gülen-Nähe" des Autors nichts gewusst, heißt es auf Anfrage. Die Zusammenarbeit sei aus anderen Gründen beendet worden. Aktürk selbst hat auf Fragen zu seiner journalistischen Tätigkeit und einer möglichen Nähe zur Gülen-Bewegung bislang nicht geantwortet.
    Rettung eines Gülen-Mediums
    Die Verbindungen von "Pinien Art & Media "-Mitbegründer Köktaş zur Gülen-Bewegung gehen noch weiter. Als Vorsitzender ist er laut Homepage in dem Verein "Deutsch-Türkischer Journalismus und Recherche e.V." aktiv, der das DTJ weiter betreibt. Mit im Vorstand des Vereins ist Süleyman Bağ, der lange Jahre in leitender Funktion beim DTJ war. "Wir haben uns gemeinsam mit Süleyman Bağ nach der Lossagung von der "World Media Group" in Mitte 2017 entschieden: Das DTJ soll ein Nachrichtenportal sein, bei dem alle Meinungen vielfältig vorkommen und nützliche gesellschaftliche Debatten anstoßen, bei dem kritische Berichterstattung in allen Themen möglich ist", erklärt Köktaş auf Anfrage.
    Die "Pinien Art & Media" hat nach Angaben von Köktaş rund 20 freie Mitarbeiter. Es sei ihm nicht bekannt, ob unter ihnen Gülen-Anhänger seien, so Köktaş. Bei der Beschäftigung ginge es um ihre berufliche Qualifikation. Auf Anfrage, wie viele der freien Mitarbeiter journalistisch tätig sind, kam bislang keine Antwort von dem Unternehmen.
    Angesprochen auf die familiären und geschäftlichen Verbindungen ins Gülen-Umfeld sagt Topel, er sei kein Gülen-Anhänger. Sein Vater sei an der Gründung eines Nachhilfevereins der Bewegung beteiligt gewesen und habe bei der Gründung einer Gülen-nahen Schule in NRW mitgewirkt. Ihn deshalb in die Nähe der Bewegung zur rücken, bedeute, ihn "in Sippenhaft" zu nehmen. Auch dass er nach seinem Studium bei der "Zaman" in Düsseldorf als Redakteur angeheuert hat, lässt er als Beleg für eine Gülen-Nähe nicht gelten. Er legt Wert darauf, dass es sich um eine Halbtagsstelle gehandelt habe. Die Mitgliedschaft von Köktaş bei der Gülen-Bewegung spiele für ihn genau so wenig eine Rolle wie dessen Engagement für die Rettung des DTJ. Topel und Aktürk haben in der Vergangenheit selbst für das DTJ geschrieben.
    Volker Siefert
    © Deutsche Welle 2018
    Redaktioneller Hinweis: Die Journalisten Topel und Aktürk haben jeweils auf Nachfrage mitgeteilt, sie seien weder Anhänger noch Sympathisanten der Gülen-Bewegung.
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