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Nur wenige Monate nach der Einstellung des britischen Boulevardblatts „News of the World“ hat der „Guardian“ einen neuen Skandal aus dem Hause Murdoch enthüllt: Jahrelang sollen Unternehmen große Stückzahlen des „Wall Street Journal“ zu Spottpreisen gekauft haben, um die Auflage in die Höhe zu treiben.

Als Gegenleistung erhielten die Firmen gratis Werbung und in manchen Fällen auch redaktionelle Inhalte. Mehr als 40 Prozent der Auflage in Europa sollen so „verkauft“ worden sein. Die Konzernspitze soll davon gewusst, aber nichts unternommen haben.

 

 

Andrew Langhoff, führender Manager in Murdochs Medienimperium, trat am Dienstag von seinem Job zurück. Offizielle Begründung: Sponsoringverträge, die in den redaktionellen Teil des „WSJ“ eingriffen. Das „WSJ“ hatte im Rahmen einer Sponsoringvereinbarung mit dem niederländischen Unternehmen Executive Learning Partnership (ELP) eine Studie dieser Firma im redaktionellen Teil der Zeitung publiziert.

Langhoff war Europa-Geschäftsführer des von Murdoch 2007 aufgekauften Unternehmens Dow Jones & Company, des Mutterkonzerns des „WSJ“. Laut der britischen Tageszeitung „Guardian“ versteckt sich hinter Langhoffs Rücktritt weit mehr, als das „WSJ“ bekanntgab: Das „WSJ“ soll mittels Kooperationen mit Firmen wie ELP die Auflagenzahlen in die Höhe getrieben haben.

 

Mailverkehr beweist fragwürdige Deals

E-Mails, die dem „Guardian“ nach eigenen Angaben vorliegen, sollen beweisen, dass Langhoff Kooperationen mit Firmen geschlossen hat, in denen vereinbart wurde, dass diese täglich große Stückzahlen des „WSJ“ zu einem extrem günstigen Preis von wenigen Cents abkaufen. Im Gegenzug dafür versprach die Zeitung, die Aktivitäten der Unternehmen zu bewerben. Die Aktionen seien 2008 gestartet und von London aus gesteuert worden.

Sie hätten sich auf die europäischen Ausgaben konzentriert, die in der EU, Russland und Afrika erscheinen, so der „Guardian“. Bei den Unternehmen handelt es sich um europäische Firmen, die Ausbildungen für künftige Führungskräfte anboten. Die gekauften Zeitungen wurden an die Studenten verteilt. Die Namen der Unternehmen wurden im Gegenzug im „WSJ“ positiv erwähnt.

Die Auflage wurde damit enorm in die Höhe getrieben: In Europa waren diese „Verkäufe“ für rund 41 Prozent der täglich erzielten Auflage verantwortlich - 31.000 von 75.000 Stück.

ELP drohte mit Absprung - Deal ausgebaut

2010 sollen die ersten Probleme aufgetaucht sein, als der größte Einzelsponsor, die niederländische Firma ELP, drohte, von dem Deal abzuspringen. ELP alleine sorgte für 16 Prozent der europäischen Auflage, und kaufte täglich 12.000 Kopien der Zeitung zu je einem Cent. Das Sponsoringvolumen belief sich im Jahr auf mehr als 31.000 Euro. ELP wurde die Kooperation zu teuer - die erzielten Effekte seien zu klein, beschwerte man sich.

Langhoff soll dem Unternehmen daraufhin einen neuen Vertrag angeboten haben - ELP stieg darauf ein. Zusätzlich zu den bereits vereinbarten Engagements verpflichtete sich das „WSJ“ darin, dem Unternehmen eine achtseitige Beilage zur Verfügung zu stellen. Daneben erhielt ELP kostenlose Werbeanzeigen, im Austausch gegen die Erstellung von Imagevideos. Als heikler Punkt beinhaltete der Deal auch, dass das „WSJ“ „mindestens drei Sonderberichte“ basierend auf von ELP durchgeführten Studien über den europäischen Markt veröffentlichen würde.

Konzernleitung soll informiert gewesen sein

Mehrere Mitarbeiter des Journals beklagten sich über diesen Deal - sie sahen darin ihre ethischen Grundsätze verletzt. Eine Führungskraft schrieb in einem E-Mail, dass Teile der Vereinbarung „nicht optimal“ und nicht einfach mit den Richtlinien des Unternehmens vereinbar seien.

Ein Mitarbeiter soll daraufhin die Dow-Jones-Zentrale in New York über die fragwürdigen Sponsoringvereinbarungen informiert haben. Mehrere Manager an der Spitze des Unternehmens, darunter ein enger Vertrauter Murdochs, wurden informiert. Der Informant wurde jedoch unmissverständlich aufgefordert, kein Wort mehr über die Verträge zu verlieren. Unternommen wurde offenbar nichts. Wäre der Deal abgebrochen worden, wären die Auflagen plötzlich um 16 Prozent eingestürzt.

„Rechtmäßig und angemessen“

In einem Statement bezeichnete Dow Jones die Auflagenverkäufe an ELP am Dienstag als „rechtmäßig und angemessen“. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es „keine Beziehungen“ mehr zu den Beteiligten aus diesen Verträgen, man sei jedoch nach wie vor der Überzeugung, dass diese legal gewesen seien. Das Unternehmen gesteht jedoch ein, dass die Situation eine „schiefe Optik“ hervorrufe. „Uns waren die genauen Details der redaktionellen Komponente dieser Geschäftsbeziehung bis letzte Woche nicht bekannt“, hieß es in der Erklärung.

 

http://orf.at/stories/2084170/2084174/

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