Einmal Trke, immer Trke, der ewige Muslim

Blent Uar, Professor fr Islamische Religionspdagogik an der Universitt Osnabrck uni-osnabrueck.de, bearb. MiG
Prof. Dr. Blent Uar 25.07.2018

Viele meiner Studenten sagen mir: Wir knnen machen, was wir wollen, als Deutsche werden wir nicht akzeptiert und gelten als die ewigen Muslime. Dieser Zustand ist ein echtes Armutszeugnis fr unser Land. Von Prof. Blent Uar
Unabhngig vom konkreten Hintergrund, den sportlichen Leistungen, den politischen Implikationen, dem desastrsen Krisenmanagement und den zahlreichen Kommunikationspannen hat die zil-Debatte eine Determinante deutscher Integrationsdiskurse in den letzten Dekaden wieder in Erinnerung gerufen: Es fehlt groen Teilen der Presse in Deutschland komplett an einem Grundvermgen zur kritischen Selbstreflexion und Empathie.


Die Islam- und Integrationsdebatte hat im Land der Denker und Dichter insgesamt ein unterirdisches Niveau. Weite Teile der Medien beschftigen entweder kaum Mitarbeiter mit Migrationsgeschichte oder hufig Personen, die teilweise bis zur Unkenntlichkeit angepasst ohne Bezug zu ihrem Herkunftsmilieu sind. Folglich fhlen sich schlielich diese Medien lebensfremd, zugangslos ber den Dingen stehend und machen selbstredend alles richtig. Hinterfragen der eigenen Positionen und Selbstkritik? Fehlanzeige.
Stempel des Jammerlappens

Und in den sozialen Medien wird noch ungenierter gehetzt, gepbelt und fremdenfeindlich agitiert. Ja, es wird in diesem Land in Behrden, im Beruf, in der Schule, auf dem Wohnungsmarkt und im Alltag mal offen ungeniert rassistisch und mal gut verpackt, in zivilisierter Manier ausgegrenzt, diffamiert und diskriminiert und wenn man dies anprangert, bekommt man von unseren Qualittsmedien schnell den Stempel des ewigen Jammerlappens und Opfers aufgedrckt.
Beachtenswert ist, wie selbstherrlich, hierarchisch und zugleich selbstentlarvend diese Rhetorik, um dem Rassismusvorwurf zu entgehen, weiterhin mit Untersttzung einiger selbsternannter Kronzeugen aus diesen Migrantenmilieus funktioniert. Die vorgegebenen Narrative um die Deutungshoheit in der Integrationsdebatte muss von allen betroffenen Akteuren im ffentlichen Diskurs eingehalten werden, oder sie werden schlicht marginalisiert.
Ein echtes Armutszeugnis

So viel zur Meinungsfreiheit und Gleichbehandlung in meiner schnen Heimat, die man mir selbstverstndlich jederzeit absprechen kann, sobald ich nicht funktioniere und leiste, wie erwnscht, weil ich wie Millionen andere Menschen noch eine weitere Herkunftsgeschichte habe und dazu stehe.
Viele meiner Studenten sagen mir: Wir knnen machen, was wir wollen, als Deutsche werden wir nicht akzeptiert und gelten als die ewigen Muslime. Dieser Zustand, der von Naika Foroutan ber Sawsan Chebli in den letzten Tagen von vielen bereits beschrieben wurde, ist ein echtes Armutszeugnis fr unser Land, weil genau dieser latente Vertrauensentzug nicht die besorgten Brger besnftigen, sondern die Rechten in diesem Land weiter strken und salonfhig machen wird.
Gott sei Dank!

Interessanterweise ist die Politik hier insgesamt viel ausgewogener und feinfhliger als es manch ein Journalist ist. Unseren Medienvertretern scheinen mit Blick auf Quotenoptimierung in Teilen Integration, solidarisches Zusammenleben und das Forcieren von Entfremdungsprozessen ziemlich egal zu sein. Und ja, es gibt auch die Teile der Medien, der Meinungsmacher, welche an einer differenzierten Berichterstattung interessiert sind und sich tagtglich fernab populistischer Irrwege um eine ordentliche faktenbasierte bertragung von Nachrichten bemhen. Gott sei Dank!
Bentigt wird eine aufrichtige Auseinandersetzung: selbstkritisch auch in Bezug auf die politischen Ereignisse der letzten Jahre in der Trkei offen, dialogisch-konstruktiv, und keine Neuauflagen vorurteilsbeladener, hysterischer Selbstgesprche.

Migazin