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[h=1]Fox News blamiert sich: Peinliches Interview mit Muslim über Jesus[/h]

„Warum schreibt ein Muslim ein Buch über Jesus?“ Das wollte Nachrichtensprecherin Lauren Green von Religionswissenschaftler Reza Aslan wissen. Und so nahm eines der peinlichsten Interviews im US-Fernsehen seinen Lauf.

Das ging gründlich schief: Der US-Nachrichtensender Fox News wollte den muslimischen Historiker Reza Aslan zu seinem Buch über Jesus interviewen. Doch die Moderatorin der Sendung „Spirited Debate“, Lauren Green, erlaubte sich am vergangenen Wochenendeeinen peinlichen Auftritt. Im Internet wird sie mit Häme überzogen. Medien-Branchendienste werten das Interview als eines der peinlichsten überhaupt – andere Medien freuen sich darüber, dass durch den Skandal ein lesenwertes Buch große Beachtung erfahre.

 

In dem Gespräch, das live gesendet wurde, zeigt sich Green zunächst verwundert darüber, dass ein gläubiger Muslim ein Buch über Jesus veröffentlicht. Religionswissenschaftler Aslan glaubt ihre Zweifel damit ausräumen zu können, indem er darauf verweist, Professor für allgemeine Religionswissenschaften zu sein. Er machte klar, dass er seit 20 Jahren die Ursprünge des Christentums erforsche und fließend Altgriechisch verstehe.

 

Doch die Fernsehjournalistin beharrte darauf, dass Religionswissenschaftler Aslan seine Meinung als Muslim in seine Jesus-Forschungen einfließen lasse. Sie behauptete sogar, er würde seinen religiösen Hintergrund in der Öffentlichkeit verschleiern.

[h=2]Schaden für Fox News, PR-Coup für Aslan[/h]Auf diesen Vorwurf reagierte Aslan nicht mehr ganz so höflich, wie noch zu Beginn des Interviews. „Ma’m, das steht auf der zweiten Seite meines Buches. Ich ermutige Sie sogar, Interviews zu finden, in denen meine Religion nicht Thema ist“, parierte er. Für ihn und sein Buch „Zealot: The Life and Times of Jesus of Nazareth“ hat sich der zehnminütige Interview-Clip als PR-Glücksfall herausgestellt: Auf YouTube verzeichnet das Video inzwischen mehr als 2,6 Millionen Besucher. Der Verlag Random House, in dem das Buch erscheint, gab nach Angaben des Onlineauftrittes der „New York Times“ bekannt, dass dieVerkäufe um 35 Prozent gestiegen seien– innerhalb von zwei Tagen.

 

 

Focus, 01.08.2013

 

 

http://www.youtube.com/watch?v=Jt1cOnNrY5s

 

 

 

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[h=1]"Euer Jesus war wütender, als ihr Christen glaubt"[/h]Durch Fox News wurde sein Buch berühmt: Der Muslim Reza Aslan hat eine Studie über Jesus geschrieben. Seine These: So friedliebend wie die Christen ihn sehen, war er gar nicht. Von Hannes Stein

 

Danke, "Fox News"! Mit einem einzigen Interview ist es dem konservativen amerikanischen Fernsehsender gelungen, ein hervorragendes Buch auf Platz eins der Amazon-Liste zu hieven. Man kann sich das Gespräch auf Youtube anschauen: knapp zehn Minuten ununterbrochener Peinlichkeit.

Es geht um Reza Aslan, einen Professor aus Kalifornien und Spezialisten für Religionswissenschaft, der eine Studie über Jesus von Nazareth mit dem eingängigen Titel "Zelot" geschrieben hat. Die Interviewerin gibt sich strohdoof tief entsetzt: Wie er denn als gläubiger Muslim ein Buch über das Christentum verfassen könne? Und warum er dabei seinen islamischen Glauben verschweige?

Reza Aslan kontert souverän: Er sei nicht nur Muslim, sondern auch Professor und Religionswissenschaftler. Und ihm seien in seinem Buch, bitte sehr, auch islamische Dogmen egal. Schließlich glauben Muslime an die Jungfrauengeburt Jesu; woran sie aber wiederum nicht glauben, das ist die Kreuzigung.

Bei Reza Aslan ist es genau umgekehrt: Die Jungfrauengeburt hält er für eine fromme Legende. Aber er ist überzeugt, dass der Nazarener tatsächlich – und nicht als Metapher – wie ein Hund verprügelt und ans Holz genagelt wurde. Die Kreuzigung ist für Aslan überhaupt das Wichtigste. Es handelt sich um das A und O seines Buches.

[h=2]Der Muslim glaubt – an den historischen Jesus[/h]Um das schnell loszuwerden: Selbstverständlich hat Aslan recht. Wenn nur Christen wissenschaftlich über christliche Themen arbeiten dürften, dann hätte Theodor Mommsen sich nicht über römische Geschichte äußern dürfen, weil er nicht an den heidnischen Götterhimmel glaubte.

Aslans Lebensgeschichte (er wurde im Iran als Muslim geboren; seine Familie flüchtete von den Anhängern Khomeinis nach Amerika; er hatte als Jugendlicher eine Phase als evangelikaler Christ und kehrte später zum Glauben seiner Väter zurück) ist also vollkommen unerheblich. Andererseits spielt seine Religion natürlich doch eine Rolle: Jeder Leser dieses Buches spürt, wie ernst es Aslan mit seinem Glauben ist – oh nein, nicht dem Islam. Sondern dem Glauben an den historischen Jesus.

Aslan plädiert dafür, endlich einmal ernst zu nehmen, was die Römer an das Kreuz geschrieben haben, an dem dieser Mann vor gut 2000 Jahren hing: Jesus Nazarenus Rex Judaeorum. Das war keine Ironie, kein Sarkasmus; die Römer, so Aslan, seien nicht für ihren Humor berühmt gewesen. Es war also alles so gemeint, jedes einzelne Wort. Jesus stamme aus Nazareth (und nicht aus Bethlehem), einem Kaff voller Lehmhütten in Galiläa, in dem es keine einzige befestigte Straße gab.

[h=2]Jesus war "White Trash"[/h]Wenn es heißt, er sei tekton, Zimmermann, gewesen, dann bedeute das: Er kam sozial von ganz unten. "White trash" sagt man heute in Amerika dazu. Wahrscheinlich war er Analphabet, wie die meisten Kinder Israels jener Zeit. Er konnte gebrochen Hebräisch, sprach im Alltag Aramäisch und vielleicht ein paar griechische Brocken.

Ans Kreuz geschlagen wurde er, weil er den Anspruch darauf erhob, "Rex Judaeorum" zu werden, also König der Juden. Bei den angeblichen Dieben, die rechts und links von ihm gekreuzigt wurden, handelte es sich in Wahrheit um "lestai", also Banditen – so nannten die Römer all jene, die sich gegen ihre Herrschaft erhoben.

Pontius Pilatus war kein Gutmensch, der händeringend versuchte, Jesus freizubekommen, sondern ein brutaler Statthalter der Besatzungsmacht. Er wird kaum den Kopf gehoben haben, als er Jesus auf die Hinrichtungsstätte schickte, wo außer diesem Juden noch Hunderte Blut schwitzten, stöhnten und krepierten.

[h=2]Jesus war ein Nationalist[/h]Jener Jesus, den Aslan uns in seinem Buch schildert, ist ein rabiater Nationalist. Für Gojm (Nichtjuden) hat er sich in keiner Minute seines Lebens interessiert; er hat sie vielmehr aus tiefster Seele verachtet. Er war kein Pazifist, der dafür plädierte, die andere Wange hinzuhalten. "Glaubt nicht, dass ich gekommen bin, Friede auf Erden zu bringen", könnte er gesagt haben.

"Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert", steht im Neuen Testament (Matthäus 10,34). Vor seiner Hinrichtung war er mit Exorzismus und Magie, dem Wirken von Wundern, beschäftigt – so wie viele andere Juden damals auch. Denn Krankheiten wurden so interpretiert, dass man entweder von Gott gestraft worden oder aber von Dämonen besessen sei.

Wenn Jesus mit Formeln wie "Sohn Gottes" oder "Menschensohn" um sich warf, dann meldete er damit recht unverblümt seinen Anspruch auf die Königswürde Israels an, ein Affront gegen die römische Besatzungsmacht.

[h=2]Jesus wäre heute ein Siedler-Rabbi[/h]Würde Jesus heute wiederkehren – er wäre wahrscheinlich kein sanfter Reformrabbiner in der Upper West Side von Manhattan, sondern ein bärtiger Siedler-Rabbi mit gestickter Kippa, der die Palästinenser aus dem Westjordanland vertreiben möchte.

Wie verhält es sich dann aber mit Sprüchen à la "Mein Reich ist nicht von dieser Welt"? Spätere Erfindungen, schreibt Aslan. Die Verfasser des Neuen Testaments hatten gute Gründe, ihn als unpolitischen Friedensfürsten zu zeichnen; man wollte von den Römern nicht auf der Stelle totgeschlagen werden.

Eine späte Erfindung auch der Gerichtsprozess wegen Blasphemie, den der Sanhedrin – das höchste jüdische Gericht – gegen Jesus veranstaltet haben soll. Mitten in der Nacht, wie es im Text heißt; an einem Freitagabend, also am Erew Schabbat, der gleichzeitig auch noch der Anfang des Passahfestes war. Gewiss doch, und hinterher gingen alle ein koscheres Schinkenbrot essen.

[h=2]Jesus – einer von 1001 Messiassen[/h]Nur eines unterschied Jesus von 1001 anderen Messiassen, Aufrührern, Propheten, Nationalisten, Fanatikern, die damals jenes Land durchstreiften, das die Römer Palästina nannten: Er wurde nach seinem Tod nicht vergessen. Dies ist vor allem Paulus zu verdanken, der den Kreuzestod Jesu radikal umdeutete – er verklärte ihn zum Opfer, durch das die gesamte Menschheit von ihren Sünden erlöst sei. Eine geniale Interpretation! Christus, der strahlende Universalheld, war geboren worden; und Jesus war endgültig tot.

Selbstverständlich kann man Reza Aslan in Detailfragen am Zeug flicken. Voilà: Das Judentum war im römischen Reich nach der Zerstörung des Tempels keineswegs eine "Pariareligion", wie er schreibt, sondern galt weiterhin als "religio licita". Nach dem zweiten jüdischen Aufstand wurden auch nicht alle Juden aus Palästina vertrieben (das haben erst die Araber ein paar Jahrhunderte später weitgehend geschafft); es wurde nur Jerusalem planiert und zur "judenfreien" Stadt gemacht, in der sich kein Beschnittener aufhalten durfte.

Nicht alle Varianten des Judentums waren so xenophob, wie Aslan sie schildert – zumal das pharisäische nicht: Rabbi Hillel hat sich lange vor Jesu Geburt freundlich mit Nichtjuden unterhalten. Und dann kann man natürlich fragen, woher der Humor in manchen der jesuanischen Gleichnisse kommt. Nationalisten und Fanatiker sind in der Regel nicht besonders witzig; wer immer sich aber etwa das Gleichnis von den anvertrauten Talenten ausgedacht hat, muss über eine gehörige Portion Humor verfügt haben.

Tut nichts, Reza Aslans Buch ist in jedem Fall großartig. Selbstverständlich wird es weder den Papst noch Abermillionen amerikanischer Christen von ihrem Glauben abbringen. Das soll es auch gar nicht; sondern es soll ein schnell rotierender Wetzstein sein, an dem sich der Christenglaube schärft.

 

 

 

 

Welt, 31.07.2013

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