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[h=1]Stadtgespräch aus Herford

Gewalt im Namen der Religion[/h]Immer mehr junge und gewaltbereite Islamisten schließen sich der Terromiliz IS an. Wie sollen wir mit den Drohungen und Aggressionen umgehen? Was muss der Staat tun? Darüber entbrannte beim Stadtgespräch im Herforder Schützenhof eine hitzige Diskussion.

Der menschenverachtende Krieg der IS-Terroristen ist einerseits ganz weit weg, andererseits aber auch ganz nah: So gibt es in NRW Moscheen, in denen IS-Kämpfer angeworben werden, in Wuppertal patroullierte kürzlich eine selbsternannte Sharia-Polizei. “Und so sind Vorbehalte, Verunsicherungen und Ängste groß”, erklärt Stadtgespräch-Moderator Thomas Koch (re.). Zusammen mit Stefan Leiwen moderiert er das Stadtgespräch aus Herford zum Thema “Gewalt im Namen der Religion: Die neue Angst vor dem Nachbarn”.

 

Wie sollen wir mit den Drohungen und Aggressionen umgehen? Was muss der Staat tun? Darüber diskutieren im Herforder Schützenhaus Tim Kähler (SPD-Bürgermeister der Stadt Herford), Cemil Sahinöz (Bündnis Islamische Gemeinden), Sile Akay (Vertreter der Jesidischen Gemeinde Ostwestfalen-Lippe) und Kirstin Korte (CDU-Landtagsabgeordnete).

 

Anfang August war es in Herford vor einem Imbiss zu Auseinandersetzungen zwischen mehreren Männern jesidischen und muslimischen Glaubens gekommen. Anlass des Streits soll ein Plakat gewesen sein, das am Imbiss angebracht war. Auf dem Plakat wurde von Jesiden zu einer Demonstration aufgerufen, um gegen das Vorgehen der Terrorgruppe IS in Irak und Syrien zu protestieren.

 

Es kam zu Schlägereien mit bis zu 300 beteiligten Personen, die Polizei stellte Messer, Knüppel und Schusswaffen sicher. Michael Albrecht von der Herforder Polizei war bei dem Einsatz für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig: “Das, was da auf einen einprasselte, bleibt ewig in Erinnerung”, schildert er. Viele Kollegen vor Ort hätten Angst um ihr Leben gehabt.

 

Über 110 Nationalitäten leben in Herford friedlich miteinander. “Es kann nicht sein, dass das mit Füßen getreten wird, nur weil einige sich nicht an Spielregeln halten”, empört sich Tim Kähler (SPD), Bürgermeister der Stadt Herford.

“Ich glaube, es wird immer dann gefährlich, wenn globale Entwicklungen dazu führen, dass wir vor Ort Ausschreitungen haben, also eine Art stellvertretenden Bürgerkrieg hier in den Straßen von Deutschland haben”, erklärt Cemil Sahinöz vom Bündnis Islamische Gemeinden. Deshalb sage er ganz klar: “Leute, lasst euch nicht provozieren, handelt verantwortungsvoll.”

Sile Akay nahm als Vertreter der Jesidischen Gemeinde Ostwestfalen-Lippe am Stadtgespräch teil. “Ich finde es sehr bedrohlich, dass derzeit offen zu Gewalt in Deutschland aufgerufen wird”, so Akay. “Das gilt für uns wie auch für andere.”

“Letztendlich werden alle in Misskredit gebracht, nur weil einige meinen, Fanatismus ausleben zu müssen”, bedauert die CDU-Landtagsabgeordnete Kirstin Korte. “Und das können und wollen wir uns als Bürger dieses Staates nicht leisten.”

“Ich finde es bedrohlich, dass man sieht: Es gibt Salafisten in Herford, und es wird nichts gemacht”, erklärt eine Besucherin. Als Frau und Jesidin habe sie häufig Angst. Bei jedem, der einen langen Bart hat, denke man gleich: Salafist, führt die junge Frau aus.

“Es kann doch nicht sein, dass hier in Herford Salafisten unter uns sind”, empört sich auch ein weiterer Besucher, ebenfalls Jeside. “Kein Mensch darf einem anderen Menschen sagen – vor allen Dingen nicht mit Gewalt – welche Religion er ausüben soll.”

Lehrer in den Schulen müssten sensibilisiert werden, um Radikalisierungsprozesse frühzeitig zu erkennen, findet Cemil Sahinöz vom Bündnis Islamische Gemeinden. Gleichzeitig müssten Beratungsstellen für Famlien eingerichtet werden. “Denn die Familien sind die ersten, dies es mitbekommen, wenn es zu Radikalisierungsprozessen kommt”, so Sahinöz. Zudem fordert er einen bundesweiten islamischen Religionsunterricht: “Dann haben wir eine Stabilität in der Religion. Und dann können diese Rattenfängermethoden die Jugendlichen gar nicht mehr erreichen.”

Rund 300 Besucher erlebten eine hitzige Debatte im Herforder Schützenhof. Ist es respektlos von islamischen Vertretern, Frauen zur Begrüßung nicht die Hand zu geben? Sollte und muss Integration hier ansetzen? Besonders jesidische Bürger machten in Herford deutlich, dass sie sich bedroht fühlen – und dass zu wenig gegen gewaltbereite Islamisten getan werde. Auch wenn einige muslimische Vertreter das nicht gelten lassen wollten, so war man sich am Ende doch einig, dass man sich jetzt um die Jugendlichen, die sich radikalisieren, kümmern müsse.

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(Bildrechte: WDR/Dirk Borm)

(Bildrechte: pa/dpa/Neue Westfälische/Miriam Scharlibbe)

 

 

WDR 5, 17.10.2014

http://www.wdr5.de/sendungen/stadtgespraech/stadtgespraech-herford134.html

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18.10.2014

Herford

Kritik an der Stadt: Zu wenig aktiv

Problemthema Salafisten in Herford: Gut besuchter Diskussionsabend im Schützenhof

VON ALEXANDER JENNICHES

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Der einzige entspannte Moment des Abends | FOTO: JENNICHES

 

 

 

 

Herford. Interessenvertreter, Politiker und Bürger diskutierten am Donnerstag im Schützenhof "Gewalt im Namen der Religion". Es ging dabei um radikale Salafisten, die auch in Herford beheimatet sind, und im August einen hier lebenden jesidischen Imbissbesitzer mit einem Messer attackiert und damit eine Großdemonstration der Jesiden ausgelöst hatten. Die Stimmung im Saal war angespannt – und richtig spannend wurde es, als eine Frau dem Vorsitzenden des Islamischen Kulturvereins die Hand geben wollte.

 

Pickepackevoll war das Café des Schützenhofes. Im Eingangsbereich reckten diejenigen die Hälse, die keinen Platz bekommen hatten. Auf dem Podium der WDR-Veranstaltung saßen Bürgermeister Tim Kähler (SPD), Cemil Sahinöz vom Bündnis Islamische Gemeinden in Bielefeld, Sile Akay als Vertreter der jesidischen Gemeinde in OWL und die CDU-Landtagsabgeordnete Kirstin Korte aus Minden.

 

 

 

Vorweg: Der Abend brachte keine neuen Erkenntnisse. Deutlich aber wurde eine bisher noch nicht in dieser Art öffentlich gewordene Unzufriedenheit von Zuschauern, besonders auch einer Lehrerin, damit, wie sich die Stadt Herford dem Problem des gewaltbereiten Salafismus stellt.

 

Dass es nur schleppend voran gehe mit Prävention und öffentlicher Aufarbeitung des Themas, meinte zum Beispiel Birgit Ebel, die den Bürgermeister freundlich, aber sehr kritisch direkt ansprach. Die Herforder Gesamtschullehrerin beobachtet den radikalen Salafismus seit etwa einem halben Jahr in sozialen Netzwerken und im Schulalltag. Und trotz Gesprächen mit dem Staatsschutz und den Zusammenstößen zwischen Jesiden und Salafisten in Herford sehe sie "bisher noch kein Präventionsprojekt an irgendeiner Schule". Kähler reagierte darauf wie auch auf ähnliche Kritik freundlich, jedoch – so schien es – innerlich ein wenig ungehalten.

 

Neben einigen eher allgemeinen Äußerungen über die Wichtigkeit gegenseitiger Toleranz und des ständigen Dialogs formulierte das Stadtoberhaupt mit Entschiedenheit: Man müsse unter allen Umständen verhindern, dass undifferenziert negativ über die große friedliche islamische Mehrheit gedacht und geredet wird – nur weil eine gewaltbereite kleine Minderheit sich nicht an die rechtsstaatlichen Spielregeln hält.

 

Zudem sagte der Bürgermeister – und traf damit vermutlich den entscheidenden Punkt der Diskussion – dass man zur Lösung des Problems nicht "mal eben einen Schalter umlegen kann". Die Frage, weshalb jemand radikal werde, sei komplex, Antworten darauf könne es deshalb nicht von heute auf morgen geben.

 

Positiver Eindruck des Abends war, dass die Diskussion sehr respektvoll geführt wurde. Ein wenig unruhig wurde es zu Beginn der letzten Viertelstunde. Die stellvertretende Sprecherin des AfD-Kreisverbandes Lippe, Kathrin Rommel, war im Publikum und hatte bereits hier und da ein wenig verbal gestichelt. Als der Vorsitzende des islamischen Kulturvereins Herford, Ahmad Chaaban, sagte, Männer dürften Frauen aus religiösen Gründen kurz vor dem Gebet nicht berühren, bestand sie darauf, ihm die Hand zu geben. Einer Pressevertreterin war dies kürzlich verwehrt worden. Chaaban reagierte überraschend: Unter Applaus umarmte er Rommel mit einem großen Lächeln. Es war einer der wenigen entspannten Momente.

 

Neue Westfälische, 18.10.2014

http://www.nw-news.de/owl/kreis_herford/herford/herford/11278491_Kritik_an_der_Stadt_Zu_wenig_aktiv.html

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