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(12.03.2024) Zehntausende gegen Hass und Diskriminierung: Protest ist notwendig, aber Semantik muss sich auch ändern

 

Zehntausende Menschen gehen auf die Straßen und protestieren gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Diskriminierung, Islamfeindlichkeit und Antisemitismus. Das ist schön und gut. Dieses Engagement ist ein wichtiges Zeichen in einer Zeit, in der Hass und Hetze wieder salonfähig zu werden scheinen.

Doch Protest allein reicht nicht aus, um die Wurzeln von Diskriminierung und Rassismus zu bekämpfen. Es ist notwendig, die Ursachen dieser Probleme zu verstehen und anzugehen.

Eins der wichtigsten Faktoren und Ursachen, warum vor allem Islamfeindlichkeit in den letzten 15 Jahren zugenommen hat, ist die unreflektierte Verwendung von Sprache im Kontext des Islams. Wenn in Medien und Politik pauschal von “Muslimen“ oder dem “Islam“ gesprochen wird, ohne die Vielfalt innerhalb der Religion und Gesellschaft zu berücksichtigen, entsteht ein Klima der Verallgemeinerung und des Misstrauens. Die Semantik, die dabei verwendet wird, wenn über Muslime oder den Islam gesprochen wird, ist äußerst negativ. Sie führt zu einer Selbstverständlichkeit, wenn es darum geht, Muslime unter Generalverdacht zu stellen.

Wenn z.B. auf den Titelseiten der großen und lokalen Medien zwar von den Demos gegen Rechtsextremismus berichtet wird, aber 2 Seiten weiter undifferenziert über den Islam berichtet wird, kann auch der Leser irgendwann nicht mehr differenzieren. Da wird dann über Islamismus gesprochen, aber inhaltlich 95% der Muslime gemeint, oder es werden Kopftuchdebatten geführt, nur mit dem Kontext politischer Islam.

Solche Schlagzeilen schüren Ängste und Vorurteile in der Bevölkerung. Gegenwärtig werden alle möglichen islamischen Verbände und lokalen Moscheevereine unter Generalverdacht gestellt und Misstrauen geschürt. Das geht so weit, dass sich einige Politiker, Bürgermeister oder andere Institutionen nicht einmal trauen, Moscheen, gegen die Anschläge verübt wurden, zu besuchen, wenn diese einem bestimmten Verband angehören.

Diese undifferenzierte Darstellung des Islams führt also dazu, dass auch gesellschaftlich die Helmschwelle, Muslimen zu misstrauen immer größer wird. Der nächste Schritt sind dann Anfeindungen und Straftaten. So sind Beleidigungen, Bespuckungen, Hassbotschaften, oder Diskriminierungen leider Alltag für viele Muslime geworden. Die wenigsten bringen solche Vorfälle zur Anzeige, weil sie sich damit abgefunden haben oder in bestimmten Kreisen solche Straftaten gegen Muslime relativiert werden und damit eine gewisse Gleichgültigkeit hervorgerufen wird. Islamophobie ist also schon längst zur Islamfeindlichkeit übergegangen.

Die pauschale Verunglimpfung ganzer Bevölkerungsgruppen ist nicht nur unmoralisch, sondern auch kontraproduktiv. Sie führt zu einer Spaltung der Gesellschaft und zementiert Feindbilder. Es ist daher notwendig, die geistigen Brandstifter in die Verantwortung zu nehmen, die mit ihrer islamfeindlichen Rhetorik Hass und Gewalt schüren.

Darüber hinaus müssen die strukturellen Rahmenbedingungen angegangen werden, die Diskriminierung und Rassismus begünstigen. Dazu gehört die Stärkung von Antidiskriminierungsgesetzen, die Förderung von Toleranz und Vielfalt in Bildung und Erziehung sowie die Unterstützung von Initiativen, die sich für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben einsetzen.

Der Kampf gegen Islamfeindlichkeit und andere Formen von Diskriminierung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nur durch gemeinsames Engagement kann es gelingen, eine Atmosphäre der Toleranz und des gegenseitigen Respekts zu schaffen.

Dr. Cemil Şahinöz, Islamische Zeitung. 12.03.2024

https://islamische-zeitung.de/gegen-hass-ohne-rechtsextreme-semantik/

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