Zum Inhalt springen
Qries Qries Qries Qries Qries Qries

Empfohlene Beiträge

Weisheiten des Fastens nach Said Nursi

 

Der Verzicht auf Essen und Trinken ist nicht das eigentliche Ziel des Fastens. Wenn sich Muslime im Ramadan von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang enthalten (saum), dann aus ganz anderen Gründen. Der Islamgelehrte Said Nursi (1876-1960) zählt hierzu 9 Weisheiten des Fastens auf, auf die hier kurz eingegangen werden soll.

1. Weisheit: Fasten als Dienerschaft

Das Fasten im Ramadan ist eine der wichtigsten Säulen des Islam und beinhaltet viele Vorteile für den Menschen und die Gesellschaft. Es zeigt die Größe und Gnade Gottes, indem es die Menschen dazu bringt, sich auf die göttlichen Wohltaten zu besinnen und dankbar zu sein. Im Ramadan versammeln sich die Menschen wie ein Heer und empfinden beim Fastenbrechen eine tiefe Ehrfurcht und Dankbarkeit gegenüber Gott.

Der Fastende erinnert sich dadurch an seinen Schöpfer. Er verzichtet, in dem er sagt: „Gott möchte es so, also mache ich es.“ Dadurch vergegenwärtigt er sich, dass alle Gaben vom Schöpfer kommen. Daher wartet man bis zum Sonnenuntergang auf seinen “Befehl“, um diese Gaben zu kosten, und bringt damit seine Dienerschaft zum Ausdruck.

2. Weisheit: Fasten als Ausdruck der Dankbarkeit

Dankbarkeit ist eine grundsätzliche Pflicht des Menschen. Dabei ist die Dankbarkeit für die Wohltaten Gottes um so wichtiger. Gott legt und für all seine Gaben drei Verhaltensweisen nahe: Dhikr (Erwähnung seiner Namen), Fikr (Gedenken) und Schukr (Dankbarkeit).

Das Fasten im Ramadan lehrt uns diese Dankbarkeit und fördert sie. Im Ramadan versteht man den Wert von Dingen wie Brot besser und zeigt aufrichtige Wertschätzung. Es lehrt uns, den Wert einfacher Dinge zu schätzen. Das Fasten zeigt, dass die Wohltaten Gottes Geschenke sind.

Damit wird der Ramadan zu einer Zeit der kraftvollen Dankesbezeugung für die von Gott erhaltenen Gaben. Man erkennt den wahren Wert der Güter um uns herum. Außerhalb des Ramadans ist dies schwierig, weil man auf nichts verzichtet und alles als selbstverständlich wahrnimmt.

3. Weisheit: Funktion des Fastens im gesellschaftlichen Leben

Das Fasten im Ramadan fördert die Barmherzigkeit und den sozialen Zusammenhalt. Durch den selbst erlebten Hunger kann der Reiche den Schmerz des Armen verstehen und ihm mit mehr Mitgefühl helfen. So bildet die Liebe zum Mitmenschen die Grundlage für wahre Dankbarkeit gegenüber Gott.

Das soziale Empfinden wird dadurch im Ramadan gestärkt. Der Eifer, anderen zu helfen, nimmt zu. Der soziale Aspekt kommt zum Vorschein, in dem man Solidarität und Empathie mit Hungernden und Bedürftigen empfindet. Durch Spenden wie Zakat, Fitr, und Sadaka kommt es auch zu materieller Hilfe. Dadurch entwickeln sich Gefühle der Liebe, des Mitleids und der Zusammengehörigkeit.  

4. Weisheit: Fasten als Selbstdisziplin


Das Fasten im Ramadan erzieht die Seele zur Demut und Dankbarkeit. Die Seele begreift im Ramadan, dass sie Gott gehört und ihm dienen muss. Sie erkennt, dass sie nicht der Eigentümer ist. Sie sieht ihre eigene Bedürftigkeit und die unzähligen Wohltaten Gottes, die sie zuvor ignoriert hat. So wird die Seele gezähmt und zu ihrer wahren Aufgabe, nämlich Dienerschaft und Dankbarkeit, erzogen. Selbstdisziplin, Willenskraft, Selbstbeherrschung und Achtsamkeit, Geduld und Ausdauer sind nur einige der Aspekte, die dadurch gefördert und entwickelt werden.

5. Weisheit: Fasten als Erziehung des Selbst

Der Mensch erkennt im Ramadan seine Schwäche und Bedürftigkeit. Er begreift, dass er vergänglich ist und auf Gottes Gnade angewiesen ist. Dadurch entsteht eine Charaktererziehung. Das Bewusstsein des Versorgtwerdens, die Dankbarkeit als auch die moralische Widerstandskraft werden durch das Fasten verstärkt. Man konzentriert sich auf das Wesentliche. Man erhält die Gelegenheit, eine innere Abrechnung durchzuführen und neue Vorsätze für die nächste Zeit zu fassen.

6. Weisheit: “Monat des Koran“

Der Ramadan ist der Monat der Offenbarung des Korans. Durch Fasten und Enthaltsamkeit erreicht man einen engelsgleichen Zustand, der es ermöglicht, die göttliche Offenbarung, den Koran, auf die beste Weise zu empfangen. Durch Selbstbeherrschung, Enthaltung, das Bewusstwerden der eigenen Schwäche und der Abhängigkeit macht man eine spirituelle Erfahrung. Man erlangt einen intensiveren Zugang zum Koran.

So wird der Ramadan zu einer Zeit der Besinnung und des Gebets, in der die Welt des Islams zu einer riesigen Moschee wird. In den Moscheen weltweit wird der Koran im Ramadan gemeinsam durchgelesen.

7. Weisheit: Fasten als jenseitiger Handel

Der Mensch wird auf der Welt geprüft. Er hat eine gewisse Verantwortung und bereitet sich auf das Jenseits vor. Der Ramadan ist ein besonders fruchtbarer Monat für die spirituelle Entwicklung und den Handel mit dem Jenseits. Der Ramadan ist wie ein Fest des Allmächtigen Königs, an dem er seinen Untertanen besondere Gnade und Aufmerksamkeit schenkt. So werden gute Taten im Ramadan tausendfach belohnt, 1:1000, und am Laylat al-Qadr sogar 1:30000. Der Koran ist wie ein Baum, der im Ramadan Millionen ewiger Früchte hervorbringt.

Dabei hilft das Fasten, sich von den Verlockungen der Welt abzuwenden und einen engelgleichen Zustand zu erreichen. Daher ist der Ramadan auch eine Zeit der Reinigung und Erneuerung, in der man sich auf das Jenseits vorbereiten kann.

Durch zunehmende Achtsamkeit entwickelt man auch eine größere Aufmerksamkeit den Pflanzen und Tieren gegenüber, die uns zur Nahrung dienen, und werden an unsere Verantwortung ihnen gegenüber erinnert.

8. Weisheit: Fasten als eine materielle und geistige Diät

Der Körper ist ein Gut und Geschenk Gottes. Der Mensch ist für dieses anvertraute Gut verantwortlich. Das Fasten im Ramadan ist eine heilsame Diät für Körper und Geist. Es ist wie ein Ölwechsel für den Körper. Richtig durchgeführt, wirkst sie sich günstig auf das Körpergewicht und den Kreislauf aus. Es kann ein Hilfs- und Heilmittel für verschiedene Krankheiten sein und eine Umstimmung des Körpers bewirken. So schützt es vor Krankheiten und reguliert das Verdauungssystems. Die Seele gewöhnt sich an Disziplin und Gehorsam, stärkt Geduld und Ausdauer. Damit fördert das Fasten engelhafte und geistliche Freuden, Erleuchtung und Wohlbefinden.

Fastende erfahren im Ramadan Fortschritt in ihren feinfühligen Sinnen und geistlicher Freude. Die Seele wird gezähmt und die anderen Organe können ihre Aufgaben besser erfüllen.

9. Weisheit: Fasten lehrt die Herrschaft Gottes

Das Fasten im Ramadan bricht den tyrannischen Stolz der Seele und zeigt ihre Schwäche und Bedürftigkeit. Die Seele neigt zur pharaonengleichen Herrlichkeit und leugnet ihren Herrn. Der Hunger im Ramadan zerbricht diese Illusion und zeigt die wahre Natur der Seele: Diener und Geschöpf Gottes.

Eine Hadith-Erzählung veranschaulicht dies: Die Seele bekennt erst nach dem Erleben von Hunger ihre Unterordnung zu Gott. Das Fasten führt also zur Demut und Anerkennung der göttlichen Herrschaft.

Fazit: Das ideale Fasten

Laut Said Nursi birgt das Fasten also viele Weisheiten. Dabei beinhaltet das ideale Fasten neben dem Magen, auch alle anderen Sinne, wie das Auge, das Ohr, das Herz, die Phantasie und den Intellekt, einer Art Fasten zu unterziehen, d.h. diese dem unstatthaften und nutzlosen Handeln zu entziehen und jeden Sinn bei seinem speziellen Dienen zu motivieren.

Die Zunge vor einer Lüge, übler Nachrede und Schimpfwörtern zu bewahren heißt, sie fasten zu lassen. Die Zunge wird dann im Ramadan beschäftigt mit der Rezitation des Korans, dem Gedenken, Lobpreisen, Segenswunsch und mit der Buße.

Das Auge vom Betrachten des Illegitimen und das Ohr vom Lauschen des Schändlichen abzuhalten, ist ebenfalls eine Art des Fastens. Dafür wendet sich das Auge dem Lehrreichen hinzu und das Ohr richtet sich auf wahre Worte und die Rezitation des Korans.

Diese und andere Organe können im Ramadan besser fasten, da der Betrieb der größten Fabrik in uns, nämlich der Magen, einmal eingestellt wird. Die kleineren Anlagen können dem Fasten dann leichter folgenden. Dadurch erlangt der Fastende im Ramadan eine spirituelle Ebene, die er ohne die Enthaltung und den Verzicht wohl nicht erreichen würde.

Dr. Cemil Şahinöz, Islamische Zeitung, April 2024

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Dein Kommentar

Du kannst jetzt schreiben und Dich später registrieren. Wenn Du ein Konto hast, melde Dich jetzt an, um unter Deinem Benutzernamen zu schreiben.

Gast
Auf dieses Thema antworten...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung jetzt entfernen

  Nur 75 Emojis sind erlaubt.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Editor leeren

×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.

×
×
  • Neu erstellen...