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Ich höre Rap, eigentlich müssten mich alle hassen

Von Jakob Dettmar

 

09. Januar 2010

Talha wollte sich bei McDonald's nur etwas zu essen holen. Der Frankfurter Jugendliche sieht gepflegt aus, ist freundlich. Als er gerade herauskommt, werden er und seine beiden Freunde von vier ungefähr gleichaltrigen Deutschen angepöbelt: „Ihr Scheiß-Ausländer!“ Talha reagiert besonnen: „Ich habe mir gesagt, einfach weitergehen.“ Dann schallt es schon von hinten: „Genau euch meine ich, ihr Hurensöhne!“ Talha dreht sich langsam um und sagt: „Das war jetzt zu viel!“ Aber er sieht das Messer nicht kommen. „Über die Hälfte war drin, überall Blut“, erzählt er später.

 

An einem Gymnasium in der Nähe Frankfurts spielt sich etwas Ähnliches ab: „Ey, Bombenleger, komm mal her!“, sagt Kevin, vierzehn Jahre alt und Deutscher. „Halt's Maul, Fettsack!“, antwortet Adib, auch vierzehn, iranischer Abstammung. Der Unterschied ist: Die beiden sind die beste Freunde. Adib stört es nicht, wenn Kevin ihn so nennt: „Wir necken uns gegenseitig.“ Er selbst wurde im Bus schon einmal wegen seiner Herkunft geschlagen. Kevins Beleidigungen seien aber eher etwas Unbewusstes, nicht böse oder ausländerfeindlich gemeint. „Das ist hier eigentlich Alltag, das gehört ja dazu“, beschreibt Kevin seine Clique. Markus rutscht so etwas auch eher nebenbei heraus: „Wenn ich etwas Ausländerfeindliches sage, dann habe ich das von anderen übernommen.“

 

Als ausländerfeindlich kann man die drei offenbar nicht bezeichnen. „Ich habe keine Vorurteile gegen Ausländer“, beteuert Kevin. Aber: „Wenn alle auf einer Schule wären, wäre es hier auch nicht mehr so friedlich. Mit denen von der Haupt- und Realschule würde ich nicht gerne in eine Klasse gehen. Das sind ja nicht alles Schläger - aber alle auf einer Schule?“ Denn mit Jugendlichen aus einem bestimmten Milieu will er, wie viele andere Jugendliche, lieber nichts zu tun haben: den „Kanacken“.

 

Dieser abwertende, beleidigende Ausdruck bezeichnet zumeist einen bestimmten Typus von Ausländern, der seinerseits mit aufmüpfigem, aggressivem Verhalten auffällt. Auch die äußerlichen Merkmale sind ganz klar: die Jogginghose in den Socken, eine dicke Lederjacke, vom Bodybuilding aufgepumpte Körper, Boxerhaarschnitt. Gehört wird Rap, zum Beispiel von Gangster-Rappern wie Bushido. Besonders bezeichnend ist die Sprache: Ausdrücke wie „Ey, Alder“ und verkürzte Sätze kennzeichnen das Sprachbild.

[...]

Die Ausländerfeindlichkeit ist milieuabhängiger geworden.

[...]

Das Bild vom „Kanacken“, dem asozialen Migranten, wird zum generellen Vorurteil und färbt auf das Bild des „Ausländers“ schlechthin ab.

[...]

 

aus: FAZ

http://www.faz.net/s/Rub076AF5D3031C443E8890D71B103C7072/Doc~E128555CC1A044C3A9FC3AF258757432D~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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