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Firar und I'tisam (Flucht und die Suche nach Zuflucht)

 

Wörtlich bedeutet firar (Flucht) ,vor etwas davon rennen', in der Sprache des Sufismus bezeichnet dieser Begriff aber die Reise vom Erschaffenen zum Schöpfer, die Suche nach Zuflucht vor dem ,Schatten' im ,Original'(1). Er besagt auch, auf den ,Tropfen' zu verzichten, sich in den ,Ozean' zu stürzen, sich - unzufrieden mit dem Stückchen Glas, das die Sonne widerspiegelt - der ,Sonne' zuzuwenden, der Begrenzung des Egoismus zu entkommen und in den Strahlen der Wahrheit zu ,schmelzen'. Auch der Vers "Drum fliehet zu Allah!"(2), der auf die Reise eines Menschen in Herzen und Geist hindeutet, kann mit dem Begriff firar in Verbindung gebracht werden.

 

 

 

 

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Je mehr sich ein Mensch von der erstickenden Atmosphäre seiner Körperlichkeit und der fleischlichen Dimension seiner Existenz entfernt, desto näher kommt er Gott und desto größer wird auch sein Selbst-respekt. Hören wir doch vom Propheten Moses, einem ergebenen Diener an der Tür zur Wahrheit, wie die Flucht zu Gott und die Zufluchtsuche bei Ihm belohnt werden: "Und ich floh von euch, da ich euch fürchtete; und es schenkte mir mein Herr Weisheit und machte mich zu einem Gesandten."(3) Der Prophet Moses macht uns darauf aufmerksam, dass der Weg zu spirituellen Freuden, zu einem Treffen mit Gott und zur Stellvertreterschaft und Nähe Gottes direkt über die Flucht führt.

 

 

Die Flucht einfacher Menschen besteht darin, vor den Tumulten des Lebens und der Hässlichkeit der Sünden Zuflucht bei der Vergebung und Gunst Gottes zu suchen. Sie wiederholen oder betrachten ständig die Bedeutung des Verses "Mein Herr vergib und habe Erbarmen, denn Du bist der beste der Erbarmer!"(4). Auch suchen sie mit größter Aufrichtigkeit die Zuflucht bei Gott und rufen: "Bei Dir suche ich Zuflucht vor dem Bösen, das ich begangen habe!"(5)

 

Die Flucht der rechtschaffenen Menschen, die sich durch ihre Frömmigkeit und Nähe zu Gott auszeichnen, besteht in der Flucht vor ihren eigenen unvoll-kommenen Qualitäten hin zu den Eigenschaften Gottes; vom Gefühl der Einsicht hin zur Wahr-nehmung tief im Herzen, von der zeremoniellen Durchführung der Pflichten der Anbetung hin zu ihren innersten Dimensionen und von fleischlichen Gelüsten hin zu spirituellen Empfindungen. Darauf wird im Vers "O Gott; mit Deiner Zustimmung suche ich Zuflucht vor Deinem Zorn und mit Deiner Vergebung vor Deiner Strafe."(6) hingewiesen.

 

Die Flucht der fortgeschrittensten Menschen in den Bereichen Wissen, Liebe zu Gott und Frömmigkeit ist eine Flucht von den Eigenschaften Gottes hin zum Wesen Gottes, von der Wahrheit zur Wahrheit selbst. Sie sagen: "Bei Dir suche ich Zuflucht vor Dir."(7)

 

Die Flucht all dieser Gruppen resultiert letztlich darin, Zuflucht und Schutz zu suchen. So wie die Bewusstheit im Moment der Flucht proportional zur spirituellen Tiefgründigkeit des Fliehenden ist, variiert auch das Ziel, das erreicht wird, je nach Grad der Bewusstheit des Zuflucht Suchenden.

 

Diejenigen, die sich der ersten Gruppe zurechnen lassen, finden das Wissen um Gott. Sie gedenken bei allem, was sie sehen, Gott und nennen Seinen Namen. Sie halten an ihren Wünschen fest und stellen sich Dinge vor, deren Bedeutung sie unmöglich erfassen können. Schließlich erreichen sie einen Punkt, an dem sie die Realität des Ausspruches "Wir waren nicht in der Lage, Dich so zu kennen, wie es eigentlich notwendig wäre, Du Bekannter Einer!" erfassen. Sie fühlen und rezitieren fortlaufend in Ekstase:

 

"Alle Wesen sind ständig auf der Suche nach

Wissen um Dich;

Diejenigen, die Dich zu beschreiben versuchen, scheitern.

Akzeptiere unsere Reue, denn wir sind nur Menschen,

Unfähig Dich so zu kennen wie es eigentlich

notwendig wäre.''

 

Diejenigen Menschen, die der zweiten Gruppe angehören, segeln jeden Tag von neuem in einem Ozean des Wissens um Gott und verbringen ihr Leben in sich ständig erneuernden Strahlen der Manifestationen Gottes. Trotzdem können sie die Hindernisse, die zwischen sie und die letzte Station treten, in der ihr überflutender Geist zur Ruhe kommen wird, nicht ausräumen. Mit auf die Stufen der Treppe zu den höheren Rängen gerichteten Augen fliegen sie von Rang zu Rang nach oben und zittern aus Angst vor dem Absturz.

 

Die Mitglieder der dritten Gruppe, die von den Bindungen des Zustands (hal: spiritueller Zustand) befreit und in Erstaunen (hayra: Erstaunen) ertrinken, sind so vom ,Wein aus der Quelle des Alles' berauscht, dass selbst die Trompeten des Israfil sie nicht aus ihrer Betäubung aufwecken können. Nur jemand, der in der Lage ist, diesen Rang zu erlangen, kann die Tiefsinnigkeit der Gedanken und Gefühle von solchen Menschen erfassen. Dschalal ad-Din ar-Rumi sagt dazu:

 

"Jene Illusionen sind Fallen für Heilige,

in der Realität aber

Sind sie Reflexionen derer, die mit vor Freude

strahlenden Gesichtern im Garten Gottes weilen."(8)

 

Mit Garten Gottes sind die Manifestationen der Einheit Gottes gemeint - die Manifestationen eines oder aller Namen(s) Gottes im ganzen Universum. Jene ,mit vor Freude strahlenden Gesichtern' kennzeichnen die Namen und Eigenschaften Gottes, die auf ein einziges Ding oder Wesen konzentriert sind. Die Bedeutung der Verse ist also folgende:

 

Die Fallen, in denen sich die rechtschaffenen Menschen verfangen, sind die Manifestationen der Namen und Eigenschaften Gottes. Diese Manifestationen bestehen für diejenigen, die den Wahrheiten Gottes gegenüber blind sind, aus bloßen Illusionen. Den Worten Sari Abdullah Efendis nach zu urteilen, sind die Herzen der Propheten und Heiligen Spiegel, welche die Eigenschaften und Namen Gottes widerspiegeln. Gott manifestiert Seine Namen und Eigenschaften im ganzen Universum, denn Er ist dessen Herr, Führer, Erhalter und Gebieter. Er formt aus dem ganzen Universum einen Garten mit sich permanent erneuernden Schönheiten und einem Zauber, der die Propheten und Rechtschaffenen entzückt.

 

 

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[1] Im Sufismus wird die Schöpfung als ein Schatten des ursprünglichen, wahrhaft existierenden Einen Schöpfergottes betrachtet.

[2] Der Koran,51:50.

[3] Der Koran, 26:21.

[4] Der Koran, 23:118.

[5] Tirmidhi, Dawa´at, 15; Nasa´i, Isti´adha.

[6] Muslim, Salat, 222.

[7] Muslim, Salat, 222.

[8] Mathnawi, vol.1, S.3.

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Der Ursprung des Sufismus

 

Die Geschichte der islamischen religiösen Wissenschaften klärt uns darüber auf, dass die religiösen Gebote in der Frühzeit des Islam noch nicht schriftlich fixiert wurden. Die Praxis und die mündliche Verbreitung dieser Gebote, die sich auf Glauben, Verehrung und das tägliche Leben beziehen, machten es dem Menschen leicht, sie auswendig zu lernen.

 

Daher konnten sie später dann auch problemlos in Buchform zusammen gefasst werden. Was auswendig gelernt und praktiziert wurde, wurde auf Papier aufgezeichnet und geordnet. Weil die hier zur Diskussion stehenden religiösen Gebote die lebenswichtigen Angelegenheiten des individuellen wie auch des gesellschaft-lichen islamischen Lebens beinhalteten, räumten ihnen die Gelehrten Priorität ein, trugen sie zusammen und veröffentlichten sie als Bücher. Rechtsgelehrte sammelten und kodifizierten das islamische Recht und die Bestimmungen und Prinzipien, die sich auf alle Gebiete des Lebens beziehen. Die Traditionalisten (muhaddithun) begründeten die Prophetentra-dition und den islamischen 'way of life' und bewahrten sie ebenfalls in Büchern; Theologen wandten sich den Angelegenheiten rund um den Glauben der Muslime zu, und die Koraninterpreten widmeten sich dem Studium der Bedeutung des Koran mitsamt denjenigen Themen, die später als koranische Wissenschaften bezeichnet werden sollten. In diesen Bereich fallen naskh (Abschaffung eines Gesetzes), inzal (die Hinabsendung des ganzen Koran in einem Stück), tanzil (die Hinabsendung des Koran durch Gott in mehreren Teilen bei verschiedenen Gelegenheiten), qira´at (Rezitation des Koran), ta´wil (Exegese), etc.. Dank dieser allgemein anerkannten Bestrebungen wurden die Wahrheiten des Islam und all seiner Prinzipien so gefestigt, dass keine Zweifel an ihrer Authentizität aufkommen konnten.

Während all diese Arbeiten in den Bereichen der religiösen Wissenschaften im Wesentlichen auf die Rechtsprechung, Tradition (hadith), Theologie und Koraninterpretation gründen, versuchten die Sufis, die sich vor allem auf die spirituelle Dimension der Wahrheit Muhammads konzentrierten, vor allem, auf das Wesen des Menschen, die wahre Beschaffenheit der Existenz und die innere Dynamik von Mensch und Kosmos hinzuweisen. Dies taten sie, indem sie ihre Aufmerksamkeit derjenigen Realität der Dinge schenkten, die unterhalb und jenseits ihrer äußeren Dimen-sion liegen. Sie ergänzten die Korankom-mentare, die Berichte der Traditionalisten und die Beweisführung der Rechtsgelehrten um ihre Askese, ihre Spiritualität, ihre Selbstreini-gung und - auf einen Nenner gebracht - um ihre Erfahrung in der Ausübung der Religion. So entwickelten die Sufimeister ihre eigenen Wege. Das islamische spirituelle Leben, basierend auf den Handlungen des Geistes wie z. B. Askese, regelmäßige Verehrung, Unterlassung von allen großen und kleinen Sünden, Aufrichtigkeit und lautere Absicht, Liebe, Sehnsucht und das Eingeständnis der grundlegenden Hilflosigkeit und Unvollkom-menheit, wurden zu den Hauptthemen einer neuen Wissenschaft, die sich tasawwuf, Sufismus, nannte und ihre eigenen Methoden, Prinzipien, Bestimmungen und Kategorien besaß. Auch wenn sich im Laufe der Zeit einige Meinungsverschiedenheiten unter den Orden ergaben, die später gegründet wurden, lässt sich festhalten, dass das Hauptanliegen dieser Wissenschaft die Essenz der Weisheit Muhammads ist.

 

Leider wurden Sharia und Sufismus gelegentlich als einander gegensätzlich beschrieben, obwohl sie doch nur zwei unterschiedliche Aspekte einer einzigen Wahrheit sind. Der Sufismus ist faktisch die Seele der Sharia, er beinhaltet Genügsamkeit, Selbst-kontrolle und -kritik, regelmäßiges Beten, permanenten Kampf, den Versuchungen des Teufels und dem fleischlichen, zu Bösem verleitenden Ich zu widerstehen, Erfüllung religiöser Pflichten etc.. Während es als exoterisch galt, der Sharia Priorität einzuräumen und sich somit auf die äußeren Dimensionen der Religion zu beschränken, wurden die Anhänger des tasawwuf als reine Esoteriker bezeichnet. Diese Diskriminierung entsteht teilweise aus der Behauptung, die Gebote der Sharia würden durch Rechtsgelehrte und Muftis (islamische Gesetzeskundige) reprä-sentiert, die Prinzipien des tasawwuf dagegen durch die Sufis. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass der Mensch immer dazu neigt, dem, was seinem Temperament und seinen Fähigkeiten am meisten entspricht, den Vorzug zu geben.

 

So wie aber Rechtsgelehrte, Traditionalisten und Koraninterpreten bedeutende Werke schufen, die auf Koran und Sunna basierten, und Methoden folgten, die auf die Zeit des Propheten und seiner Anhänger zurück gingen, stellten auch die Sufis Werke über Genügsamkeit, spirituellen Kampf gegen fleischliche Begierden und Versuchungen, Geisteszustände und spirituelle Stationen zusammen, die auf den gleichen Quellen basierten, die sie jedoch zusätzlich noch mit ihren eigenen spirituellen Erfahrungen, mit Liebe, Eifer und Begeisterung ergänzten. Auf diese Weise versuchten sie, diejenigen zu erreichen und für ihren Weg und den spirituellen Aspekt des religiösen Lebens zu gewinnen, die der äußeren Dimension der Religion und der ausschließlichen Reflexion über diese verhaftet sind.

 

Sowohl die Sufis als auch die Gelehrten, die dafür kritisiert wurden, sich nur auf die äußeren Aspekte der Religion zu beschränken, waren im Allgemeinen bemüht, sich an die Göttlichen Pflichten und Verbote zu halten. Trotzdem führten extreme Ansichten auf beiden Seiten zu Unstimmigkeiten zwischen den zwei Parteien. Tatsächlich gab es aber keine wesentlichen Gegensätze; es sollte auch nicht als Indiz für einen Streit gelten, dass unterschiedliche Aspekte und Elemente der Religion unter verschiedenen Bezeichnungen gehandelt und präsentiert wurden. Ganz sicher kann man nicht von einer Unstimmigkeit sprechen, wenn sich die Rechtsprechung mit den Dingen des täglichen Lebens, der Verehrung und mit der Frage, wie sich das individuelle und gesellschaftliche Leben regulieren lässt, beschäftigt, und der Sufismus seinerseits den Menschen anleitet, sein Leben durch Selbstreinigung und spirituelles Training auf einer höheren Ebene der Spiritualität zu leben. Sufismus und Rechts-prechung sind in Wirklichkeit zwei Fakultäten einer einzigen Universität, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Menschen beide Gesichter bzw. Dimensionen der Sharia vorzustellen und ihnen zu helfen, sie in ihrem Leben zu praktizieren. Eine dieser Fakultäten kann nicht ohne die andere existieren. Die eine lehrt uns, die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten, die für das Gebet vorschrifts-gemäße Reinigung durchzuführen, zu fasten, die obligatorischen Almosen zu geben und das tägliche Leben - vom Einkauf bis zur Hochzeit - zu regulieren usw.. Die andere konzentriert sich auf die Bedeutung dieser und anderer Verehrungspraktiken, sie teilt uns mit, wie die Verehrung zu einer unverzichtbaren Dimension der menschlichen Existenz werden kann und wie der Mensch in den Rang eines universellen, vollkommen Wesens - den Rang wahrer Menschlichkeit - erhoben werden kann. Daher dürfen beide Disziplinen nicht vernachlässigt werden.

 

Obwohl einige angebliche Sufis in ihrer Unverschämtheit so weit gingen, religiöse Gelehrte als ,Zeremonienmeister' oder ,Exoteriker' zu bezeichnen, haben sich die wahren, vollkommenen Sufis immer auf die Hauptprinzipien der Sharia verlassen und ihre Vorstellungen auf das Buch, den Koran, und auf die Sunna gegründet; ihre Methoden haben sie stets aus diesen Hauptquellen des Islam abgeleitet. Die folgenden Werke z. B. gehören zu den wertvollen Quellen, in denen das Thema Sufismus in Übereinstimmung mit dem Buch und der Sunna behandelt wird:

 

Wasaya´ (Ratschläge), Ri´aya (Beachtung von Regeln) von al-Muhasibi, al-Ta´arruf li-Madhhabi ahl al-Tasawwuf (Einführung in die Schule der Sufis) von Kalabazi, al-Luma´ (Das Schimmern) von at-Tusi, Qaut al-Qulub (Die Nahrung des Herzens) von Abu Talib al-Makki und al-Risala (Die Abhandlung) von al-Qushairi.

 

Diesen großen Autoren folgte Imam al-Ghazali, der Verfasser des berühmten Werkes Ihya´al-Ulum al-Din (Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften) mit seinem Werk Hujjat al-Islam. Er unterzog alle Begriffe, Prinzipien und Regeln des tasawwuf einer Revision, bestätigte diejenigen, die von den Sufimeistern allgemein akzeptiert waren und kritisierte andere. Er wiedervereinigte einmal mehr beide Disziplinen - die innere und die äußere Dimension des Islam oder den Tasawwuf und die Rechtsprechung. Die Sufimeister nach ihm präsentierten den Sufismus als eine der religiösen Wissenschaften bzw. als eine deren Dimensionen und setzten sich für eine Verständigung mit den ,Gelehrten der Zeremonien' ein. Darüber hinaus gelang es ihnen, einigen Themen wie z.B. den unterschiedlichen Geisteszuständen, Gewissheit und Überzeugung, Aufrichtigkeit und Moral, mit denen sich der tasawwuf eingehend beschäftigt, Eingang in die Curricula der madrasat (singl.: madrasa) zu verschaffen - der Institutionen, in denen die religiösen Wissenschaften gelehrt werden.

 

Auch wenn sich der Sufismus vor allem auf die innere Dimension des Menschen konzentriert, die religiösen Gebote auf ihre Bedeutungen und Auswirkungen auf Seele und Herz des Menschen untersucht und somit abstrakt ist, widerspricht er keineswegs irgendeinem islamischen Weg, der auf dem Koran und der Sunna basiert. Seine Quelle liegt wie die anderer religiöser Wissen-schaften auch im Koran, in der Sunna und in den Schlüssen, die die aufrichtigen Gelehrten der Frühzeit des Islam aus diesen beiden Quellen zogen - dem ijtihad. Der Sufismus legt Wert auf Wissen, Wissen um Gott, Gewissheit, Aufrichtigkeit, vollkommene Frömmigkeit und andere, ähnlich grundlegende Eigenschaften.

 

Nur weil wir tasawwuf mit unterschiedlichen Titeln wie ,Wissenschaft der esoterischen Wahrheiten oder Mysterien', ,Wissenschaft der spirituellen Zustände und Stationen des Menschen' und ,Wissenschaft der Einweihung' definieren, heißt das noch lange nicht, dass er sich von anderen religiösen Wissenschaften gänzlich unterscheidet. Solche Definitionen ergaben sich aus den jahrhundertelangen Erfahrungen von unterschiedlichsten Menschen mit der Sharia. Die Standpunkte der Sufis und die Vorstellungen und Schlussfolgerungen der Shariagelehrten als grundverschieden zu bezeichnen, bedeutet eine Verzerrung der Tatsachen. Natürlich ist es nicht zu leugnen, dass einige Sufis fanatisch an ihren eigenen Wegen festhielten, was auch für einige religiöse Gelehrte (Rechtsgelehrte, Tradition-isten und Koraninterpreten) gilt, die sich auf die äußere Dimension ihrer Religion beschränkten; diejenigen, die dem mittleren geraden Weg folgten, waren jedoch immer in der Mehrheit. Aus einigen unpassenden Gedanken und Worten, die von einigen wenigen Rechtsgelehrten und Sufis gegen die jeweils anderen ins Feld geführt wurden, sollte man nicht schließen, dass es grundsätzliche Unstimmigkeiten zwischen diesen beiden Gruppen gäbe. Verglichen mit der Zahl derer, die stets auf der Seite von Toleranz und Übereinstimmung standen, nimmt sich die Zahl derjenigen, die einen Konflikt verursacht oder sich an einem solchen beteiligt haben, äußerst gering aus. Dieses Verhältnis entspricht dem natürlichen Zustand, denn die Rechtsgelehrten finden genau wie die Sufis auch ihre Grundprinzipien in Koran und Sunna.

 

Dazu kommt, dass die Prioritäten des tasawwuf sich niemals von denen der Rechtsprechung unterschieden haben. Beide Disziplinen oder Wege haben immer die Bedeutung von Glauben, guten Taten und gutem Verhalten betont. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Sufis mehr Wert als die Rechtsgelehrten auf die Reinigung des Ichs legten, sich mehr auf die Bedeutung und eine Vervielfältigung ihrer guten Taten sowie auf die Erlangung einer höheren Ebene der guten Moral konzentrierten; denn mit ihrer Hilfe sollte das Bewusstsein des Menschen im Wissen um Gott erwachen und der Mensch einen Weg einschlagen, der zu der erforderlichen Aufrichtigkeit in der Praxis der Religion führe und Gottes Wohlgefallen hervorrufe. Wenn es dem Menschen gelingt, sich durch diese Tugenden einen anderen Charakter anzueig-nen (ein anderes Herz - spirituellen Verstand - inmitten des alten Herzens, tieferes Wissen um Gott und eine andere ,Sprache', um den Namen Gottes auszusprechen), kann er allen Geboten die die Sharia vorsieht, in einem tieferen Bewusstsein um seine Dienerschaft entsprechen. Er wird sie dann gern und mit größerer Leidenschaft erfüllen.

 

Durch den tasawwuf übt sich der Mensch in Spiritualität. Durch seinen Kampf mit sich selbst, durch Einsamkeit oder Zurückgezo-genheit, Anrufung, Selbstkontrolle und Selbstkritik zerreißen die Fesseln der inneren Dimension seiner Existenz; der Mensch ist mehr denn je von allen größeren und kleineren Prinzipien seines Glaubens überzeugt.

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Dhikr (Rezitation der Namen Gottes)

 

,Erinnerung', ,Gedenken' und ,Gedächtnis' - so lauten die Bedeutungen von dhikr im Alltagsleben. Sufis hingegen bezeichnen mit diesem Begriff die regelmäßig durchgeführte Rezitation eines oder mehrerer Namen Gottes in einer ,Rezitationssitzung'. Manche spirituelle bzw. Sufiorden ziehen es vor, ,Gott' - den dem Göttlichen Wesen angemessenen Namen - zu rezitieren, einige bevorzugen die Proklamation der Einheit Gottes - Es gibt keine Gottheit außer Gott -, und andere favorisieren die Rezitation eines oder mehrerer anderer Namen Gottes, je nachdem, wie es der Ordensvorsteher für richtig hält.

 

Der Dankbarkeit vergleichbar ist auch dhikr eine Pflicht des Dieners Gottes, die verbal und aktiv vom Herzen und von anderen Kräften des Bewusstseins durchgeführt wird. Der verbale dhikr reicht von der Erwähnung Gottes, des Allmächtigen, mit all Seinen wunderbaren Namen und heiligen Attributen über die Lobpreisung und die Verherrlichung Gottes, das Eingeständnis und die Verkündigung der eigenen Hilflosigkeit und Bedürftigkeit Ihm gegenüber (in Form von demütigem Bitten und Gebet) bis hin zur Rezitation Seines Buches und dessen Befolgen sowie zur mündlichen Artikulation Seiner Zeichen in der Natur und der speziellen Siegel, die Er auf allen Dingen und Ereignissen hinterlässt. Ein mit den Kräften des Bewusstseins, v.a. des Herzens, bewerkstelligter dhikr beinhaltet, über die Beweise der Existenz Gottes und Seiner Einheit und über Seine Namen und Attribute, die im Buch der Schöpfung erstrahlen, zu reflektieren. Weiterhin gehört zum dhikr, über die Gebote - Seine Anordnungen und Verbote -, Seine Versprechen und Drohungen, Seine Belohnungen und die Strafen zu meditieren, die Gott erlässt, um unser Leben zu gestalten und zu formen. Rezitation bedeutet auch, sich zu bemühen, in die Geheimnisse, die hinter dem Schleier der sichtbaren Existenz liegen, einzudringen, indem man die Schöpfung beobachtet und gewissen spirituellen Disziplinen folgt. Sie erfordert, die himmlischen Schönheiten, die sich als Resultate eines solchen Eindringens offenbaren, zu studieren. Schließlich verlangt diese Art von dhikr, davon auszugehen, dass alles, was im Universum existiert - von den Galaxien bis hin zu den Atomen - aus der himmlischen Welt herüber kommt, die Bedeutung der unsichtbaren Welt manifestiert und als ein Fenster fungiert, von dem aus sich die Wahrheit der Wahrheiten entdecken lässt. Wer in der Lage ist, ständig den Puls des Seins zu spüren, die unsichtbare Welt ausdrucksvoll sprechen zu hören und die Manifestationen der Gnade und Macht durch jene Fenster zu beobachten, ist von den spirituellen Freuden, die weder ein Auge je sah, noch ein Ohr je hörte, so hingerissen, dass eine Stunde, die er in dieser Atmosphäre verbringt, Hunderte von Jahren aufwiegt. Ein solcher Mensch schreitet, überhäuft von den Geschenken und spirituellen Freuden Gottes, auf seinem Weg zur Ewigkeit voran. An dem Punkt, an dem der Rezitierende spürt, dass die Lichter Seines verklärten Gesichtes die ganze Existenz umfassen, wird er damit belohnt, unbeschreibliche Bilder zu sehen. Er nimmt wahr, dass er gerade dabei ist, Gottes mit vielen Seiner Namen zu gedenken, während er sich gleichzeitig aller anderen Wesen, die Gottes Namen rezitieren, bewusst wird.

 

Gelegentlich führt die Rezitation der Namen Gottes den Rezitierenden in einen tranceartigen Zustand, in dem er sich selbst verliert. In diesem Zustand des Hingerissenseins und der ekstatischen Betrachtung sprechen einige der Reisenden Worte wie „Außer Ihm existiert nichts., „Außer Ihm ist nichts wahrnehmbar." und „Es gibt keine Gottheit außer Gott." Andere aber beschränken sich darauf, „Außer Gott!" auszurufen und fahren dann fort, Gottes Einheit zu bekräftigen. Dem allumfassenden Charakter ihres Bewusstseins entsprechend kennen sie die Namen Gottes und deren Bedeutungen auswendig.

 

Die kurzen Augenblicke, die in der Atmosphäre der Nähe zu Gott und in Seiner Gesellschaft, verbracht werden - die Sekunden des Lichts und der Strahlung - sind in Hinblick auf das ewige Leben glücklicher und einträglicher als Jahre, die man im Dunkeln verbringt. Auf diese Wahrheit beziehen sich auch die folgenden Worte, die dem Propheten zugeschrieben werden:

 

Ich verfüge über eine Zeit mit meinem Gott, in der nicht einmal die Engel, die Ihm am nächsten stehen, oder ein anderer Prophet, der als Gesandter geschickt wurde, mit mir konkurrieren können.[1]

 

Die aktive Rezitation, die Rezitation mit dem Körper, basiert darauf, die Religion mit größter Vorsicht auszuüben, allen Pflichten mit Eifer nachzukommen und sich bewusst alles Verbotenen zu enthalten. Weisheit und Bewusstheit im Rahmen der verbalen Rezitation hängen vor allem von der aktiven Rezitation ab, wobei diese aber auch noch weitere Bedeutungen besitzt:

 

1) das Klopfen an die Tür zur Göttlichkeit;

2) das Suchen nach Wegen, am Gerichtshof Gottes zugelassen zu werden;

3) die Zufluchtsuche bei der Kraft und dem Reichtum Gottes und

4) das Eingeständnis der eigenen Hilflosigkeit und Abhängigkeit.

 

Jemand, der Gottes regelmäßig und mit großem Eifer gedenkt oder einen oder mehrere Seiner Namen rezitiert, wird von Gott unter Seine Fittiche genommen und von Ihm unterstützt, als habe er einen Vertrag mit Ihm geschlossen. Der Koranvers So gedenkt also Meiner, damit Ich eurer gedenke.[2] beschreibt die Stufe der Rezitation, auf der die angeborene Schwäche des Menschen zur Quelle von Reichtum und seine Hilflosigkeit zur Quelle von Kraft werden.

 

Dieser Vers hat folgende Bedeutung: Wenn man Gottes gedenkt und Ihn regelmäßig anbetet, wird Er dies mit Seinen Gunstbeweisen und Gaben vergelten. Wenn wir Ihn anflehen und zu Ihm beten, wird Er uns mit Seinen Geschenken überhäufen. Wenn wir Ihn nicht bei unseren irdischen Angelegenheiten und Bemühungen vergessen, wird Er die Hindernisse, die unseren Weg in dieser und der kommenden Welt blockieren, entfernen. Wenn wir allein sind, werden wir Seine Gesellschaft spüren, und immer wenn wir einsam sind und Freundschaft brauchen, wird Er für uns da sein. Wir werden stets an Ihn denken, wenn wir uns wohl fühlen und es uns gut geht, und Er wird Sich unserer erbarmen, wenn wir Kummer und Leid ausgesetzt sind. Wir werden uns bemühen, Ihm den Weg zu ebnen und Seinen Name in der ganzen Welt zu verbreiten, Er wird uns hier und im Jenseits vor Erniedrigung und Demütigung bewahren. Wir werden in unseren Bestrebungen für Seine Sache aufrichtig sein, Er wird uns unsere Bemühungen mit Geschenken und Bewusstseinsstufen vergüten, die weder ein Auge je geschaut, noch ein Herz je gefühlt hat. Das Verlangen, Gottes zu gedenken und Seine Namen zu rezitieren, wird mit Seiner Unterstützung und Rechtleitung belohnt werden, die uns erlauben werden, auch in der Zukunft weiter mit der Verehrung Gottes fortzufahren. Die Fortsetzung des bereits an anderer Stelle erwähnten Koranverses Und seid Mir dankbar und verleugnet Mich nicht.[3] weist auf einen Kreislauf des Guten hin, in dem der Gläubige von der Rezitation direkt auf die Stufe der Dankbarkeit wechselt und von dort wieder zurück zur Rezitation.

 

Die Rezitation ist die Essenz aller Arten oder aller Handlungen der Verehrung Gottes, und der Quell dieser Essenz ist in erster Linie der Heilige Koran. An zweiter Stelle zu nennen sind in diesem Zusammenhang die hoch geschätzten glanzvollen Worte des Propheten, dem die Scharia gesandt wurde.

 

Mit all ihren Aspekten und in all ihren hier beschriebenen Formen stellt die Rezitation - ob hörbar oder schweigend durchgeführt - eine Handlung dar, die darauf ausgelegt ist, die Manifestationen des Lichtes des ,Antlitzes' Gottes anzuziehen und zu verkörpern.

 

Rezitation bedeutet auch, aus Gründen der Dankbarkeit für Seine sichtbaren und verborgenen Gunstbeweise allen Menschen und Dschinnen Gott zu verkünden und Seinen Namen auf der ganzen Welt zu verbreiten. Sollte es irgendwann einmal nahezu keinen Menschen mehr geben, der bereit ist, Seinen Namen zu verkünden, verlöre die Existenz damit ihren Sinn. Der Prophet Muhammad erklärte, dass die totale Zerstörung des Universums unmittelbar bevor steht, wenn es kaum noch jemanden gibt, der die Sache Gottes verkündet.[4]

 

Die Rezitation, wie auch immer sie verrichtet wird, ist der sicherste und solideste Weg zu Gott. Wer diesen Weg nicht einschlägt, gelangt nur unter großen Schwierigkeiten zu Ihm. Welch unerschöpfliche Quelle der Unterstützung und des (spirituellen) Beistands doch darin besteht, dass der Mensch Gottes in seinem Bewusstsein gedenkt und die Erinnerung an Ihn mit seiner Zunge und anderen Sinnen in Worte fasst!

 

Die Rezitation gleicht einer Reise zu Gott. Beginnt ein Mensch, Gottes zu gedenken oder die Namen Gottes mit seiner Zunge, mit anderen Sinnen oder mit seinem Herzen einem Chor gleich zu rezitieren, findet er sich in einem geheimnisvollen Aufzug wieder, in dem er in die Sphären gelangt, in denen die Seelen umher fliegen. Durch die einen Spalt breit geöffneten Himmelstüren schaut er unbeschreibliche Bilder.

 

Für die Rezitation der Namen Gottes gibt es keine festgelegte Zeit. Zwar sind die vorgeschriebenen fünf täglichen Pflichtgebete, die die wichtigste Verehrungshandlung darstellen und damit wie ein ,Schiffsmast' aus der Religion herausragen, an bestimmte Tageszeiten gebunden und können nur verrichtet werden, während die Sonne auf- und untergeht bzw. wenn sie mittags im Zenit steht; Gottes gedenken und Seine Namen rezitieren kann der Mensch jedoch, wann immer es möchte. Wie aus dem Koranvers ...die Allahs gedenken im Stehen und im Sitzen und (Liegen) auf ihren Seiten.[5] hervorgeht, ist die Rezitation der Namen Gottes weder in Zeit noch in Ausführung irgendwelchen Einschränkungen unterworfen.

 

In Koran, Sunna und den Büchern der aufrichtigen Gelehrten, die in den frühislamischen Jahrhunderten lebten, wird man kaum auf irgendetwas stoßen, das nachdrücklicher empfohlen wird als die Rezitation der Namen Gottes. Egal ob tägliches Gebet oder heiliger Kampf auf dem Weg Gottes - die Rezitation ist die Seele aller Arten von Gottesverehrung.

 

Die Gründlichkeit und Tiefe der Rezitation eines Menschen entspricht der Tiefe, mit der er Gott fühlt. Sufis nennen sie ,Wahrnehmung des Herzens' oder ,Bezeugen'. Manche gedenken Gottes auf geheimnisvolle Art und Weise in ihrem Herzen und gelangen so zu Ihm. Andere erkennen Ihn mit ihrem Bewusstsein und fühlen ständig Seine Begleitung, indem sie Vertrauen beweisen und in ihren inneren Welten nach Unterstützung suchen. Da sie Ihn in ständiger Erinnerung haben und Seiner mit ihrem Herzen und ihrem Bewusstsein gedenken, da sie Ihn fortwährend in ihrem ganzen Wesen spüren und sich Seiner Allgegenwart immer bewusst sind, empfinden sie das verbale Gedenken Gottes als Achtlosigkeit und Unwissenheit Ihm gegenüber. Wer diese Stufe des dhikr erklommen hat, kann sagen: „Gott weiß, dass ich mich nicht an Ihn erinnere, um Seiner gerade jetzt zu gedenken. Wie sollte ich mich auch erinnern und Seiner gedenken, wenn ich Ihn doch niemals vergessen habe?"

 

 

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[1] Adschluni, Kaschf al-Khafa', 2.173

[2] 2:152

[3] 2:152

[4] Muslim, Iman, 234

[5] 3:191"

 

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Qabd und Bast (Anspannung und Entspannung)

 

Qabd (Anspannung) und bast (Entspannung), die jeder Mensch gelegentlich verspürt, sind vor allem für diejenigen von Bedeutung, die ihr Leben bewusst führen.

 

Wörtlich heißt qabd (Anspannung) ‚gefangen sein', ‚sich in einer Notlage oder Stresssituation befinden', in der Sprache des Sufismus findet dieses Wort Verwendung, wenn die Verbindung zwischen dem Menschen und der Quelle seiner spirituellen Geschenke für eine Weile unterbrochen und er infolgedessen bedrückt ist und unter einer spirituellen Blockade und ‚Verstopfung' leidet. Bast (Entspannung) dagegen kann als Entlastung, Ausdehnung, Entwicklung und Befreiung von jener Verstopfung beschrieben werden. Durch bast entwickelt sich der Suchende innerlich und spirituell so stark weiter, dass er zu einem Werkzeug der Gnade in der Sphäre des Seins wird und alle Dinge oder Wesen umarmt.

 

Furcht und Hoffnung oder Erwartung sind bewusste Haltungen und erste Stationen des Reisenden auf dem Weg zur Wahrheit. Anspannung und Entspannung hingegen sind geheimnisvolle ‚Geschäfte', zu denen der Wille oder auch die Absicht des Reisenden keinen Zugang haben. Erstere blockiert seinen Weg, Letzere lässt ihm auf seinem Weg zu den Gipfeln Flügel wachsen.

 

Während Furcht und Hoffnung Ängste vor der Zukunft und vor geliebten und ungeliebten Dingen bzw. Vorfreuden auf diese darstellen, können Anspannung und Entspannung mit dem Sich-Zusammenziehen eines Herzens voller Schwermut und Trübsinn bzw. mit einem freudigen Herzschlag verglichen werden.

 

Anspannung und Entspannung haben für Menschen, die an den Hängen des Wissens reisen, die gleiche Bedeutung, die Furcht und Hoffnung oder Erwartung für Menschen besitzen, die sich gerade erst auf den Weg gemacht haben.

 

Anspannung und Entspannung liegen in der Hand Gottes, auch wenn einige Bereiche des freien Willens ebenfalls einen gewissen sehr begrenzten Anteil an ihnen besitzen:

 

Und Allah schmälert und mehrt.[1]

 

Da die ganze Existenz sich in Seiner Hand befindet und Seiner freien Verfügung unterliegt, ist Er es, der alle Dinge von der Erde bis hin zum menschlichen Herzen dirigiert. Der Ausspruch des Propheten Das Herz befindet sich zwischen den beiden Fingern des Gnädigen. Er führt es von einem Zustand zum anderen und gibt ihm die Form, die Er sich wünscht.[2] erinnert uns an diese Tatsache.

 

Wenn Gott will, lässt er das Herz extrem zusammenschrumpfen und leiden, indem Er es Dinge begehren lässt, die nur Er gewähren kann. Bei anderer Gelegenheit weitet er es und erfreut es so sehr, dass es wunschlos glücklich ist.

 

Anspannung wird durch die Macht Gottes erzeugt, Entspannung durch Seine Gnade. In der Anspannung spiegeln sich die Pracht und Herrlichkeit der Manifestationen aller Namen Gottes in der ganzen Existenz wider, während sich in der Entspannung die Gnade und das Wesen eines Wohltäters manifestieren. Der Anspannung wohnt das Furcht erregende, Ehrfurcht gebietende und majestätische Wesen jener Kraft, die die Existenz dirigiert, inne; die Entspannung spendet den Menschen, die vor Ehrfurcht vor dieser unendlich großen überwältigenden Macht und Herrlichkeit erstarren, eine gütige Brise.

 

Nicht alle Menschen können die Manifestationen der Macht und der Gnade mit der gleichen Intensität empfangen. Das Ausmaß von Anspannung und Entspannung entspricht den emotionalen und spirituellen Fähigkeiten des Menschen. Selbstverständlich ist das, was ein normaler Mensch an Anspannung und Entspannung oder Freuden verspürt, nicht mit den spirituellen Freuden und Ängsten derer vergleichbar, die die spirituellen Wahrheiten erfahren haben, die immerzu darauf bedacht sind zu sehen, was durch die halb geöffnete Tür der jenseitigen Sphären auf sie zukommt, und die sich der Tatsache bewusst sind, dass sie stets von oben überwacht werden.

 

Wie alles andere und jedes Ereignis in der Existenz liegen Anspannung und Entspannung in der Hand des Schöpfers. Sie unterliegen dem gleichen Wechsel wie Tag und Nacht. Es mag zwar Handlungen des Menschen geben, die seinem freien Willen entspringen und zum Wechsel von Anspannung und Entspannung beitragen; der Wille Gottes aber ist es, der die Zeitspannen der beiden Zustände verlängert oder verkürzt. Er unterwirft den Menschen Spannungen oder lässt ihn vor Freude schier überfließen. Es gibt Zeiten, in denen sich der Mensch wie ein Vogel fliegend über einen langen Zeitraum nicht in der Anspannung verfängt. Dann wieder wird er so häufig und über einen so langen Zeitraum hinweg von ihr heimgesucht, dass er sich fühlt, als rolle er von einem Abgrund in den nächsten, und als sei er großem Leid ausgesetzt.

 

So wie die Anspannung dadurch hervorgerufen wird, dass wir nicht das erfüllen, was Gott Sich eigentlich von uns verspricht, bringen auch Sünden in der Regel Anspannung mit sich. Der Gläubige muss also, während er unter Anspannung leidet, ständig auf der Hut sein, keine neue Sünden zu begehen. Er muss dafür Sorge tragen, dass ihm keine Unachtsamkeit unterläuft, und sich darum bemühen, dass ihm seine Sünden durch aufrichtige Reue und gute Taten verziehen werden. Er muss dastehen und abwarten, was aus der jenseitigen Sphäre auf ihn zukommt.

 

Anspannung wird von Furcht, Verwirrung und Gefühlen spiritueller Leere begleitet; Entspannung manifestiert sich in Freude, Verzückung und einigen Gefühlen oder Ausdrücken von Stolz. Daher kann die Entspannung in Verbindung mit Heiterkeit für spirituell nicht sehr weit fortgeschrittene Menschen, die sich noch nicht dem Reisen in den ‚himmlischen' Sphären anpassen konnten, riskant sein. Auch die Anspannung birgt gewisse Risiken in sich, die allerdings nicht so gefährlich und zahlreich sind wie jene der Entspannung. Denn jemand, der sich in einem angespannten Zustand befindet, spürt normalerweise, dass er auf den Allmächtigen angewiesen ist; er wendet sich Ihm zu und gesteht seine vollkommene Bedürftigkeit ein. Er fleht Gott an, ihn zu halten, damit er nicht falle. Ihm wird, während er der spirituellen Wüste entkommt, die Unterstützung des Allmächtigen zuteil, und er erklimmt Gipfel, die er in Phasen der Entspannung und Heiterkeit nicht erreichen kann. Aus diesem Grund sind manche Menschen in Phasen der Entspannung der Verwirrung und dem Verlust spiritueller Energie ausgesetzt. Die Anspannung wiederum hilft jedoch fast allen Menschen, sich in einen Zustand der Wachsamkeit hineinzuversetzen. Außerdem stellt eine Anspannung, die einer Sünde oder Nachlässigkeit unsererseits entspringt, oft den Beginn einer neuen Entspannungswelle dar. Im Gegenzug kann eine Entspannung, die Stolz weckt und zum Verlust der spirituellen Energie führt, auch neuen Anspannungen den Weg ebnen.

 

Ein wahrer Gläubiger ist ein Mensch, der jeden Zustand, in dem er sich gerade befindet, in all seinen Aspekten beurteilen und von jedem Zustand profitieren kann.

 

Anspannung und Entspannung sind Seine Manifestationen für die Wissenden;

Er entspannt den Diener so, dass er dankbar sein sollte, und spannt ihn an, damit er aufmerksamer wird.

 

 

 

 

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[1] 2:245

[2] Musnad, 2.173; Tabari, Tafsir, 3.126

 

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Hal und Maqam (Zustand und Station)

 

Zustand bedeutet, in der eigenen inneren Welt den ,Atem', der aus den Sphären des Jenseits zu uns hinüber weht, zu fühlen und die Unterschiede zu erfahren, die das Herz zwischen ,Tag' und ,Nacht' oder ,Abend' und ,Morgen' macht. Diejenigen, die diese Unterschiede als ständig wiederkehrende Wellen von Freude und Kummer oder Spannung und Entlastung empfangen, nennen die Beständigkeit dieser Wellen ,Station' und ihr Verschwinden ,Egoismus'.

 

Es wäre nicht falsch, ,Zustand' als ein Geschenk Gottes und als den Atem der Nähe Gottes zu beschreiben, den der Mensch im Herzen spürt. ,Station' hingegen lässt sich als die permanente Erfahrung eines Menschen mit diesem Atem und als Erwerb einer zweiten Natur durch diesen Atem charakterisieren.

 

Genauso wie Leben, Licht und Gnade ist auch der Zustand ein direktes Geschenk des Allmächtigen und lässt den Menschen von der Einheit Gottes überzeugt sein. Die Station hingegen ist von den zielstrebigen Bemühungen eines Menschen abhängig und kann deshalb die Wahrheit nicht so offenkundig widerspiegeln. Das Gefühl für spirituelle Ereignisse, die auf das Herz des Menschen einwirken, und die fortwährende Empfänglichkeit des Menschen für den Einen, der dem Herzen wohl bekannt ist, sollen hier keineswegs in die Nähe des Egoismus gerückt werden. Beide Eigenschaften, Gefühl und Empfänglichkeit, sind jedoch eher eine Würdigung der Quelle spiritueller Ereignisse. Die Würdigung der Fähigkeit, diese Ereignisse den eigenen Fähigkeiten und Charakteren entsprechend zu verarbeiten, kann hingegen schnell zu Prahlerei und Einbildung führen.

 

Der aufrichtigste und meist geschätzte aller Menschen, Friede und Segen seien mit ihm, sagte bei Gelegenheit:

 

 

 

Gott zieht nicht eure körperliche Statur in Betracht, sondern eure Herzen.[1]

Mit diesem Satz machte uns der Prophet darauf aufmerksam, was für die Wahrheit entscheidend ist und zeigte uns das, worum es wirklich geht. Ein Hadith zu diesem Thema, der aus nicht hundertprozentig verlässlicher Quelle stammt, lautet:

 

 

 

Gott zieht eure Herzen und Taten in Betracht.[2]

Dieser Ausspruch ist ein Hinweis auf die Station, die nach den Zyklen des Zustands erreicht wird.

 

Der Zustand besteht aus den Manifestationen Gottes, die zu Zeiten erscheinen, welche Sein Absoluter Wille festlegt. Diese Manifestationen spiegeln sich im Herzen, in der Wahrnehmung und im Bewusstsein des Menschen wider und haben zum Ziel, sie zu formen. Aus diesem Grund kann der Zustand mit einzelnen Wellen verglichen werden, die in unterschiedlichen Längen und Farben von der Sonne ausgehen und erscheinen und wieder verschwinden, ganz so wie es der uneingeschränkt Herrschende Wille vorsieht. Die Station dagegen bezeichnet eine Stabilität, die den Wellen des Zustands folgt.

 

Empfindsame Menschen und solche, deren Bewusstsein dem Wissen um Gott gegenüber aufmerksam und aufgeschlossen ist, nehmen die Wellen des Zustands in ihren Herzen genauso wahr, wie sie die Sonnenstrahlen in Bläschen auf dem Wasser erkennen; sie reagieren auf diese Wellen, indem sie sie auf verschiedenen Ebenen und auf unterschiedliche Art und Weise wahrnehmen. Menschen, die nicht in der Lage sind, in ihren Herzen einen ausgeglichenen Zustand herzustellen, und ihr Leben isoliert vom Allmächtigen leben, betrachten diese Wellen möglicherweise als Illusionen und Fantasien. Wie dem auch sei, für diejenigen, die das Leben mit dem Licht der Wahrheit schauen, sind sie manifeste, wahrgenommene Realitäten.

 

 

 

Der Prophet Muhammad, die herausragende Persönlichkeit des Zustands, der jedes spirituelle Geschenk, das ihm gemacht wurde, für wertvoller hielt als alle, die er bereits erhalten hatte, sagte einmal:

Ich bitte Gott siebenmal täglich um Verzeihung.[3]

 

Ein vollkommen reiner Mensch, der auf seiner ewig andauernden Reise zum Unendlichen das Bedürfnis nach einem unendlich hohen Berg und nach einem ewig brennenden Licht verspürt, hätte es wirklich nicht treffender ausdrücken können.

 

 

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[1] Muslim, Birr, 33/4

[2] Muslim, Birr, 33/4; Ibn Madscha, Zuhd, 9

[3] Bukhari, Da'wat, 3; Tirmidhi, Tafsir al-Qur'an, 47

 

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Halwa und `Uzla (Zurückgezogenheit [in Klausur] und Isolation)

 

Wörtlich mit, Einsamkeit und für sich allein leben' zu übersetzen, bezeichnen Zurückgezogenheit und Isolation (halwa und `uzla) sowohl den Rückzug eines Eingeweihten in die Klausur mit dem Ziel, seine Zeit unter Anleitung und Aufsicht eines spirituellen Lehrers der Verehrung Gottes zu widmen, als auch seine Reinigung von allen Arten von Unglauben, dunklen Gedanken und Gefühlen sowie von unpassenden Vorstellungen und Auffassungen, die ihn von der Wahrheit abkommen lassen.

 

Der Eingeweihte schließt die Tür seines Herzens hinter sich und sperrt alles außer Gott aus. Er spricht durch die Zunge seiner inneren Fähigkeiten zu Gott. Isolation ist eine Dimension der Zurückgezogenheit, Enthaltsamkeit eine andere. Den ersten Schritt in die Zurückgezogenheit tut man in vierzig Tagen, deshalb spricht man davon, sich einer vierzigtägigen Periode der Enthaltsamkeit zu unterziehen. Wenn der spirituelle Lehrer den Eingeweihten in die Zurückgezogenheit begleitet, führt er ihn zunächst in sein Ruhezimmer, wo er mit ihm betet und ihn dann verlässt. Der Eingeweihte führt in jenem Raum ein isoliertes Leben. Er ist völlig für sich allein und isst und trinkt nur wenig. In jenem isolierten Raum, der auch als Tür zur Nähe Gottes be-zeichnet wird, reduziert und diszipliniert er seine körperlichen Bedürfnisse und versucht, seine fleischlichen Gelüste zu vergessen. Er widmet all seine Zeit - Tag und Nacht - der Verehrung Gottes, der Meditation und Reflexion, dem Gebet, dem demütigen Bitten, etc.. Was die Aspekte Enthaltsamkeit und Vermeidung, andere Menschen zu treffen, betrifft, geht die Zurückgezogenheit in Klausur bis zur Frühzeit des Sufismus und sogar bis auf die großen Propheten zurück. Zahllose Propheten und rechtschaffene Menschen, insbesondere aber Muhammed, der Glanz der Mensch-heit, haben einen gewissen Teil ihres Lebens in Isolation verbracht. Ihr einstiges System von Zurückgezogenheit und Isolation wurde jedoch im Laufe der Zeit von einigen unerwünschten Neuerungen verzerrt. Die Isolation des Propheten Abraham, die 40-tägige Klausur des Propheten Moses, die Enthaltsamkeit des Propheten Jesus und die Rückzüge des letzten Propheten Gottes wurden zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen Menschen nachgeahmt und dabei auch zum Teil abgeändert. Natürlich ist dies, solange es ein bestimmtes Maß nicht überschreitet, ganz normal. Schließlich ist auch die Zurückgezogenheit von Stimmungen, Temperamenten und spiritu-ellen Kapazitäten beeinflusst. Gerade weil dies so ist, können nur erfahrene spirituelle Meister wissen und entscheiden, wie lange und unter welchen Bedingungen sich ein Eingeweihter in die Isolation begeben sollte.

 

In den frühen Jahren seiner Initiation ging Mawlana Dschalal ad-Din ar-Rumi oft für vierzig Tage der Enthaltsamkeit in Klausur. Nachdem er aber einen wirklich voll-kommenen Meister gefunden hatte, gab er seine Zurückgezogenheit auf und suchte vielmehr die Gesellschaft von Menschen (dschalwa). Viele andere Menschen vor und nach ihm zogen es ebenfalls vor, mit Menschen zusammen zu sein, statt ihre Gesellschaft zu meiden. Enthaltsamkeit, eine der beiden Dimensionen der Zurückgezogenheit, die oben erwähnt wurden, beinhaltet, die fleischlichen Begierden zu kontrollieren und den Geist, der von der Vollkommenheit angezogen wird, anzutreiben. Nur Enthaltsamkeit zähmt die Lust des Fleisches und zwingt den Menschen, schlechten Anreizen und Neigungen zu widerstehen und sich den Anordnungen Gottes zu fügen. Nur durch Enthaltsamkeit übt sich der Geist in Demut und wird zu ,Erde', die fortan als ein ,Blumenbeet' fungiert:

 

Sei wie die Erde, auf dass Rosen aus dir wachsen. Denn nur die Erde kann dem Wachstum der Rosen dienen."

 

Enthaltsamkeit ermöglicht allen Menschen, in den Genuss gewisser Gunstbeweise Gottes zu kommen. Manchen Menschen gelingt es, ihr Wissen mit guten Moralvorstellungen und ihre religiösen Handlungen mit aufrichtigen und reinen Absichten zu schmücken. Im Idealfall ist ihr Umgang mit Gott und anderen Menschen von Wohlverhalten geprägt. Andere werden in der Beziehung zu Gott auf immer neuen Wegen hin und her geschleudert und suchen ständig nach Möglichkeiten, Ihm immer näher zu kommen. Wieder andere verbringen ihr Leben wie Libellen, die gerade ihrem Kokon entflogen sind, in der Gegenwart von spirituellen Wesen, die man als Schmetterlinge der Himmelswelt bezeichnen kann.

 

Ganz entscheidend für die Zurückgezogenheit in Klausur ist, dass der Eingeweihte nur Gottes Wohlgefallen anstreben darf und unablässig auf Zeichen der Gunst Gottes wartet. Er darf nicht untätig da sitzen, sondern muss das Auge seines Herzens offen halten und sich größte Mühe geben, nicht eine der Inspirationen und Geschenke Gottes, die seinem Herzen zufließen, zu verpassen. Er darf es außerdem nicht an der Höflichkeit und dem nötigen Anstand fehlen lassen, die der Anwesenheit in der Gegenwart Gottes angemessen sind. Die folgenden Worte von al-Makani Husayn Efendi bringen dieses Anliegen präzise auf den Punkt:

 

"Reinige den Brunnen deiner Seele, bis er vollkommen rein ist!

Richte deine Augen auf dein Herz, bis aus deinem Herzen

ein Auge wird!

Vergiss deine Zweifel und stelle den Krug deines Herzens

unter den Wasserstrahl jenes Brunnens!

Ist der Krug voll mit Wasser und spendet Vergnügen,

Wende dich von ihm ab und dem Besitzer

Seines Hauses zu!(1)

Wenn du es verlässt, kommt Gott ganz bestimmt zu

Seinem Haus.

Lass niemals den Teufel das Haus deines Herzens betreten,

Denn ist er erst einmal darin, ist es schwer,

ihn wieder daraus zu vertreiben!"

 

Es ist wirklich wahr, Gott ist absolut frei von den Beschränkungen von Zeit und Raum. Seine Beziehungen zu den Menschen finden auf den ,Senken' des Herzens statt. Aus diesem Grund müssen die ,smaragdgrünen Hügel' des Herzens ständig bereit sein, die Wellen Seiner Manifestationen zu empfangen. Nur dann kann den Worten Ibrahim Haqqis aus Erzurum zufolge "der ,König' des Nachts zu seinem Palast hinab steigen."

 

Gott, der Allmächtige, gab dem Propheten David die Anordnung: "Räume das Haus für Mich leer, damit ich in ihm wohnen kann!" Einige haben dieses ,Leerräumen des Hau-ses' als Reinigung der Herzen von allen anderen Betrachtungen als denen Gottes und als Abstand Nehmen von allen Beziehungen mit Menschen, die nicht dem Wohlgefallen Gottes dienen, beschrieben. Die folgenden Worte von Mawlana Dschalal ad-Din ar-Rumi drücken dies sehr schön aus:

 

"Jemand, der weise und sensibel ist, bevorzugt den Grund

eines Brunnens,

Denn die Seele findet Vergnügen am Rückzug

(bei Gott zu sein).

Die Dunkelheit des Brunnens ist besser als die

Angelegenheiten der Menschen in der Dunkelheit.

Jemand, der sich an den Beinen der Menschen fest hält,

hat es nie geschafft, seinen Kopf einzusetzen.(2)

Von anderen darf man sich lossagen,

nicht aber von dem Geliebten.

Einen Pelz trägt man im Winter, nicht im Frühling."

 

Ziel der Isolation ist es, das Herz von der Liebe zu anderen Menschen zu reinigen und immer in der Gegenwart des Geliebten zu sein. Daher betrachtet man diejenigen, die die Gegenwart Gottes auch in der Gegenwart anderer Menschen ständig spüren und die Einheit Gottes inmitten der Vielfalt immerzu wahrnehmen, als Menschen, die sich immerzu mit Gott in Klausur befinden. Andererseits ist die Isolation von Menschen, die zwar ihr Leben in Klausur verbringen, aber nicht in der Lage sind, ihre Herzen zu reinigen, nicht mehr als ein Trugbild.

 

Diejenigen, die spüren, dass sie sich ständig in der Gegenwart Gottes aufhalten, haben es nicht nötig, sich von ihren Mitmenschen abzusondern. Mawlana Dschalal ad-Din ar-Rumi zufolge stehen solche Menschen mit einem Fuß in der Sphäre der Anordnungen Gottes, während sie mit dem anderen Fuß die Welt durchmessen wie eine Kompassnadel. Ununterbrochen erfahren sie Aufstieg (zu Gott) und Abstieg (von Ihm, um Seine Befehle anderen Menschen zu übermitteln). Diese Art von Isolation wird von Propheten und rechtschaffenen Menschen anerkannt und bevorzugt.

 

Eines Tages fragte Gott, der Allmächtige, den Propheten David: "David! Warum isolierst du dich von den Menschen und ziehst es vor, allein zu sein?" David antwortete Ihm: "Herr! Ich verzichte Dir zuliebe auf die Gesellschaft von Menschen." Der Allmächtige aber warnte ihn: "Sei immer wachsam, aber halte dich nicht von

 

deinen Brüdern fern. Meide nur diejenigen, deren Gesellschaft dir nicht von Nutzen ist."

 

 

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[1] Haus' steht hier für Herz, ,Besitzer' für Gott.

[2] Jemand, der sich beim Erreichen seiner Ziele auf andere verlässt, wird nie erfolgreich sein.

 

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Huzn (Trauer oder Leid)

 

 

Die Sufis gebrauchen das Wort huzn (Trauer) in der gegenteiligen Bedeutung von Freude und Fröhlichkeit und drücken mit ihm den Schmerz aus, den die Erfüllung von Pflichten und die Realisierung von Idealen hervorruft. Auch jeder Gläubige, der sich selbst vervollkommnet hat, wird diesen Schmerz dem Grad seines Glaubens entsprechend ertragen und das Tuch seines Lebens mit den ,Fäden' des huzn auf dem ,Webstuhl' der Zeit weben müssen. Kurz, er wird solange immerzu Trauer verspüren, bis der Geist der Wahrheit Muhammads in allen Ecken der Welt geatmet wird, das Seufzen von Muslimen und anderen unterdrückten Menschen verstummt und die Regeln Gottes im täglichen Leben der Menschen beachtet werden. Seine Trauer wird solange fortbestehen, bis er seine Reise durch die Zwischenwelt des Grabes schließlich heil und gesund zum Abschluss bringt und sich zum Ort ewigen Glücks und Segens aufmacht, ohne vom Höchsten Gericht im Jenseits angehalten zu werden. Das Leid eines Gläubigen wird nicht enden, bis die Bedeutung des Koranverses Alles Lob gebührt Allah, der die Traurigkeit von uns genommen hat! Unser Herr ist wahrlich verzeihend, dankbar.[1] Wirklichkeit wird.

 

Leid oder Trauer sind das Ergebnis der Wahrnehmung des Menschen von dem, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Solange sich der Mensch seiner Menschlichkeit bewusst ist, stehen sein Leid und seine Trauer im Einklang mit dem Grad seiner Einsicht und Wahrnehmung. Sie erzeugen eine notwendige, spürbare Dynamik, die den Menschen dazu zwingt, sich ständig dem Allmächtigen zuzuwenden und - während er die Realitäten wahrnimmt, die ihn traurig machen - bei Ihm Zuflucht zu suchen sowie Ihn in Momenten der Hilflosigkeit um Hilfe zu bitten.

 

Ein gläubiger Mensch ist jemand, der nach sehr kostbaren Dingen wie zum Beispiel nach dem Wohlwollen Gottes und ewigem Glück strebt und der darum in der kurzen Spanne seines Lebens mit seinen limitierten Mitteln ,einen guten Job erledigen' muss. Die Leiden, die ein Gläubiger auf Grund der Krankheiten und Schmerzen, die er durchmacht, ertragen muss und die Beschwerden und Missge-schicke, die ihm widerfahren, sind so wirksam wie eine Medizin, die seine Sünden hinweg wischt; sie verewigen, was vergänglich ist, und lassen seinen ,Tropfen-förmigen' Verdienst zu einem Ozean anschwellen. Wie aufschlussreich ist doch, dass der Glanz der Menschheit, der sein ganzes Leben in Leid verbrachte, von einigen als Prophet des Leids beschrieben wird.

 

Trauer bewahrt die Maschine des menschlichen Herzens und die Räder seiner Gefühle davor, zu rosten und zu verkommen, und zwingt den Menschen, sich auf seine innere Welt zu konzentrieren und seinen Weg selbst zu lenken. Durch Leid kann ein Reisender auf dem Pfad zur Vervollkommnung den Rang eines rein spirituellen Lebens erreichen, einen Rang, den andere auch durch mehrere vierzigtägige Buß- und Enthaltsamkeitsperioden nicht erlangen.

 

Der Allmächtige schätzt die Herzen, auch die traurigen und gebrochenen, nicht aber die äußerlichen Erscheinungsformen. Er belohnt die Besitzer dieser Herzen mit Seiner Allgegenwart, wie auch in folgendem Satz fest gehalten ist:

 

Ich bin denjenigen, die ein gebrochenes Herz haben, nahe.[2]

 

Sufyan ibn Uyayna sagte einst:

 

„Manchmal hat Gott mit einer ganzen Nation Mitleid, weil ein einziger Trauernder mit gebrochenem Herzen weint.[3]

 

Mit dieser Einschätzung lag er durchaus richtig, denn Leid entspringt der Aufrichtigkeit der Herzen und gehört tatsächlich zu den Handlungen, die uns Gott näher bringen. Trauer und Leid sind am wenigsten anfällig dafür, durch Prahlerei oder das Trachten eines Menschen, in seiner Abwesenheit gerühmt zu werden, getrübt zu werden. In jeder Gabe und in jedem Segen Gottes verbirgt sich ein Element, das den Bedürftigen zusteht und damit Gabe und Segen von gewissen Unreinheiten befreit. Jenes Element heißt in der Sprache des Islam ,zakat'.[4] Trauer und Leid ähneln dem Teil eines Verstandes oder Bewusstseins, der für die Klärung und die Erhaltung der eigenen Reinheit zuständig ist.

 

In der Thora steht geschrieben, dass Gott einem Diener, den Er liebt, das Gefühl, weinen zu müssen, zuteil werden lässt. Demjenigen aber, den Er nicht mag und auf den Er wütend ist, füllt Er das Herz mit dem Bedürfnis nach Belustigung und Spiel.

 

Von Bischr al-Khafi stammen die Worte:

 

„Trauer oder Leid sind wie ein Herrscher. Wenn sie sich an einem bestimmten Ort niederlassen, dulden sie nicht, dass sich ein anderer Mensch dort aufhält."[5]

 

So wie ein Land ohne Führung in Konfusion und Unordnung fällt, ist auch ein Herz, das kein Leid kennt, wie eine Ruine. War nicht auch Muhammad, Friede und Segen seien mit ihm, der ein so tadelloses und blühendes Herz besaß, ständig traurig und in Gedanken versunken?

 

Kletterte nicht Prophet Jakob, Friede sei mit ihm, auf Berge, die ihn von seinem geliebten Sohn, dem Propheten Joseph trennten? Überwand er sie nicht auf den Flügeln des Leids und wurde dann Zeuge der Verwirklichung eines erfreulichen Traums?

 

Die Seufzer eines leidgeprüften Herzens sind also als genauso wertvoll zu betrachten wie die regelmäßigen Rezitationen und Bezeugungen der Anbeter Gottes und die Hingabe, Frömmigkeit und Enthaltsamkeit der Asketen.

 

Der wahrhaftige und bekräftigte Eine, Friede und Segen seien mit ihm, betonte, dass ...der Kummer, der aus weltlichen Unglücken hervor geht, bewirkt, dass Sünden vergeben werden.[6] Daraus lässt sich ersehen, wie wertvoll und verdienstvoll Leid ist, das einer Sünde entspringt oder aus der Gottesfurcht und der Liebe zu Gott hervorgeht und das Jenseits betrifft.

 

Einige Menschen sind bekümmert, weil sie an der Aufgabe scheitern, ihre Anbetungspflichten so zu erfüllen, wie es angebracht wäre. Diese Menschen sind die gewöhnlichen Gläubigen. Andere, die als außergewöhnlich betrachtet werden müssen, sind traurig, weil sie eine Neigung zu etwas oder jemand anderem als Gott verspüren. Wieder andere sind traurig, weil sie fühlen, dass sie sich in der Allgegenwart Gottes befinden und Ihn nie vergessen. Sie verbringen auch Zeit unter den Menschen, aber vor allem mit dem Ziel, sie im Namen Gottes zur Wahrheit zu führen. Ständig zittern sie vor Furcht, das Gleichgewicht zwischen dem dauerhaften Aufenthalt bei Gott und der Gesellschaft von Menschen zum Einstürzen zu bringen. Diese Menschen sind Geläuterte, die für die Unterweisung anderer verantwortlich sind.

 

Der erste Prophet, Adam, Friede sei mit ihm, war nicht nur der Vater der Menschheit und der Propheten, sondern auch der ,Vater' des Leids. Als sein Leben begann, begann auch sein Leid. Zunächst bedrückte ihn das Leid, das aus seinem Fall, dem verlorenen Paradies und der Trennung von Gott erwuchs, später dann belastete ihn die große Verantwortung seiner Prophetenschaft.

 

Der Prophet Noah, Friede sei mit ihm, fand sich von Trauer gezeichnet, nachdem er Prophet geworden war. Die Wellen des Leids, die in seiner Brust schlugen, waren wie die Wellen der Ozeane. Eines Tages ließen diese Wellen die Ozeane so sehr anschwellen, dass sie die Berge überspülten und die Erde in Folge dessen in Kummer versank. Der Prophet Noah wurde zum Propheten der Flut.

 

Der Prophet Abraham, Friede sei mit ihm, war quasi auf Leid programmiert. Er lebte in Kummer, der aus seinem Kampf mit Nimrod entstand, er wurde ins Feuer geworfen und war ständig von ,Feuern' umgeben. Er verließ Frau und Sohn in einem verlassenen Tal und zusätzlich zu anderem ,heiligen' Kummer, der die innere Dimension der Dinge und die Bedeutungen von Ereignissen betraf, wurde ihm befohlen, seinen eigenen Sohn zu opfern.

 

Alle anderen Propheten wie z.B. Moses, David, Salomon, Zacharias, Johannes der Täufer und Jesus, Friede sei mit ihnen, erfuhren das Leben als eine Anhäufung von Leid und lebten in ständiger Begleitung dieses Leids. Vor allem der größte der Propheten, Friede und Segen seien mit ihm, und jene, die zu seinen Gefährten wurden, erfuhren unbeschreibliches Leid.

 

 

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[1] 35:34

[2] Adschluni, Kaschf al-Khafa', 1:203

[3] Quschairi, ar-Risala al-Quschairiya, 139

[4] Wörtlich bedeutet zakat Reinigung und Vergrößerung. Durch sie wird das Vermögen eines Menschen von den Unreinheiten gesäubert, mit denen es entweder beim Verdienen, beim Gebrauch oder beim Ausgeben beschmutzt wurde. Mittels der zakat wächst das Vermögen zu einem Segen Gottes.

[5] Quschairi, ar-Risala al-Quschairiya, 138

[6] Haythami, Madschma' az-Zawa'id, 4:63"

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  • 3 Wochen später...

Die universelle Weisheit macht die Wiederauferstehung zwingend erforderlich

 

Gott handelt absolut frei; Er tut, was immer Er will, und niemand kann Ihn für das, was Er tut, zur Verantwortung ziehen. Da Er aber der Weise ist, handelt Er absolut zweckorientiert und überlegt. Er verausgabt sich niemals umsonst und tut nichts, was vergeblich oder nutzlos wäre.

 

Wenn wir uns selbst einmal genau betrachten, unser Wesen, unsere physische und spirituelle Identität und Struktur, dann werden wir feststellen, dass wir aus bestimmten, wichtigen Gründen erschaffen wurden. In unserem ganzen Körper existiert nicht ein einziges nutzloses Atom. Das Gleiche gilt auch für das Universum, das, wenn man so will, ein Makro-Mensch ist. Denn jeder einzelne Bestandteil des Universums manifestiert bedeutende Absichten und enthält unzählige Hinweise auf Weisheit.

 

Der Mensch nimmt in der Schöpfung einen einzigartigen Platz ein; denn wir tragen einen Aspekt all dessen, was im Universum existiert, in uns. Mit unseren geistigen und spirituellen Fähigkeiten repräsentieren wir engelhafte und andere spirituelle Welten wie die Welt der Symbole oder der immateriellen Formen. Darüber hinaus verfügen wir sogar auf Grund unserer angeborenen Fähigkeit zu lernen und auf Grund unseres freien Willens über das Potenzial, selbst die Engel noch zu übertreffen. Mit unserer physischen oder biologischen Existenz repräsentieren wir Pflanzen und Tiere. Obwohl wir Raum und Zeit verhaftet sind, reichen wir mit unseren spirituellen Fähigkeiten und anderen Kräften wie der Vorstellungskraft über sie hinaus. Aber trotz unseres im Vergleich zu den anderen Geschöpfen unvergleichlichen Wertes sterben einige von uns schon bei der Geburt oder in jungen Jahren.

 

Wir sehnen uns nach der Ewigkeit und wünschen uns ein ewiges Leben; einige unserer Sinne oder Gefühle geben sich mit weniger nicht zufrieden. Wenn wir zwischen ewigem Leben und schweren Mühen einerseits und ewiger Nichtexistenz nach einem kurzen luxuriösen Leben andererseits wählen dürften, würden wir wohl höchstwahrscheinlich das ewige Leben vorziehen. Wahrscheinlich würden wir sogar einen ewigen Aufenthalt in der Hölle der ewigen Nichtexistenz vorziehen. Gott, der Barmherzige und Weise, hat uns nicht zur ewigen Nichtexistenz verurteilt. Er hat uns die Sehnsucht nach Unsterblichkeit auch nicht verliehen, damit wir Qualen leiden, weil wir etwas anstreben, was unmöglich zu verwirklichen ist. Demnach erfordert die Weisheit Gottes die Existenz einer ewigen Welt, einer Welt, in der der Mensch ewig leben wird.

 

Die diesseitige Welt kann den wahren Wert des Menschen gar nicht ermessen

 

Obwohl wir nur über einen winzigen physischen Körper verfügen, erlauben uns unsere geistigen und spirituellen Fähigkeiten, das gesamte Universum zu umarmen. Unsere Handlungen sind sich nicht allein auf die sichtbare Welt beschränkt und daher auch nicht den Schranken von Raum und Zeit unterworfen. Der Mensch besitzt ein so universelles Wesen, dass sich die Handlungen des ersten Menschen auch noch auf den Charakter des letzten Menschen, ja sogar auf die Gesamtheit der Existenz auswirken. Den Menschen auf eine physische Einheit, auf einen sehr kurzen Zeitabschnitt oder auf einen begrenzten Bereich des Raumes zu beschränken (wie es die Materialisten tun), enthüllt eine völlige Fehleinschätzung und ein falsches Verständnis dessen, was uns ausmacht.

 

Die Waagen dieser Welt können weder den intellektuellen und spirituellen Wert der Propheten und deren Leistungen noch das Ausmaß der von Verbrechern wie Pharao, Nero, Hitler, Stalin und anderen verursachten Zerstörungen auswiegen. Auch das Gewicht des wahren Wertes eines aufrichtigen Glaubens und moralischer Qualitäten können sie nicht bemessen. Womit könnte man denn auch einen Märtyrer angemessen entschädigen, der alles, was er besitzt, um der Sache Gottes willen, für seine Mitmenschen oder für universelle menschliche Werte wie Gerechtigkeit und Wahrheitstreue opfert? Womit könnte man denn einen gläubigen Wissenschaftler bezahlen, dessen pflichtbewusste Forschung eine Erfindung hervorgebracht hat, aus der die ganze Menschheit bis zum letzten Tag Nutzen ziehen wird? Nur die Waagen der anderen Welt, die sogar auf das Gewicht eines Atoms an Gutem und auf das Gewicht eines Atoms an Schlechtem reagieren, sind dazu in der Lage.

 

Und Wir werden Waagen der Gerechtigkeit für den Tag der Auferstehung aufstellen, sodass keine Seele in irgendeiner Weise Unrecht erleiden wird. Und wäre es das Gewicht eines Senfkorns, Wir würden es hervorbringen. Und Wir genügen als Rechner. (21:47)

 

Selbst wenn es nichts anderes gäbe, was eine Wiederauferstehung erforderlich machen würde, würde allein die Erfordernis, dass die Taten der Menschen ausgewogen werden, ein unendlich gerechtes und sensibles Gleichgewicht hervorbringen.

 

Alle Handlungen Gottes dienen einem Zweck, manche auch mehreren Zwecken. Deshalb erfordert Seine universelle Weisheit die Wiederauferstehung. Wenn dies nicht so wäre, müssten wir uns u.a. mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Der Majestätische Eine manifestiert Seine Souveränität als Herrscher in der im Universum von den Atomen bis hin zu den Galaxien bestehenden Ordnung, Zweckgebundenheit, Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit. Wie könnte Er sich da gegenüber Gläubigen, die den Schutz Seiner Herrschaft und Souveränität suchen, die an Seine Weisheit und Gerechtigkeit glauben und Ihm gehorchen, indem sie ihn anbeten, nicht erkenntlich zeigen? Würde Er es zulassen, dass jene Unbesonnenen, die Seine Weisheit und Gerechtigkeit leugnen, sich gegen Ihn auflehnen und Ihn leugnen, ungeschoren davonkommen? Weil in dieser vergänglichen Welt kaum ein Tausendstel Seiner Weisheit und Gerechtigkeit gegenüber den Menschen etabliert ist, verlassen die meisten der Fehlgeleiteten diese Welt unbestraft; und die meisten der Rechtgeleiteten sterben, ohne belohnt worden zu sein. Die Gerechtigkeit Gottes ist notwendigerweise einem Obersten Gerichtshof übertragen worden, der jeden einzelnen Menschen belohnen oder bestrafen wird.

 

Natürlich wird der Eine, der unsere Welt beherrscht, unendlich weise urteilen. Man schaue sich doch nur einmal an, wie sich Nutzen und Vorzüge aller Dinge manifestieren. Jede Gliedmaße, jeder Knochen und jede Vene des Menschen, jede Gehirnzelle und jedes Zellteilchen dient vielen weisen Zwecken. Diese Tatsache bestätigt, dass alles in Übereinstimmung mit einer unendlichen Weisheit geplant und ausgeführt wird. Die absolute Ordnung, die der Gestaltung aller Dinge zu Grunde liegt, ist ein weiterer Beweis. Kurzum: Wir, die Menschen, wurden zu universellen Zwecken erschaffen. Dies unterstreicht auch der Koran:

 

„Glaubtet ihr denn, Wir hätten euch in Sinnlosigkeit erschaffen, und ihr würdet nicht zu Uns zurückgebracht?" Darum ist Allah, der Wahre König, hoch erhaben. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Herrn des Würdigen Throns. (23:115-116)

 

Der Mensch ist somit nicht aus bloßer Spielerei oder zum Scherz erschaffen worden. Das Grab, die ewige Nichtexistenz, ist nicht sein endgültiges Schicksal. Der Mensch ist für ein anderes, ewiges Leben erschaffen worden, das aus all seinen Handlungen für ihn bereitet wird - für eine Welt, die entweder voller ewiger Schönheiten und Segnungen oder voller Schlechtigkeiten und Niederträchtigkeiten stecken wird.

 

Die Barmherzigkeit und Großzügigkeit Gottes erfordert die Wiederauferstehung

 

Je bedürftiger und hilfloser ein Geschöpf ist, desto intensiver wird es gefördert. Der Mensch z.B. wird während der ersten Phasen seines Lebens, vor und unmittelbar nach seiner Geburt, in bester Weise versorgt. Wenn er dann zu einem Erwachsenen heranwächst und sich seiner persönlichen Stärke und Willenskraft bewusst wird, versucht er, oft unter großen Schwierigkeiten, seinen eigenen Lebensunterhalt und den seiner Familie zu sichern.

 

Tiere wie Wölfe und Füchse, die sich auf ihre Kraft und Schläue verlassen können, können sich trotz intensiver Bemühungen oft nur sehr dürftig ernähren, während Obstwürmer einen sehr einfachen Zugang zur besten Nahrung haben. Auch den Pflanzen, die nicht in der Lage sind, sich zu bewegen, wird ihre Nahrung zugeteilt, ohne dass sie sich bemühen müssten. All diese Beispiele und viele andere mehr zeigen ganz deutlich, dass ein absolut Barmherziges und Freigebiges Wesen alle Geschöpfe ernährt und am Leben erhält.

 

Gottes Barmherzigkeit und Seine Freigebigkeit sind ewig

 

Ein ewig existierender Gott manifestiert Sich in aller Ewigkeit und verlangt nach der Existenz ewig existierender Wesen. Seine ewige Barmherzigkeit und Freigebigkeit erfordern ewige Manifestationen und ewige Wesen, denen ewige Gunstbeweise zu Gute kommen. Unsere materielle Welt unterliegt jedoch der Vergänglichkeit, und Millionen von Lebewesen sterben Tag für Tag. Die Auslöschung so vieler Leben weist auf den endgültigen, allumfassenden Tod dieser Welt hin.

 

Weder diese materielle Welt noch die Lebewesen, die in ihrem Bemühen, sich am Leben zu erhalten, einer großen Anzahl von widrigen Umständen und Schwierigkeiten ausgesetzt sind, können die vollständige Manifestation der Namen und Attribute Gottes empfangen. Wir Menschen beispielsweise sind nicht in der Lage, all unsere Begierden und Gelüste zu befriedigen. Eigenschaften wie Jugend, Schönheit und Stärke, in die wir unsere Hoffnungen setzen, verlassen uns, ohne uns Lebewohl zu sagen, und fügen uns Leid zu. Schon wenn wir nur eine einzige Traube auf den Tisch bekommen möchten, müssen wir große Anstrengungen unternehmen. Würde es nicht einer Beleidigung und Verhöhnung gleichkommen, wenn unsere ewige Ernährung eingestellt würde, nachdem wir sie doch schon geschmeckt haben? Wahre Gunstbeweis sind immer verfügbar. Ohne ein ewiges Leben, in dem wir uns all unsere Wünsche ewig erfüllen können, verwandeln sich aber alle Wohltaten und Gunstbeweise, die Gott, der Allmächtige, uns in dieser Welt gewährt, in Schmerzen und Sorgen. Nachdem Gott diese Welt völlig zerstört hat, wird er sie deshalb in eine ewige Welt verwandeln, die in der Lage sein wird, die Manifestationen Seiner Barmherzigkeit und Freigebigkeit uneingeschränkt zu empfangen. Er wird sie in eine Welt verwandeln, in der wir uns all unsere Wünsche in alle Ewigkeit erfüllen können.

 

Die Barmherzigkeit und die Fürsorge Gottes erfordern die Wiederauferstehung

 

Die Barmherzigkeit und die Fürsorge Gottes heilen Wunden, gekränkte Herzen und verletzte Gefühle. Sie sind es, die einen Patienten gesund werden lassen, die die Leiden des Abschieds stoppen und Schmerzen und Sorgen in Freude und Heiterkeit verwandeln. Sie kommen Menschen und Tieren in allen Lebensabschnitten und insbesondere vor und nach der Geburt zu Hilfe. Die Mutterleibe der Tiere und Menschen sind behütete Aufenthaltsorte, in denen die jungen Geschöpfe ernährt werden, ohne dass sie selbst zu ihrem Lebensunterhalt beitragen müssten. Nach der Geburt stellen die Barmherzigkeit und die Fürsorge Gottes diesen jungen Geschöpfen mit der Muttermilch die beste Nahrung und die fürsorglichen Gefühle ihrer Eltern bereit. All diese Dinge sind eine einzige Manifestation der Barmherzigkeit und der Fürsorge Gottes.

 

Die Barmherzigkeit und die Fürsorge Gottes umfassen zwar das ganze Universum, aber in der Welt begegnen wir Wunden und verletzten Gefühlen, unheilbaren Krankheiten, Hunger, Durst und Armut. Warum? Die Antwort liegt auch hier in der Tatsache begründet, dass diese materielle Welt nicht in der Lage ist, alle Manifestationen der Barmherzigkeit und der Fürsorge Gottes zu empfangen. Unser Unvermögen, unsere Ungerechtigkeit gegenüber unseren Mitmenschen und unser Missbrauch unserer angeborenen Fähigkeiten treten zwischen uns und die Manifestationen der Barmherzigkeit und der Fürsorge Gottes. Vor allem aber müssen alle Lebewesen sterben; und unsere Trauer angesichts dieser Realität lässt sich nur mit dem Glauben an eine andere, ewige Welt überwinden.

 

Als der Gesandte Gottes einmal in der Moschee saß, wurden einige Kriegsgefangene zu ihm gebracht. Eine Frau, die in großer Sorge nach jemandem suchte, zog die Aufmerksamkeit des Propheten auf sich. Jeden Jungen, den sie sah, drückte sie an ihre Brust und ließ ihn dann wieder los. Als sie ihren Sohn schließlich fand, umarmte sie ihn, drückte auch ihn an ihre Brust und liebkoste ihn liebevoll. Da brach der Gesandte in Tränen aus. Er zeigte auf die Frau und fragte seine Gefährten:

 

Seht ihr die Frau? Wirft sie das Kind in ihren Armen in die Hölle? „Nein", antworteten die Gefährten, und der Gesandte fuhr fort: Gott ist noch mitfühlender als diese Frau. Er wirft Seine Diener nicht in die Hölle [es sei denn, die Diener verdienten es absolut nicht anders].[1]

 

Die Barmherzigkeit und die Fürsorge Gottes werden sich in der kommenden Welt in vollem Umfang manifestieren; denn in jener Welt gibt es keine Vermittlung, keine Trauer und keinen Schmerz.

 

Die Gerechtigkeit und die Ehre Gottes erfordern die Wiederauferstehung

 

Gottes Namen und Attribute sind absolut und ewig. Weil Gott Selbst absolut und ewig barmherzig, mitleidig und vergebend ist, ist Er auch absolut und ewig mächtig, gerecht und würdevoll. Obwohl Seine Barmherzigkeit alle Dinge umfasst (7:156) und, wie in einem Hadith berichtet wird, Seinen Zorn übersteigt, begehen einige Menschen so schwere Verbrechen und Sünden (sie glauben z.B. nicht an Gott und gesellen Ihm Partner bei), dass sie eine ewige Bestrafung verdienen. Trotz der klaren Aussage Gottes, dass jeder, der einen Menschen zu Unrecht tötet, so bewertet wird, als hätte er die ganze Menschheit getötet (siehe Koran, 5:32), werden gerade in der Welt von heute, in der das Recht des Stärkeren gilt, fast täglich Tausende unschuldiger Menschen getötet. Viele andere werden ungerecht behandelt und ihrer grundlegenden Menschenrechte beraubt. Was aber noch viel schlimmer ist: Viele der schlimmsten Sünden und Ungerechtigkeiten bleiben ungesühnt.

 

Der Tod macht keinen Unterschied zwischen Unterdrückten und Unterdrückern, Unschuldigen und Verbrechern oder vorbildlichen Menschen und Sündern. Das heißt, dass geringere Vergehen noch in dieser Welt geahndet werden, oder auch nicht. Größere Verbrechen hingegen werden vor dem Obersten Gerichtshof im Jenseits verhandelt, an dem Gott absolute Gerechtigkeit walten lassen wird.

 

Eines Tages werden diejenigen, die sich Gott gegenüber als dankbar erwiesen haben, mit Worten wie diesen willkommen geheißen werden:

 

Esst und trinkt und lasst es euch wohl bekommen für das, was ihr in den vergangenen Tagen gewirkt habt! (69:24)

 

Friede sei auf euch! Seid glücklich und geht dort ein und weilt auf ewig darin! (39:73)

 

An diesem Ort hat Gott Dinge für uns bereitet, die wir uns nicht einmal ansatzweise vorstellen können:

 

Allah hat für sie Dinge vorbereitet, die noch kein Auge zuvor gesehen hat, von denen noch kein Ohr gehört hat, und von denen kein Verstand eine Vorstellung hat.[2]

 

Diejenigen aber, die diese Welt mit dem Blut, das sie vergossen, und mit den Sünden und Verbrechen, die sie begingen, befleckt haben, werden mit folgendem Schrei in die Hölle geworfen werden:

 

Geht denn ein durch die Pforten der Hölle, und bleibt darin auf ewig! Und übel ist die Wohnstatt der Hochmütigen. (39:72)

 

Die Gnade und die Großzügigkeit Gottes erfordern die Wiederauferstehung

 

Ein frommer Mensch fragte den Abbasidenkalifen Harun Ar-Raschid einmal: „Wenn du unbedingt ein Glas Wasser bräuchtest, gäbest du dafür dein Königreich her?" „Ja, das täte ich", antwortete Harun. „Wenn du es nicht aus deiner Tasche bezahlen könntest, gäbest du auch dann dein Königreich her, um es bezahlen zu können?" „Ja, das täte ich", antwortete Harun erneut. Der fromme Mensch zog hieraus den Schluss: „Dann bestehen dein ganzer Reichtum und dein ganzes Königreich aus einem einzigen Glas Wasser."

 

Mit nahezu allem, was wir benötigen, werden wir versorgt, ohne eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Je dringender wir auf etwas angewiesen sind, desto reichlicher und billiger ist es in der Natur vorhanden. Am wichtigsten für uns ist die Luft, die es gratis gibt. An zweiter Stelle folgt das Wasser, das es ebenfalls fast umsonst gibt. Gott sendet uns beide Elemente aus dem Schatz Seiner unendlichen Barmherzigkeit, ohne dass wir unsererseits einen Beitrag hierzu leisten müssten. Auch Wärme und Licht benötigen wir dringend, und erhalten sie - gleichermaßen unentgeltlich - von der Sonne. Was die weiteren Gunstbeweise Gottes betrifft, so sind sie äußerst preiswert. Und trotzdem fordern wir immer noch weitere Wunder, um an Gott glauben zu können. Was auch immer wir tun, um uns diese Gunstbeweise zu beschaffen, ist mit einem nur sehr geringen Aufwand verbunden. Und dennoch: Würden uns all diese Wohltaten oder Segnungen nur vorübergehend und in unvollkommener Art und Weise gewährt, würde die Furcht vor dem Tod sie in Gift verwandeln.

 

Weil Gott aber ewig ist, wird Er uns ewig versorgen und uns unvergängliche, immer erhabenere Formen von Gunstbeweisen bescheren, ohne dass wir dafür aufzukommen hätten. Und weil diese Gunstbeweise unvergänglich sind, wird auch unsere Furcht vor dem Tod sie nicht in Quellen des Leides verwandeln. Für die Gläubigen ist der Tod ein Transfer von einer Welt in die andere, eine Entlassung aus weltlichen Verpflichtungen, eine Einladung an den ewigen Aufenthaltsort, den Er uns bereitet hat, und ein Reisepass, der uns berechtigt, zu diesem Aufenthaltsort aufzubrechen.

 

Die Schönheit Gottes verlangt die Wiederauferstehung

 

Wenn wir einmal dem Gesang der Vögel an einem Frühlingsmorgen oder dem Rauschen eines Baches, der durch grüne Felder oder tiefe Täler fließt, lauschen und die Schönheit der unglaublich grünen Ebenen und der blühenden Bäume oder auch das Schauspiel von Sonnenauf- und Sonnenuntergang oder des Vollmondes in einer wolkenlosen, klaren Nacht betrachten, dann sollte uns etwas klar werden: Dies alles und viele weitere Phänomene, die Gott unseren Sinnen präsentiert, sind nicht mehr als ein einziger Schimmer der absoluten und ewigen Schönheit Gottes, die durch viele Schleier hindurch manifestiert wird. Wenn wir uns Manifestationen Seiner Schönheit wie diese, durch die Gott Sich uns bekannt macht, vor Augen führen, kommen wir zwangsläufig ins Schwärmen.

 

Gunstbeweise, die vergänglich sind, hinterlassen, sobald sie verschwinden, in unseren Herzen unerträgliche Schmerzen. Käme der Frühling im nächsten Jahr nicht wieder, würden wir bis zu unserem Tod darüber trauern. Ein wahrer Gunstbeweis muss also notwendigerweise ewig sein. Gott, der ewig Schöne Eine, präsentiert uns in dieser Welt nur die Schatten Seiner Schönheit, um in uns die Sehnsucht nach ihren ewigen und vollkommenen Manifestationen zu wecken. Und was noch wichtiger ist: Er wird uns gestatten, Ihn im Paradies ohne irgendwelche qualitativen und quantitativen Beschränkungen zu betrachten.

 

An jenem Tage wird es strahlende Gesichter geben, die zu ihrem Herrn schauen. (75:22-23)

 

Die Beziehung zwischen den Dingen und den Menschen deutet auf die Wiederauferstehung hin

 

Der Mensch und seine Umwelt sind untrennbar miteinander verknüpft. Wir werden in eine freundliche Welt hineingeboren und mit den erforderlichen Sinnen ausgestattet. Wir verfügen über Gefühle wie Anteilnahme, Mitleid, Fürsorge und Liebe, weil es in dieser Welt so viele Dinge gibt, die man lieben, um die man sich sorgen und für die man Mitleid empfinden kann. Wir verspüren Hunger und Durst, Kälte und Hitze. Glücklicherweise können diese Bedürfnisse und Empfindungen entweder mit dem, was schon vor unserer Geburt vorbereitet wurde, oder mit Hilfe geringer Anstrengungen unsererseits gestillt werden.

 

Als Beispiel soll mir ein Apfel dienen. Seine Farbe und seine Schönheit gefallen unseren Augen und sprechen unseren Sinn für Schönheit an. Mit seinem Geschmack wendet er sich an unseren Geschmackssinn, und mit seinen Vitaminen nährt er unseren Körper. Besäße er ein hässliches Äußeres und keinen angenehmen Geschmack, würden wir uns vielleicht weigern, ihn zu essen, und uns damit seiner für uns so wertvollen Nährstoffe berauben.

 

Dieses und viele weitere Beispiele aus der Natur beweisen klar und deutlich, dass Jemand sowohl den Menschen erschaffen als auch eine Welt für ihn vorbereitet hat. Gott kennt den Menschen mit all seinen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Eigenschaften genauso gut, wie Er die Natur bis hin zu ihren winzigsten Bausteinen kennt.

 

Ein weiteres Beispiel: Die Fortpflanzung hängt von gegenseitiger Liebe und Anziehung zwischen den Geschlechtern ab. Hätte Gott, der Eine, Männern und Frauen diese Liebe und Anziehung nicht gewährt, hätte Er ihnen nicht erlaubt, beim Prozess der Fortpflanzung Freude zu empfinden, und hätte Er keine starke Liebe und Sorge um unsere Nachkommen in uns verwurzelt, dann hätten wir uns niemals fortgepflanzt. Adam und Eva wären dann wohl die ersten und einzigen Mitglieder der Spezies Mensch geblieben.

 

Der Tod bereitet allen Freuden ein Ende und lässt alles so zurück, als habe es nie existiert. Ohne die Wiederauferstehung wäre dieses Leben lediglich ein bedeutungsloses Spielzeug, das nichts als Leid und Schmerzen produziert. In Wirklichkeitjedoch ist diese Welt eine schemenhafte Miniatur der anderen, ewigen Welt. Die Wohltaten, die Gott uns hier bewilligt, sind nur Muster ihrer ewigen und weitaus anspruchsvolleren Formen in der ewigen Welt. Gott gewährt sie uns und legt uns gleichzeitig nahe, so zu handeln, dass wir sie uns auch verdienen. Im Koran heißt es:

 

Und verkünde die frohe Botschaft denjenigen, die glauben und Gutes tun, auf dass ihnen Gärten zuteil werden, in deren Niederungen Bäche fließen; und sooft sie eine Frucht daraus bekommen, sagen sie: „Das ist doch das, was wir schon früher zu essen bekamen." Doch ihnen wird nur Ähnliches gegeben. Und ihnen gehören darin Gattinnen vollkommener Reinheit und sie werden ewig darin bleiben. (2:25)

 

Alle Freuden und Schönheiten, alle Belohnungen und alles Glück in dieser Welt weisen auf ihre vollkommenen und ewigen Gegenstücke im Paradies hin, während Schmerzen, Strafen, Hässlichkeit und Unglück auf ihre Gegenstücke in der Hölle hinweisen. Gott möchte die Trümmer, die von dieser Welt nach ihrer Zerstörung übrig bleiben, nutzen, um auf ihnen die andere Welt zu errichten. Von daher deuten die Wechselbeziehungen zwischen den Dingen in dieser Welt und zwischen dieser und der anderen Welt auf die Wiederauferstehung hin.

 

Protokollierung und Archivierung sprechen für die Wiederauferstehung

 

Es gibt absolut nichts, was vollständig aus dieser Welt verschwände. Wenn doch jedes einzelne Wort und jede einzelne Handlung des Menschen auf Bändern aufgezeichnet und archiviert werden kann, warum können wir dann akzeptieren, dass Gott die Worte und Taten der Menschheit auf irgendeine, uns bis jetzt noch nicht bekannte Weise aufzeichnet? Fortschritte in Wissenschaft und Technik erbringen jeden Tag neue Beweise für die Existenz und die Einheit Gottes und bekräftigen, genauso wie der Ursprung des Koran bei Gott die Wahrheit der islamischen Glaubensgrundsätze. Der Koran hat schon vor Jahrhunderten erklärt:

 

Wir werden sie Unsere Zeichen überall auf Erden und an ihnen selbst sehen lassen, damit ihnen deutlich wird, dass es die Wahrheit ist. Genügt es denn nicht, dass dein Herr Zeuge aller Dinge ist? (41:53)

 

Wenn die Menschen aufrichtig nach der Wahrheit suchen und sich nicht von Vorurteilen, Unwissenheit, weltlichen Ambitionen und Gelüsten blenden lassen, dann manifestiert jeder neue Fortschritt die Wahrheit des Koran. Wir erkennen, dass Gott alles in so kleine Einheiten wie Samenkörner einhüllt. Der Mensch z.B. ist in einen Samen bzw. in dessen 46 Chromosomen eingewickelt. Hätten wir 44 oder 48 Chromosomen, wären wir ganz andere Wesen. Wenn wir sterben und in der Erde dahinschwinden, wird unser wesentlicher Teil, wie bereits erwähnt, erhalten bleiben; denn Gott wird uns am Tage der Wiederauferstehung aus diesem Teil neu zusammensetzen. Gott bewahrt alles und erlaubt nicht, dass irgendetwas für immer verschwindet. Auch eine Pflanze, die im Herbst oder Winter verwelkt, lebt in unzähligen Erinnerungen und in ihren Samenkörnern weiter, die sie im folgenden Frühling in nahezu identischer Form zurückbringen werden.

 

Gott bewahrt aber nicht nur Dinge in Samenkörnern, sondern auch Geräusche, Stimmen und Erscheinungsformen und Bilder auf ‚Bändern' oder anderen Medien, um sie in der anderen Welt zur Schau zu stellen. Eines Tages werden diese Töne und Bilder freigegeben werden.

 

Irgendwann einmal habe ich von einem Experiment gelesen, das von einem Wissenschaftler mit dem Ziel durchgeführt wurde, einen Mörder zu finden. Die Verdächtigten wurden einer nach dem anderen zu dem Baum gebracht, unter dem das Verbrechen begangen worden war. Der Baum zeigte keinerlei Auffälligkeiten, bis der Mörder in seine Nähe gebracht wurde. Dann jedoch ließ sich eine Reaktion feststellen. Auf irgendeine Weise hatte der Baum Stimme, Verhalten oder Gesten des Mörders während des Verbrechens aufgezeichnet. Gott wickelt den Menschen in einen Samen, die Pflanze in ein Samenkorn und die Henne in ein Ei; und indem Er uns in die Lage versetzt, Töne und Bilder zu speichern, zeigt Er uns, dass Er Selbst alles aufzeichnet. Würde Er also ausgerechnet den Menschen, das edelste und vollkommenste Wesen der Schöpfung seinen beschränkten Mitteln überlassen und Seine Aufzeichnungen einfach verschwinden lassen? Natürlich nicht. Er wird uns in einer anderen, ewigen Welt zu neuem Leben erwecken.

 

Die Macht Gottes beweist die Wiederauferstehung

 

Stellen wir uns einmal ein Atom vor. Seine Konstruktion und seine Verbindungen zu anderen Atomen sind erstaunliche Wunder. Die Erschaffung eines Sonnensystems und die eines Atoms (die ja beide über Körper verfügen, die sie umkreisen), die Abstimmung ihrer Bewegungen und das Knüpfen von Verbindungen untereinander fallen Gott gleichermaßen leicht. Zellen ähneln unabhängigen Regierungen: Sie sind in Bezirke unterteilt, die Beziehungen zu anderen Bezirken unterhalten und von einem Zentrum kontrolliert werden. Außerdem verfügen sie auch über Finanzministerien, die ihre Einnahmen und Ausgaben verwalten. Fast hat es den Anschein, als sei jede einzelne Zelle genauso intelligent wie der intelligenteste Mensch auf Erden. Darüber hinaus bestehen sehr enge und substanzielle Beziehungen zwischen den Zellen, die alle von ein und demselben Zentrum regiert werden - dem Gehirn.

 

Dies sind nur einige wenige Beispiele, die die Macht des Schöpfers verdeutlichen. Ihm fällt nichts schwer; die Erschaffung und Verwaltung des Universums stellt Ihn ebenso wenig vor Probleme wie die Erschaffung und Verwaltung eines Atoms. Auch wenn die gesamte Menschheit Hand in Hand arbeiten würde - sie würde nicht ein einziges Atom zu Stande bringen. Wenn also der Allmächtige Eine sagt, dass Er das Universum zerstören und in anderer Form wieder aufbauen wird, dann wird Er das auch tun. Weil Gott niemals lügen würde und ohne jeden Makel ist, dürfen wir Seinem Versprechen vertrauen. Im Koran heißt es:

 

Wahrlich, der Tag der Entscheidung ist ein fester Termin an jenem Tag, da in den Sur gestoßen wird und ihr in Scharen kommt. (78:17-18)

 

Tod und Wiederbelebung weisen auf die Wiederauferstehung hin

 

Alljährlich wiederholt sich der Zyklus von Tod und Wiederbelebung. Im Winter bedeckt ein weißes ‚Totenhemd' die Erde, deren Lebenszyklus bereits im Herbst endet. Schon in jener Jahreszeit wird die Natur blass und weist immer weniger Spuren von Leben auf. Das Laub ist gefallen, die Bäume sind leblos wie harte Knochen. Das Gras ist verrottet, Blumen sind verwelkt, Zugvögel abgeflogen, und Insekten und Reptilien sind verschwunden.

 

Der Winter dauert jedoch nicht ewig. Ihm folgt überall auf der Erde eine Wiederbelebung. Sobald es wärmer wird, schlagen die Bäume aus und präsentieren sich in all ihrer Pracht dem Ewigen Zeugen. Der Erdboden springt auf, und allerorten beginnen Blumen und Gras zu sprießen. Samenkörner, die im vergangenen Herbst auf den Boden gefallen sind, sind gekeimt. Nachdem sie sich selbst zerstört haben, brechen sie nun wieder hervor und verwandeln sich in neue Lebensformen. Die Zugvögel kehren zurück, und die Erde wimmelt von zahllosen Insekten und Reptilien. Mit anderen Worten: Die Natur zeigt sich uns mit all ihrem Glanz und in all ihrer Pracht.

 

Widmen wir uns an dieser Stelle einmal dem Phänomen der Fotosynthese: Die Blätter der Bäume sind Lungen, die im Sonnenlicht Kohlendioxid in Kohlenstoff und Sauerstoff zerlegen, indem sie Sauerstoff abgeben und Kohlenstoff zurückbehalten. Diesen Kohlenstoff wiederum verbinden die Bäume mit dem Wasserstoff des Wassers, den ihre Wurzeln aus dem Erdboden ziehen. Aus dieser ‚magischen' Chemie lässt Gott Zucker, Zellstoff, zahlreiche Chemikalien, Früchte und Blumen entstehen (die sich in Geruch, Geschmack, Farbe und Aussehen voneinander unterscheiden). Dasselbe Kohlendioxid und dasselbe Wasser tragen zum Wachstum unzähliger Arten von Früchten mit unverwechselbarem Geschmack bei. Wie einfach dieser Prozess auch aussehen mag: Würden alle Menschen daran arbeiten, nur eine einzige Frucht, beispielsweise einen Apfel oder eine Kirsche, hervorzubringen - sie wären dazu nicht in der Lage.

 

Das Atmen kostet die Bäume sehr viel Energie, doch dafür bringt es ihnen einen umso höheren Nutzen. Nachts kehrt sich der Prozess um: Der Baum nimmt dann Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab.

 

Vergegenwärtigen wir uns nun noch einmal, welche wohl proportionierten Resultate diese unbewussten Aktivitäten erbringen. Und dann fragen wir uns, ob etwas, das so unwissend ist, das sich seiner eigenen Existenz so unbewusst ist und das über keinerlei Entscheidungskraft verfügt, dazu in der Lage wäre, so komplexe Dinge zu leisten, die doch augenscheinlich ein alles umfassendes Wissen, unbegrenzte Macht und verantwortungsvolle Entscheidungen erfordern. Eine Instanz, die Bäumen so bedeutende Zwecke zuweist und sie so viele gut durchdachte Resultate erbringen lässt, wird die Früchte des Schöpfungsbaumes - die Menschen - sicherlich nicht sich selbst überlassen und zu ewiger Vernichtung verdammen. Es wäre doch unlogisch, wenn Gott uns mit bestimmten Absichten erschaffen hätte und uns dann im Erdboden verrotten ließe. Er bewahrt Früchte sowohl in Erinnerungen als auch in ihren eigenen Samenkörnern und lässt Lebewesen, die ihnen ähnlich sind, im folgenden Sommer ins Leben zurückkehren, nachdem Er sie selbst im Körper eines Tieres oder eines Menschen auf eine höhere Lebensebene erhoben hat. Von daher wird Er auch den Menschen nach der totalen Zerstörung dieser Welt in einer anderen Welt auf eine höhere Lebensstufe heben.

 

Gott hat die Welt und den Menschen erschaffen, als noch absolut nichts existierte. Er hat die Bausteine unserer Körper aus Erde, Luft und Wasser zusammengesetzt und aus ihnen bewusste und intelligente Wesen geformt. Ist denn daran zu zweifeln, dass der Konstrukteur einer Maschine seine Maschine auseinander- und wieder zusammenbauen kann oder dass der Befehlshaber einer Armee seine in alle Himmelsrichtungen versprengten Soldaten mit einem Trompetensignal wieder zusammenrufen kann?

 

Auf ähnliche Weise wird Gott, der Allmächtige, unsere Atome, die sich mit der Erde vermischt haben, wieder zusammenführen und ihnen eine höhere und ewige Lebensform verleihen:

 

Sprich: „Zieht auf Erden umher und schaut, wie Er das erste Mal die Schöpfung hervorbrachte. Sodann ruft Allah die zweite Schöpfung hervor." Wahrlich, Allah hat Macht über alle Dinge. (29:20)

 

Schau dann auf die Spuren von Allahs Barmherzigkeit, wie Er die Erde nach ihrem Tode belebt. Wahrlich, Derselbe wird auch die Toten erwecken; denn Er hat Macht über alle Dinge. (30:50)

 

Viele weitere Phänomene im Universum weisen auf die Wiederauferstehung hin

 

Selbst den am unbedeutendsten erscheinenden Dingen auf Erden wird große Fürsorge entgegengebracht; außerdem werden ihnen zahlreiche Zwecke zugeordnet. Zellulose zum Beispiel ist das organische Gewebe, das die wesentlichen Bestandteile aller Pflanzen und Bäume formt. Ihre Elastizität erlaubt Pflanzen, sich zu neigen, und schützt sie davor zu zerbrechen. Darüber hinaus spielt sie bei der Herstellung von Papier eine wichtige Rolle.

 

Zellulose ist schwer verdaulich. Nur Enzyme, die von Wiederkäuern abgesondert werden, können sie auflösen. Andererseits unterstützt Zellulose aber die Ausscheidung, denn sie beschleunigt die Tätigkeit des Darms und beugt Verstopfung vor. Wiederkäuer sind wie Fabriken, die zellulosehaltige Substanzen in nützliche Materie verwandeln. Die Exkremente dieser Tiere finden als Dung Verwendung, denn unzählige Bakterien im Erdboden zehren von ihnen. Dieser Prozess erhöht die Produktivität des Bodens und befreit ihn von übel riechenden Substanzen.

 

Ohne Bakterien im Boden könnten Lebewesen nicht überleben. Ein Beispiel: Würden all die Fliegen, die im Frühjahr das Licht der Welt erblicken, nicht im Erdboden verschwinden, würden sie eine dicke Schicht bilden, die den ganzen Planeten bedecken würde. Durch die Manifestation Seines Namens ‚der Reinigende' setzt Gott, der Allmächtige, Bakterien zur Säuberung der Erde ein. Haben wir uns eigentlich jemals gefragt, warum die Wälder so sauber sind, obwohl Tag für Tag viele Tiere in ihnen sterben? Sie sind deshalb so sauber, weil Fleisch fressende Tiere und Bakterien verendete Tiere auffressen und den Erdboden von ihnen reinigen. Um es zusammenzufassen: Würde Gott, der selbst den am unbedeutendsten erscheinenden Geschöpfen erlaubt, erhabenen Zwecken zu dienen, es zulassen, dass wir Menschen in der Erde verfaulen, und so unsere Existenz zu äußerster Zwecklosigkeit verdammen?

 

Verheilte Wunden sprechen für die Widerstandsfähigkeit des Körpers. Früchte rufen uns die Bäume, an denen sie wuchsen, ins Gedächtnis. Fußspuren deuten auf jemanden hin, der vorbeigegangen ist, und tropfendes Wasser auf eine Quelle. Gleichsam sind unser Gefühl für die Ewigkeit und unser Streben nach ihr Zeichen des Ewigen Einen und einer ewig währenden Welt.

 

Diese Welt und alles, was zu ihr gehört, kann uns niemals zufrieden stellen. Wir sprudeln über vor erhabenen, feinen Gefühlen und streben nach hehren Idealen, die unmöglich in der Materie und in der materiellen Welt ihren Ursprung haben können. Vielmehr sind sie Reflexionen der immateriellen Dimensionen des Seins.

 

Philosophen, insbesondere die muslimischen, bezeichnen das Universum als einen Makromenschen und den Menschen als einen Normo- oder Mikrokosmos. Genau wie wir Menschen ist auch das Universum eine komplette Einheit, deren Einzelteile in Wechselbeziehung zueinander stehen. Wer weiß, ob es nicht einen Engel gibt, der mit der Aufgabe betraut wurde, das Universum zu repräsentieren, einen Engel, der als Geist des Universums fungiert. Auch das Universum ist verletzlich, und in seinen entlegensten Winkeln bilden sich, wie Einstein es formuliert, neue Körper. Auch das Universum hat, genau wie wir, einen Todeszeitpunkt, der ihm bestimmt ist.

 

Wir wissen nur wenig über die Schöpfung. Aber je mehr Wissen wir uns aneignen, desto mehr wächst paradoxerweise unsere Unkenntnis. Die Schöpfung befindet sich in einem permanenten Fluss, und wir tun kaum mehr, als sie zu beobachten. Der Prophet Muhammad, der letzte Gesandte Gottes, pflegte zu beten: O Gott, zeige mir die Realität der Dinge!

 

Alles im Universum hat einen Sinn. Das Ökosystem des Universums ist derart komplex, und seine Bestandteile sind so ineinander verwoben, dass der Verlust oder die Entfernung eines einzigen dieser Teile bereits die Zerstörung des Universums nach sich ziehen könnte. Um diese Realität zum Ausdruck zu bringen, erklärte der Gesandte Gottes: Würden Hunde nicht ebenso wie ihr eine Gemeinschaft bilden, würde ich euch befehlen, sie zu töten![3] Würden wir die Bakterien eines Baums abtöten, könnten wir keine Früchte ernten. Jede Spezies und sogar jeder Gegenstand hat in der Struktur des Universums seinen eigenen wichtigen Stellenwert. Ein so prachtvolles Universum kann nicht sinnlos sein. Es folgt einer flexiblen Zeitlinie. Sekunden zeigen auf Minuten, Minuten auf Stunden und Stunden auf das Ende des Tages und den Beginn des nächsten Tages. Tage deuten auf Wochen, Wochen auf Monate, Monate auf Jahre und Jahre auf das Ende unseres Lebens. Alle Sphären und Dimensionen der Schöpfung haben ihre eigenen Tage und ihre eigenen Lebensspannen, die irgendwann enden.

 

Auch die Zeit ist Zyklen unterworfen. Ein Wissenschaftler hat beispielsweise nachgewiesen, dass es alle sieben Jahre ein außergewöhnlich gutes Getreidejahr und alle vierzehn Jahre ein außergewöhnlich gutes Fischjahr gibt. Der Koran trägt dieser Tatsache in der Sure Yusuf Rechnung. Das ‚Leben' der Schöpfung folgt bestimmten Zyklen, so auch das irdische Leben und das des Grabes. Das Leben nach dem Tod, der letzte Zyklus, wiederum verfügt über viele eigene Zyklen. Der Koran bezeichnet sie als Tage, denn Tage sind die kürzesten Einheiten eines Zeitzyklus. Ein Tag entspricht dem ganzen Leben der Schöpfung. Die Spanne eines Tages erinnert uns an die Einteilungen dieser Welt von Morgendämmerung, Vormittag, Mittag, Nachmittag und Abend, die mit Zeitabschnitten unseres Lebens korrespondieren: mit der Geburt, der Kindheit, der Jugend, dem hohen Alter und dem Tod. Die Nacht wiederum ähnelt der Zwischenwelt des Grabes und dem auf sie folgenden Morgen, der Wiederauferstehung.

 

So gut wie alle Völker glaubten an die Wiederauferstehung

 

Selbst die Pharaonen des antiken Ägyptens, die für sich in Anspruch nahmen, Götter zu sein, glaubten an die Wiederauferstehung und wünschten, mit ihren wertvollsten Schätzen und Sklaven begraben zu werden. Auf den Inschriften, die man in ihren Gräbern fand, lesen wir:

 

„Nach ihrem Tod werden die Sünder hässliche Formen annehmen und bis in alle Ewigkeit unter der Erde bleiben; die reinen Seelen hingegen werden in die Gesellschaft der Engel eingehen und unter den Erhabenen weilen."

 

Auf Schriftstücken, die zusammen mit den Toten begraben wurden, finden wir auch Bittgesuche wie das folgende:

 

„Gegrüßt seist Du, o Du Erhabenes göttliches Wesen! Ich bin in Deine Gegenwart getreten, um Dein unendlich schönes Gesicht zu betrachten. Bitte gewähre mir diesen Anblick! Ich habe niemandem Unrecht getan und niemanden betrogen. Ich habe niemanden zum Weinen gebracht und niemanden umgebracht. Auch habe ich niemanden unterdrückt. Ich bin hier in Deiner Gegenwart, um Dir meine Situation zu schildern. Ich wünsche mir nichts anderes, als Dein Gesicht zu schauen."

 

Wenn wir die Gräber, Grabinschriften, Schriftstücke und Kunstwerke, die Verstorbenen mitgegeben wurden, erforschen, dann vernehmen wir in ihnen das Streben der Menschheit nach Ewigkeit, das in Form von Seufzern in der Vergangenheit widerhallt. Trotz aller Modifikationen und Verzerrungen, für die die Zeit im Laufe der Jahre gesorgt hat, lässt sich der Glaube an die Ewigkeit im antiken Indien, in China und in Griechenland ebenso leicht erkennen wie in einem Großteil der westlichen Philosophien.

 

So überliefert der muslimische Historiker und Theologe Schahristani zum Beispiel die Worte Zarathustras: „Der Mensch hat in der Welt Pflichten. Diejenigen, die ihren Pflichten zufrieden stellend nachkommen, werden geläutert werden und sich den Bewohnern der höheren Aufenthaltsorte anschließen. Die anderen, die bei der Erfüllung ihrer Pflichten versagen, werden jedoch dazu verdammt sein, bis in alle Ewigkeit unter der Erde zu bleiben."

 

Im Laufe der Geschichte hat es in Indien viele Religionen gegeben, obwohl es höchst wahrscheinlich ist, dass diese Religionen unterschiedliche verzerrte Versionen einer einzigen wahren Religion sind. Wie sehr sie auch entstellt wurden - so gut wie alle beinhalten das Prinzip des Glaubens an die Wiederauferstehung und an die Ewigkeit. In vielen dieser Religionen hat sich der Glaube an die Ewigkeit in einen Glauben an die Reinkarnation verwandelt. Buddha jedoch glaubte nicht an ewige Zyklen der Reinkarnation. Er ging vielmehr davon aus, dass die Seelen letzten Endes zum Absoluten Wesen zurückkehren und ewigen Frieden und ewige Zufriedenheit finden werden. Die Seelen, die in andere Körper schlüpfen, sind ihm zufolge böse und unterziehen sich dieser Prozedur, um in ihr geläutert zu werden. Wenn ihnen diese Läuterung gelungen ist, kehren auch sie zum Absoluten Wesen zurück und finden Frieden und Glückseligkeit.

 

Homer, ein griechischer Dichter der Antike, schrieb über die Zufluchtsorte der Seelen. Er war der Ansicht, dass die Seelen, die sich auf Erden in den Körpern manifestieren, an anderen Orten Zufluchtsorte haben. Der griechische Mathematiker Pythagoras glaubte an die Wiederauferstehung und erklärte, geläuterte Seelen würden sich den erhabenen Bewohnern höherer Welten anschließen, während die bösen Seelen auf der Erde gefangen bleiben sollten, die irgendwann einmal von den Flammen der Hölle umschlossen werde. Plato überlieferte uns viele Argumente, die Sokrates für die Wiederauferstehung und ein ewiges Leben vorbrachte. Einige Beispiele:

 

„Der Mensch sollte tugendhaft sein. Tugend erfordert Widerstand gegen sinnliche Begierden. Dieser wiederum ist für den Menschen mit einem Verlust verbunden, für den er mit einem ewigen, glücklichen Leben entschädigt wird."

 

„Die Welt ist eine Welt der Gegensätze. Licht und Dunkelheit, Frühling und Winter, Tag und Nacht folgen aufeinander. Der Tod folgt auf das Leben, also wird ein anderes Leben dem Tod folgen. Dieses zweite Leben aber wird ewig sein."[4]

 

„Jeder Mensch hat manchmal das Gefühl, etwas, das gerade mit ihm geschieht, nicht zum ersten Mal erlebt zu haben. Das liegt daran, dass wir dieses Leben, noch bevor wir auf die Welt kamen, schon einmal in einer anderen Welt, der Welt des Geistes, geführt haben. Unser Leben ist also das Ergebnis eines früheren Lebens und eine ‚Generalprobe' für ein anderes Leben, das noch kommt."

 

Wenngleich dieses letzte Argument höchst fragwürdig ist und obwohl es einer Reinkarnation des Menschen das Wort redet, beweist es eindeutig, dass Sokrates und sein Schüler Plato an ein Leben nach dem Tod glaubten.

 

Aristoteles schwächte den Idealismus seines Lehrers Plato durch die eine oder andere materialistische These ab. Aber auch er glaubte an die Existenz des Geistes und dessen Unsterblichkeit. Er sagte: „Der Mensch hat neben seinem materiellen Körper auch etwas Immaterielles an sich, das unsterblich ist."

 

Xenophanes und Heraklit zählen ebenfalls zu den griechischen Philosophen der Antike, die an ein Leben nach dem Tode glaubten. Xenophanes war der Auffassung, der Mensch besitze neben seinem Körper eine Seele, und diese Seele werde nach dem Tod des Menschen weiterleben. Zu den Prinzipien, die er verankerte, gehörte folgendes: Es kann nicht sein, dass der Schöpfer, der das Universum aus Liebe zum Menschen so wunderschön erschaffen und geschmückt hat, den Menschen nicht wieder zum Leben erwecken wird, nachdem Er ihn hat sterben lassen. Heraklit wiederum machte geltend: Am letzten Tage werden Sterne auf die Erde fallen und sie mit einem Feuerkreis umschließen. Böse Seelen müssen zur Strafe in jenem Feuer bleiben, während die lauteren Seelen dem Feuer entgehen und zu höheren Orten aufsteigen werden.

 

Mit Ausnahme einiger Materialisten wie Epikur und Demokrit glaubten die Philosophen der Antike im Westen wie auch im Osten an ein Leben nach dem Tode. Was die Rationalisten unter den westlichen Philosophen betrifft, die nach Ende des Mittelalters einer intellektuellen Aufklärung den Boden bereiteten, so waren auch die meisten von ihnen von der Wiederauferstehung und einem Leben nach dem Tode überzeugt. Descartes z.B. argumentierte sehr plausibel zu Gunsten der Unsterblichkeit der menschlichen Seele und widmete sich Fragen, die mit einem Leben nach dem Tode verbunden sind.

 

Auch Leibniz und Spinoza glaubten an eine Fortsetzung des Lebens. Leibniz ähnelte Plato insofern, als dass er dessen Idee der ‚Monaden' aufgriff (wonach die Monaden die immateriellen Komponenten der Lebewesen sind). Er behauptete, dass sich diese Monaden bis in alle Ewigkeit weiter entwickeln. Da eine solche Entwicklung in dieser Welt jedoch nicht möglich sei, weil die Zeit in ihr begrenzt ist, müsse es eine ewige Welt geben, in der die Monaden ihre unendliche Entwicklung realisieren könnten. Spinoza war ein Pantheist. Er glaubte an ein ewiges kollektives Leben der Geschöpfe.

 

Neben den bereits erwähnten Philosophen glaubten auch Pascal und Bergson an ein Leben nach dem Tode.

 

In der muslimischen Welt waren fast alle Philosophen vom ewigen Leben überzeugt. Zu den wenigen Skeptikern gehörte Abu-l-A'la al-Ma'arri, der ungläubig war. Dennoch unternahm er in seinem Werk Risalat al-Ghufran den Versuch, den Tag der Wiederauferstehung den Koranversen entsprechend zu beschreiben. Wahrscheinlich hat Dante seine Beschreibungen des Paradieses, der Hölle und des Fegefeuers den Schriften Ma'arris entlehnt.

 

Um es abschließend noch einmal zusammenzufassen: Mit Ausnahme einiger weniger Materialisten legt die lange Geschichte der Philosophie im Westen wie auch im Osten Zeugnis vom Glauben an die Wiederauferstehung und an ein Leben nach dem Tode ab.

 

 

--------------------------------------------------------------------------------

 

[1] Bukhari, Adab, 18; Muslim, Tauba, 22

 

[2] Bukhari, Tawhid, 35; Muslim, Dschanna, 2.3.4.5; At-Tirmidhi, Dschanna, 5

 

[3] Abu Dawud, Adahi, 22; At-Tirmidhi, Said, 16-17

 

[4] Weil diese Welt eine Arena der Prüfung für den Menschen ist, herrscht in ihr die Weisheit Gottes. Gott agiert hinter dem Schleier der Kausalität und der sogenannten ‚Naturgesetze'. Die Zyklen von Licht und Dunkelheit, Frühling und Winter, Tag und Nacht und andere sind somit wichtige Kennzeichen des irdischen Lebens. Das nächste Leben ist jedoch ein reines Leben; das heißt, in ihm wird alles belebt sein, in ihm wird die Macht Gottes uneingeschränkt herrschen und in ihm wird Gott auf Schleier verzichten. Als wesentliche Merkmale jener Welt werden dann ständige Erneuerung und immer größer werdende Schönheit und Freude an die Stelle der Zyklen treten. [Anm. d. Übers.]

 

Fethullah Gülen

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  • 1 Jahr später...

Beileidschreiben und eine Absage an den Terror

 

 

 

Terrorakte können, aus welchem Grund und zu welchem Zweck auch immer sie verübt werden, keinesfalls gutgeheißen werden. Terrorakte bedrohen heilige Werte wie das menschliche Leben und die Sicherheit der Gesellschaft. Sie sind primitive Akte, die durch keine Religion, Haltung oder Weltanschauung legitimiert werden können.

 

Der Religion zufolge ist das Leben ein elementarer Wert, der unbedingt geschützt werden muss. Deshalb dürfen Terrorakte weder in Unabhängigkeitskriegen noch bei der Durchsetzung religiöser Ziele zum Einsatz kommen. Ein Muslim ist ein Repräsentant des Friedens und der Sicherheit. Ein Muslim kann genauso wenig Terrorist werden, wie ein Terrorist Muslim werden kann.

 

In diesem Zusammenhang verurteile ich die beiden blutigen Anschläge auf die Moskauer U-Bahn auf das Schärfste, von wem auch immer sie begangen wurden. Außerdem möchte ich erneut meine Abscheu vor jeder Form des Terrors zum Ausdruck bringen.

 

Den Hinterbliebenen der Opfer des Terroranschlages, den Volksvertretern und der Bevölkerung der Russischen Föderation, die ja unsere geografischen Nachbarn sind, gilt mein aufrichtiges Beileid. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung und möchte ihnen versichern, dass ich ihr Leiden von ganzem Herzen teile.

 

M. Fethullah Gülen, Donnerstag, 01 April 2010

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  • 4 Monate später...
  • 11 Monate später...

Dhikr ist ein wichtiges Gebet und Thema.

 

Jedoch fehlen heute der Islamischen Lehre 2 Bedingungen um die Seelenreinigung (nefis tezkiyesi) mit dem Dhikr zu vollbringen:

 

1. der Wunsch den Geist (Ruh) zu Gott zu bekehren (Ruhun Allah´a hidayeti, ulasmasi; Seyri-Süluk)

2. die Bußgelübte (tövbe) vor einem Heiligen Lehrer (Veli Mürschid´e tabiyet)

 

1.Bedingung

(30)Römer-31:

Wendet euch Ihm, und werdet Besitzer des Takvas und verrichtet das Gebet und seid nicht unter den Götzendienern

 

Durch diese Zuwendung führt Gott unseren Geist zu sich:

 

(13)Donner-27:

Und jene, die ungläubig sind, sagen: «Warum ist kein Zeichen herabgesandt worden zu ihm von seinem Herrn?» Sprich: «Allah läßt zugrunde gehen, wen Er will, und leitet zu Sich die, welche sich Ihm zuwenden.

 

Die Sahaba haben diese Zuwendung vollbracht:

(39)Die Gruppen-17

Und diejenigen, die falsche Götter anzubeten scheuen und sich zu Allah wenden, für sie ist frohe Botschaft. Gib den, meinen Dienern, frohe Botschaft

 

2.Bedingung

O die ihr glaubt, werdet Besitzer des Takvas und verlangt nach dem Mittel (der euch zu Gott führt) und strebet auf Seinem Wege, auf daß ihr Erfolg habt.

 

Dieses Mittel ist ein Heiliger Lehrer.

 

Die Sahaba haben die Bußgelübte mit unserem Propheten, seine Hand haltend, zusammen ebenfalls vollbracht:

 

(48)der Sieg-10:

Die dir Treue schwören, schwören Allah die Treue; die Hand Allahs ist über ihren Händen. Wer daher den Eid bricht, bricht ihn zum Schaden seiner eignen Seele; wer aber das hält, wozu er sich gegen Allah verpflichtet hat, dem wird Er gewaltigen Lohn zuerkennen.

 

(60)Mümtehine-12:

O Prophet! wenn gläubige Frauen zu dir kommen und dir den Treueid leisten, daß sie Allah nichts zur Seite stellen werden und daß sie weder stehlen noch Ehebruch begehen noch ihre Kinder töten noch eine Verleumdung vorbringen werden, die sie selbst wissentlich ersonnen, noch dir ungehorsam sein werden in dem, was recht ist, dann nimm ihren Treueid an und bitte Allah um Vergebung für sie. Wahrlich, Allah ist allvergebend, barmherzig.

 

Das Ergebnis der Bußgelübte ist, dass die Sünden in gute Taten umgewandelt werden (magfiret). Also die verlorenen Punkte werden zu gewonnenen Punkten umgewandelt. Somit überragen die gewonnenen Punkte die verlorenen.

 

In der Sure die Frauen-64 wird nochmal die gemeinsame Bußgelübte erwähnt.

(4) die Frauen-64:

Und Wir entsandten nur darum einen Gesandten, daß ihm gehorcht würde nach Allahs Gebot. Und wären sie zu dir gekommen, die ihrer Seele (nefs) unrecht getan haben, und um die Verzeihung ihrer Sünden gefleht und hätte der Gesandte (auch) für sie um Verzeihung gebeten, sie hätten gewiß Allah mitleidsvoll vergebend, barmherzig gefunden.

 

Leider beinhaltet die Islamische Lehre diese Bedingungen nicht mehr. Allein mit den 5 Säulen kann leider niemand die Seelenreinigung vollbringen. Obwohl genau das, der Sinn der Religion ist; Sich zu verändern und zum vorbildlichem Mensch werden.

 

Durch das Dhikr (wiederholen des Namen "Allah") gelangt Gotteslicht ins dunkle, mit negativen Eigenschaften wie Hass, Wut, Eifersucht, Feindschaft...usw., gefüllte Seelenherz. Dieses dunkle Herz ist auch der Grund der Unglückseligkeit. Je mehr wir die tägliche Zeit, die wir mit Dhikr verbringen, erhöhen desto glücklicher werden wir bzw. die Liebe Gottes erhöht sich.

 

Das Dhikr kann jederzeit und überall mit der inneren Stimme gemacht werden. Dieses befehlt Gott im Koran:

Die Frauen-103:

Und wenn ihr das Gebet beendet habt, dann gedenket Allahs im Stehen, Sitzen und wenn ihr auf eurer Seite liegt. Und wenn ihr in Sicherheit seid, dann verrichtet das Gebet (in der vorgeschriebenen Form); denn das Gebet zu bestimmten Zeiten ist den Gläubigen eine Pflicht.

 

Allah razi olsun

Bearbeitet von Yunusum
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Danke für diesen Text

Jedoch muss ich erwähnen, dass der Ursprung Gott ist. Er hat den Menschen nie ein zweites Rezept bzw. Religion zur Erlangung von diesseitige und jenseitige Glückseligkeit zur Verfügung gestellt. Er hat allen Propheten das Gleiche gelehrt. Leider hat die islamische Lehre diese Wahrheiten verloren, vergessen.

 

(42) Die Beratung-13:

Er verordnete für euch eine Glaubenslehre, die Er Noah anbefahl und die Wir dir offenbart haben und die Wir Abraham und Moses und Jesus auf die Seele banden: Nämlich, bleibet standhaft im Gehorsam, und seid nicht gespalten darin. Hart ist für die Heiden das, wozu du sie aufrufst. Gott wählt dazu aus, wen Er will, und leitet dazu den, wer sich ihm wendet.

 

Somit gibt es seit Adam nur eine Religion. Dieses beginnt mit einem Wunsch. 1. Der Wunsch den Geist (ruh) zu Gott zu bekehren (ruhu Allah´a ulastirmayi dilemek; Seyri-Süluk), 2. die Bußgelübte vor einem Propheten, Heiligen vollbringen und das Dhikr verrichten, um die Seelenreinigung machen zu können.

 

Das ist Gottes Religion. Religion ist dafür da um zur diesseitigen und jenseitigen Glückseligkeit zu gelangen. Niemand kann glücklich werden ohne die Seelenreinigung. Und niemand kann die Seelenreinigung vollbringen ohne diesen Wunsch und die Bußgelübte.

 

In einem Hadis sagt unser Prophet: Die Religion ist dafür da, das ihr eure Seele (nefs) zur Ihlas führt.

 

Warum ist es wichtig zu dieser Stufe zu gelangen? Wie sieht das Herz der Seele in der Ihlas-Stufe aus?

 

Es ist wichtig, weil der Satan jemanden der in der Ihlas-Stufe ist nicht mehr in den Irrweg führen kann. In der Sure Sad-82 und 83 spricht Gott über die Ihlas-Stufe:

 

(38)Sad-82:

(Iblis) Sagte: „Von nun an, bei Deiner Ehre, werde ich sie alle in den Irrweg führen“.

Sad-83:

Abgesehen von Deinen Ihlas-Dienern.

15) Der steinige Teil-39,40:

Er antwortete: «Mein Herr, da Du mich im Irrweg gelassen hast, will ich ihnen wahrlich (das Böse) auf Erden schön zeigen, und wahrlich, ich will sie alle irreleiten.

Bis auf Deine Ihlas-Diener unter ihnen.

 

Das Herz des der Seele ist am Anfang 100% dunkel, mit negativen Eigenschaften gefüllt (19 Laster wie Hass, Wut, Eifersucht, Ungeduldigkeit.....). Somit ist der Mensch den Angriffen des Satans 100 % offen. In diesem Zustand ist der Satan sein Mürschid.

 

Aber in der Ihlas-Stufe ist das Herz der Seele nun 100 % mit Gottes Licht gefüllt. Der Satan hat gar keine Möglichkeit mehr diesen Diener in den Irrweg zu führen, weil die Seele keine Dunkelheit mehr enthält.

 

In der Sure Tevbe-119 befehlt Allah, dass wir mit den Sadik-Dienern zusammen sein sollen:

 

Tevbe-119:

 

Ihr, die Gläubig wurden ! Übt die Enthaltsamkeit gegenüber Allah und seid mit den Sadik (Aufrichtigen) zusammen.

 

 

 

Allah razi olsun

Bearbeitet von Yunusum
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  • 3 Wochen später...

Was genau bedeutet tanasukh (Reinkarnation)? Steht diese in irgendeiner Art und Weise im Einklang mit den Lehren des Islam?

 

 

Der Begriff Tanasukh, Seelenwanderung, bezieht sich auf eine Lehre, die besagt, dass Seelen nach dem Tod in einem anderen Körper weiter leben, dann erneut sterben und wieder in einen anderen Körper umziehen usw.. Diese Lehre nennt man Reinkarnationslehre oder Metempsychose. Natürlich handelt es sich bei ihr nicht um eine islamische Lehre. Der Glaube an diese Lehre der endlosen Zyklen von Geburt, Tod und Wiedergeburt findet sich in der ein oder anderen Form in fast allen Gesellschaften wieder, in primitiven genauso wie in hoch entwickelten. Abweichungen innerhalb dieser Lehre basieren auf örtlichen und regionalen Unterschieden in Glauben und Kultur. Insbesondere in den sehr materialistischen Gesellschaften, deren formelle Kultur das spirituelle Leben verleugnet, ist diese pseudo-religiöse Lehre in bestimmten Kreisen eine Art Mode. Dort wird behauptet, die Geister der Toten würden umherwandern, teilweise auch physische Formen annehmen und die Lebenden beeinflussen, bis sie sich schließlich in neuen Körpern niederlassen. Es wäre nicht angebracht, an dieser Stelle auf Einzelheiten der verschiedenen Ausprägungen und Moden dieser Lehre einzugehen; sinnvoller ist es wohl, ihren wesentlichen Gehalt darzustellen und sie aus dem Blickwinkel des Islam zu betrachten. Für das enorme Alter der Lehre der Reinkarnation spricht die Literatur des Altertums. In den Sagen der Metamorphose beschreibt der römische Dichter Ovid beispielsweise auf schillernde Art und Weise, wie Götter die Gestalt von Menschen und Tieren annehmen, wie Menschen in verschiedene Rollen schlüpfen usw.. Doch jene Sagen begründen noch keine Lehre; denn diese begnügt sich nicht mit einer Veränderung von Form und Farbe, sondern stützt sich auf den Glauben, dass jede einzelne Seele jede Ebene der Schöpfung und jede Lebensform durchlaufen muss - belebt wie unbelebt, empfindungsfähig wie empfindungslos. Wenn wir über diese Lehre nachdenken, werden wir sehr schnell feststellen, dass sie eine sehr eigenwillige Interpretation der Unsterblichkeit der Seele darstellt. Mit anderen Worten: Der Kerngedanke dieser Lehre ist die Erkenntnis, dass die Seele unsterblich ist. Dieser Kerngedanke ist richtig, aber nicht der Rest. Vielleicht ist die Lehre auch aus der Beobachtung der Ähnlichkeit von physischen und anderen Wesensmerkmalen bei Eltern und ihren Kindern entstanden. Die biologischen Phänomene der Vererbung, die ja durch die Gesetze der Genetik eindeutig entschlüsselt sind, werden durch die Lehre der Reinkarnation in einer Art und Weise erläutert, die weniger eindeutig und dem Verstand nicht zugänglich ist.

Man sagt, die Lehre der Reinkarnation sei im Stromgebiet des Nils entstanden und habe sich von dort in andere Gebiete und zu anderen Völkern ausgebreitet: nach Indien z.B. und von dort wieder zurück in Richtung Westen bis nach Griechenland. Dort wurde sie durch die Beredsamkeit der Philosophen vernunftgemäß gedeutet (auch wenn uns das unvorstellbar erscheinen mag) und entwickelte sich zu einer Quelle des Trostes und der Hoffnung für alle Menschen, die sich nach ewigem Leben sehnten. Was die größeren Religionen betrifft, so wurde die Lehre zunächst durch die Kabbalisten in das Judentum eingeschleust. Über jüdische Denker fand sie Eingang in das Christentum und schließlich beeinflusste sie auch die Vorstellungen einiger Sufis, obwohl sich muslimische Gelehrte bemühten, Verzerrungen dieser Art entgegenzutreten.

Wenn jemand eine Lehre untermauern möchte, muss er Beweise ins Feld führen. Die Kabbalisten erwähnten zum Beispiel die (im Alten Testament erwähnte) Verwandlung der Niobe in eine Marmorstatue und die Verwandlung der Frau Lots in eine Sandsäule.

Andere wiederum erklären den Instinkt und die Intelligenz von Tieren und die Pracht der Pflanzen damit, dass irgendwann einmal menschliche Intelligenz und Vitalität in sie geschlüpft sind. Diese Idee entwürdigt jedoch den Menschen und blamiert ihre Befürworter: Man mag sich kaum vorstellen, dass eine Behauptung wie diese, selbst wenn sie ohne große Überlegung aufgestellt wurde, von Leuten in die Welt gesetzt wurde, die auch nur einen Funken Verstand besitzen. Zwar besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass auch die Pflanzen und die unbelebte Schöpfung über ein Programm und ein vorherbestimmtes Schicksal verfügen. Dennoch ist es doch wohl sehr weit hergeholt, die Harmonie und die Ordnung, die wir bei Pflanzen und im Mineralreich beobachten, auf Seelen zurückzuführen, die vorher als oder in Menschen gelebt haben. Pflanzen und Bäume besitzen tatsächlich eine Art Leben, ein pflanzliches Leben nämlich, ein Wachstum hin zu Licht und Feuchtigkeit; das bedeutet aber nicht, dass hinter diesem Wachstum die Aktivität einer Seele steckt, einer gefallenen menschlichen Seele oder einer Seele auf ihrem Weg durch die unterschiedlichen Ebenen der Schöpfung.

Trotz durchaus vorhandener Bemühungen, diese Theorie zu erhärten, hat niemand jemals irgendeine Botschaft von irgendeiner Pflanzenart erhalten, die bestätigt, eine Seele in sich zu tragen, die früher einem Menschen gehört hat. Auch konnte noch kein Mensch glaubhaft versichern, früher einmal die Seele einer Pflanze oder eines Tieres gewesen zu sein. Zwar existieren durchaus von Boulevardzeitungen und ähnlichen Medien verbreitete Behauptungen von Menschen, die sich an frühere Leben erinnern und sogar Ereignisse aus ihren früheren Leben erzählen. Soweit es sich bei diesen Behauptungen nicht um vollkommen absurde und lächerliche Fantastereien handelt, ist deren Inhalt aber meistens unschwer als Erinnerung an das deutbar, was der betreffende Mensch gesehen oder gelesen und dann - wissentlich oder nicht - verarbeitet und aufgenommen hat. Eine solche Verarbeitung von Erinnerungen ist ja auch bei anderen menschlichen Gedanken gang und gäbe.

Die Tatsache, dass Niobe und die Ehefrau des Propheten Lot in Marmorstatuen bzw. Sandsäulen verwandelt wurden, ist, selbst wenn man sie wortwörtlich so akzeptiert, weder ein Beispiel noch ein Beweis für Reinkarnation. In diesem Fall geht es um eine Verwandlung physischer Art, die nichts mit der Seelenwanderung zu tun hat. Was die versteinerten Körper betrifft, so ist dies kein Phänomen, was ein großes Geheimnis in sich bergen würde: Ähnliche Körper, die durch die vollkommene Trockenheit von Vulkanasche konserviert wurden, wurden in großer Zahl gefunden. Pompeji wurde durch einen plötzlichen Vulkanausbruch zerstört und blieb jahrhundertelang unter der Asche des Vesuv begraben. Die dort vorgenommenen Ausgrabungen legten zahlreiche Niobe ähnelnde versteinerte Körper frei. In diesen Ruinen und in den versteinerten Gesichtern und Körpern können wir, wenn wir wollen, die Zeichen des Zorns und der Strafe Gottes lesen. Vielleicht ist das Leben dieser Menschen zu Stein geworden und erhalten geblieben, damit zukünftige Generationen es anschauen und sich in Acht nehmen können. Die versteinerten Menschen als Beweis für die Lehre der Reinkarnation anzuführen, ist schlicht und einfach abwegig.

In Ägypten, Indien und Griechenland blühte der Glaube an die Reinkarnation vor allem deshalb auf, weil der einst aufrichtige Glaube an das Jenseits verzerrt wurde. Auch die Sehnsucht nach der Unsterblichkeit der Seele wirkte sich hier begünstigend aus. Weder im Ägypten des Ahen-Aten noch im Griechenland des Pythagoras war die Lehre der Reinkarnation, die die Verzerrung des Glaubens mit sich brachte, bereits bekannt. Ahen-Aten ging davon aus, dass für den Menschen nach dem Leben im Diesseits ein neues Leben im Himmel beginnt. Er glaubte, dass sich die Seelen der Sterbenden auf die Reise machen, um den Höchsten Gerichtshof im Himmel zu erreichen, dass sie so hoch emporsteigen, dass sie in die Gegenwart des Osiris gelangen und hoffen, mit den folgenden Worten Rechenschaft ablegen zu können: „Ich bin in Deine Gegenwart gekommen, da ich frei von Sünden war. Mein ganzes Leben lang habe ich, so weit es mir möglich war, alles dafür getan, fromme Menschen zu erfreuen. Ich habe kein Blut vergossen, und ich habe nicht gestohlen. Ich habe weder Zwietracht gesät noch im Sinn gehabt. Ich habe weder Ehebruch begangen noch Unzucht getrieben. Diejenigen, die in der Lage wären, so zu sprechen, würden - so glaubte Ahen-Aten - zu seiner Gemeinschaft zählen. Diejenigen aber, die dies nicht könnten und deren schlechte Taten schwerer wiegen würden als ihre guten, würden in die Hölle geschleudert und von Dämonen gequält werden.

Ein ähnlich vernünftiger Glaube findet sich auch in Grabinschriften, die an Ahen-Atens Religion anknüpfen und bestätigen: „Was Du getan hast, übersteigt unser Fassungsvermögen und das unserer Augen. O Du Einer und Einziger Gott! Niemand besitzt so viel Macht wie Du. Du bist es, der dieses Universum nach Seinen Wünschen erschaffen hat, nur Du allein. Du bist es, der die Welt für die Menschen und für alle Tiere, ob groß oder klein, ob mit den Füßen auf der Erde gehend oder mit den Flügeln im Himmel umherfliegend, angemessen gestaltet hat. Und nur Du allein bist es, der sie am Leben erhält und ernährt. Dank Dir wird alles Schöne ins Leben gerufen. Alle Augen sehen Dich durch die Existenz dieses Schönen. Fürwahr, mein Herz gehört Dir. (Du bist in meinem Herzen.)" Die Vorstellungen, die hier wortwörtlich zitiert wurden, galten vor viertausend Jahren in Ägypten als Wahrheit.

Auch im Alten Griechenland war der Glaube an die Wiederauferstehung und die Unsterblichkeit der Seele ähnlich vernünftig. Der große Philosoph Pythagoras glaubte zum Beispiel, dass die Seele beim Verlassen des Körpers ein ihr eigenes Leben habe. Jede Seele besitze diese Form von Leben auch vor ihrem Aufbruch aus dieser Welt. Alle Seelen seien auf Erden mit bestimmten Pflichten betraut. Wenn sie eine Sünde begingen, würden sie dafür bestraft, in die Hölle geworfen und von Dämonen gequält werden. Für gute Taten hingegen würden sie in einen hohen Rang erhoben und mit einem glücklichen Leben gesegnet werden. Berücksichtigt man die Tatsache, dass die Vorstellungen des Pythagoras im Laufe der Geschichte teilweise verfälscht wurden, wird deutlich, dass sie fundamentale Übereinstimmungen mit dem islamischen Glauben an die Wiederauferstehung aufweisen. Auch die Überzeugungen Platos weichen nicht allzu stark von diesen ab. In seiner berühmten Abhandlung Der Staat sagt er, die Seele lasse beim Verlassen des Körpers das materielle (körperliche) Leben voll und ganz hinter sich. Dann steige sie in eine ihr angemessene (spirituelle) Sphäre auf, in der Weisheit und Unsterblichkeit herrschen. Hier verliere die Seele alle Bedürftigkeit, allen Mangel, alle Fehleinschätzungen und alle Furcht, Leidenschaft und Liebe, die sie während des Lebens auf der Erde plagten. Wenn sie sich schließlich aller negativen Folgen der menschlichen Natur entledigt habe, würde sie mit ewigem Glück gesegnet werden.

Wenn wir genau hinschauen, ist die Lehre der Reinkarnation mit ihren verschiedenen Ausprägungen innerhalb der unterschiedlichen Glaubensrichtungen in Wirklichkeit eine verzerrte Version eines ursprünglich vernünftigen Glaubens. Außer dem Islam haben alle Glaubenslehren solche Verzerrungen hinnehmen müssen. Das Christentum beispielsweise, eine einst von Gott offenbarte Religion, wurde insofern verfälscht, dass Jesus in den Rang eines Gottes erhoben wurde. Ohne die erhellenden und klärenden Koranverse und ohne den Einfluss des Islam wäre die formelle Position des Christentums in diesem Punkt wohl nicht als abweichende erkannt worden. Wenn das Christentum die Einheit von Seele und Körper lehrt, dann verdankt es ihre Vorstellungen in diesem Punkt den andalusischen muslimischen Gelehrten. Einer der berühmtesten christlichen Philosophen ist der Heilige Thomas von Aquin. Die meisten seiner neuartigen Ideen und Synthesen hat er den islamischen Lehren entnommen. In seinem hervorragenden Buch Summa Theologica sagt[1] er, das Schlüsselkonzept des Menschen sei, dass Seele und Körper in einem harmonischen System vereint seien. Er fügt hinzu, die Seelen der Tiere würden sich in den Körpern der Tiere entwickeln, die Seelen der Menschen aber seien irgendwann in einer frühen Phase der Entwicklung gesondert erschaffen worden (Artikel 3), daher lehne er die abstrakten Spekulationen der neuplatonischen Schule ab.

Auch die alten ägyptischen, indischen und griechischen Religionen hatten zweifellos unter verantwortungslos falschen Übersetzungen aus der Originalsprache zu leiden und waren später nicht mehr wieder zu erkennen, da sie immer weiter verzerrt wurden. Die Lehre der Reinkarnation mag durchaus eine solche Verzerrung eines ursprünglich richtigen Konzeptes der Unsterblichkeit der Seele und ihrer Rückkehr zum Gericht Gottes gewesen sein.

Nachdem die Reinkarnation Eingang in den Glauben der alten Ägypter gefunden hatte, wurde sie überall am Nil zu einem der zentralen Themen von Liedern und Legenden. Und die sorgfältigen Deutungen griechischer Philosophen sorgten dafür, dass sie mit der Ausdehnung des griechischen Einflusses zu einem sehr weit verbreiteten Phänomen wurde.

Die Hindus betrachten Materie als die ordinärste Manifestation von Brahma und sind der Auffassung, die Annäherung von Körper und Seele sei erniedrigend für die Seele und komme einen Abstieg zum Bösen gleich. Der Tod hingegen wird als eine Erlösung interpretiert, als eine Befreiung von menschlichen Unzulänglichkeiten und als eine Chance, sich auf ekstatische Art und Weise mit der Wahrheit zu vereinigen. Die Hindus praktizieren einen Polytheismus. Ihr höchster Gott ist Krischna, von dem man glaubt, er sei in menschlicher Gestalt erschienen, um das Böse zu vernichten. Ihr zweithöchster Gott ist Vischnu (d.h.: etwas, das den menschlichen Körper durchdringen kann). Dem Hinduismus zufolge ist Vischnu neunmal in verschiedenen Formen (Mensch, Tier, Blume) zur Welt hinabgestiegen. Man erwartet, dass er auch noch ein zehntes Mal erscheinen wird. Da die Hindus davon ausgehen, dass Vischnu beim nächsten Mal in der Gestalt eines Tieres in diese Welt kommen wird, ist das Töten von Tieren aller Art strengstens verboten und nur während des Krieges gestattet. Die glühendsten Anhänger dieser Religion essen normalerweise überhaupt kein Fleisch. Den Veden, dem wichtigsten religiösen Buch der Hindus zufolge, ist die Seele ein Teil, ein Fragment des Brahma; sie wird niemals in der Lage sein, sich von Leid und Sorgen zu befreien, solange sie nicht zu ihrem Ursprung zurückkehrt. Die Seele erlangt eine Gotteserkenntnis, indem sie sich selbst vom Ego und von aller Lasterhaftigkeit, die zum Ego gehört, isoliert und so zum Brahma strebt, wie der Fluss ins Meer fließt. Wenn die Seele Brahma erreicht und sich mit ihm vereinigt, erlangt sie absoluten Frieden, absolute Ruhe und absolute Stille - eine andere Version dessen, was im Buddhismus das Nirwana ist: Während aber im Buddhismus von einer Einstellung der aktiven Suche und von einer Passivität der Seele die Rede ist, ist die Seele im Hinduismus dynamisch.

Einige jüdische Religionsgemeinschaften übernahmen die Lehre der Reinkarnation und machten sie sich zu Eigen. Nachdem die Juden, die im Allgemeinen sehr am Leben hängen und von der Unsterblichkeit der Seele fasziniert sind, den Glauben an Auferstehung und Gericht zurückgewiesen hatten, konnten sie kaum noch etwas anderes tun als die Reinkarnation anzunehmen. Den Kabbalisten gelang es später, sie über einige Klosterorden der Region in die Kirche von Alexandria einzuführen. Auf die Manifestation des Islam hatte die Lehre zwar nur geringe Auswirkungen, bedauerlicherweise aber wurde sie durch die ,Ghulat asch-Schi’a' (eine extremistische Gruppe der Schi’a) auch unter Muslimen bekannt.

Alle Übernahmen der Lehre der Reinkarnation im Altertum, in der jüngeren Vergangenheit und in der Gegenwart haben ein gemeinsames Charakteristikum, eine gemeinsame Wurzel: den Glauben an die Inkarnation. Immer versagt der Verstand beim Versuch, die absolute Transzendenz Gottes zu begreifen und zu akzeptieren: Dieses Versagen übt einen schlechten Einfluss aus und bringt die Menschen zu der Überzeugung, dass sich das Göttliche mit dem Körperlichen vermengt und sich das Körperliche bzw. der Mensch seinerseits mit dem Göttlichen vermengt bzw. vermengen kann. Diese falsche Vorstellung ist zwar nicht im Islam, der sich seine strikte Reinheit des Glaubens mit Gottes Hilfe bewahrt hat, aber ansonsten in sehr vielen Religionen anzutreffen. Zentraler Punkt in jeder dieser verzerrten Religionen ist eine Inkarnation oder Reinkarnation - Aten im Atenismus, Brahma im Hinduismus, Esra (Uzair) im Judentum, Jesus im Christentum und Ali in der Ghulat asch-Schi’a, die man nicht zur islamischen Gemeinschaft zählt. Behauptungen, einige Schriften und Äußerungen bestimmter muslimischer Sufis würden die Lehre der Reinkarnation unterstützten, sind entweder schlichtweg böswillig oder aber auf die absurd wörtliche Interpretation des extrem symbolischen und esoterischen Diskurses der Sufis zurückzuführen. Die muslimischen Gelehrten, zumindest diejenigen unter den neunzig Prozent der Sunniten, haben die Lehre der Reinkarnation allesamt unmissverständlich als dem Geist des Islam vollkommen entgegengesetzt zurückgewiesen. Dies gilt für Gelehrte aller Betätigungsfelder einschließlich Rechtsprechung, Theologie, Koranexegese (tafsir) und Hadithinterpretation. Der Grund liegt auf der Hand: Im islamischen Glauben ist von zentraler Bedeutung, dass alle Individuen gemäß ihrer individuellen Vorherbestimmung leben und sterben, dass sie alle eine individuelle Last tragen, individuell auferweckt und für ihre Absichten und Handlungen und deren Folgen zur Rechenschaft gezogen werden und dass sie alle ein (absolut gerechtes) Urteil Gottes erhalten werden, das auf einheitlichen Kriterien beruht.

Der Islam weist die Lehre der Reinkarnation ganz und gar zurück. Die Hauptgründe hierfür sind im Folgenden aufgelistet.

1) Der Glaube an den Islam setzt den Glauben an die Auferstehung und das Jüngste Gericht voraus, bei dem jeder individuellen Seele dem individuellen Protokoll ihres Lebens entsprechend Gerechtigkeit zuteil wird. Wenn jede einzelne Seele viele Male leben würde, in welcher Form bzw. Persönlichkeit würde sie dann von den Toten auferweckt, zur Rechenschaft gezogen und belohnt oder bestraft werden?

2) Diese Welt ist eine Welt der Prüfung und der Probe, die Seele soll von ihr profitieren. Ein Schwerpunkt der Prüfung liegt im Glauben an das ghaib (das Unsichtbare). Der Lehre der Reinkarnation zufolge werden jene, die ein sündiges Leben geführt haben, in eine niedrigere Lebensform (Tier, Baum usw.) überführt. In diesem Fall jedoch würden sie die Folgen ihres früheren Lebens kennen, und das Leben als Prüfung verlöre seinen Sinn. Um dieses Problem zu umgehen, behaupten diejenigen, die an die Lehre der Reinkarnation glauben, die Seele würde ihre jeweils vorangegangene Existenz vergessen. Doch wenn das stimmen würde, was sollten frühere Leben dann überhaupt für eine Bedeutung haben?

3) Wenn jedes Individuum, um ewige Glückseligkeit zu erlangen, einen schmerzhaften Zyklus von Seelenwanderungen zu durchlaufen hätte, dann wäre das Versprechen Gottes, die schlechten Menschen und die Sünder zu bestrafen und die Guten und Rechtschaffenen zu belohnen, für das Leben des Einzelnen bedeutungslos. Warum sollte Gott etwas so Sinnloses von uns fordern?

4) Der Koran und auch andere Offenbarungsschriften Gottes betonen, dass (aufrichtig bereute) Sünden vergeben werden. Eine Lehre, der zufolge die Seele unzählige Zyklen durchlaufen muss, um Vergebung zu erlangen, wäre also nicht mehr als ein unnötiges und beschwerliches Hilfsmittel. Die Vorstellungen von Barmherzigkeit und Vergebung passen da doch viel besser zu Gott, dem Wohltätigen, Barmherzigen Schöpfer.

Im Islam gibt es keine Sünde, die Gott nicht, wenn Er es so will, vergeben kann. Gott, der Allmächtige, offenbart und verspricht im Koran, dass Er denen vergeben wird, die bereuen, was sie falsch gemacht haben, und sich aufrichtig bemühen, es nicht wieder zu tun. Insofern schaut Gott also nicht darauf, wie groß oder klein unsere Sünden sind, oder wann wir sie bereuen. Es ist folglich durchaus möglich, dass auch einem Sünder, der Gott sein ganzes Leben lang den Gehorsam versagt und sich gegen Ihn aufgelehnt hat, von Gott verziehen wird, wenn er in einem einzigen Akt beweist, dass er absolut aufrichtig bereut und vollständig verstanden hat, was es mit dem Dienst und der Abhängigkeit von Gott auf sich hat. (Allerdings kennt ja niemand seine Zukunft, und niemand weiß, wann seine letzte Stunde schlagen wird - wie unklug wäre es also, die Reue aufzuschieben!)

5) Lange und ermüdende Zyklen der Wiedergeburt sind mit der Barmherzigkeit, Gunst, Gnade und Vergebung Gottes, des Barmherzigen, unvereinbar. Wenn Er es für angebracht hält, nimmt Er einfache, wertlose und minderwertige Dinge und macht daraus die reinsten, besten und wertvollsten. Seine Gunstbeweise und Seine Großzügigkeit sind in der Tat unendlich groß.

6) Unter den Anhängern der Propheten waren sehr viele, die einst ein lasterhaftes Leben geführt hatten, sich aber später unglaublich schnell läuterten und dann für spätere Generationen zu verehrten Vorbildern an Rechtschaffenheit wurden. Nachdem sie den Propheten kennen gelernt und die Botschaft Gottes angenommen hatten, übertrafen einige von ihnen sogar die ersten Anhänger des Propheten und wurden deshalb noch mehr verehrt als jene. Dies deutet darauf hin, dass man durch die Gnade Gottes leicht und schnell zum Gipfel gelangen kann, selbst wenn jemand vorher zu jenen gehörte, denen offensichtlich der Abgrund der Hölle vorbehalten war. Weiterhin zeigt es, wie überflüssig eine Lehre ist, die besagt, dass die Seelen die höheren Ebenen des Seins durchlaufen: Vielleicht bringt diese Lehre sogar den Effekt mit sich, dass sie den Menschen den Anreiz nimmt, sich auf moralischer Ebene zu bemühen.

7) Der Glaube daran, dass Gott, der Allmächtige, für jedes Individuum eine eigene individuelle Seele erschaffen hat, ist Teil des Glaubens an Seine Allmacht. Der Glaube daran, dass eine begrenzte Anzahl von Seelen von einem Körper zum anderen wandert, impliziert hingegen die Schlussfolgerung, dass der Allmächtige gar nicht allmächtig ist. Die schiere Fülle des Lebens, seine unbegrenzte Vielfalt und seine Ablehnung bloßer Wiederholung der Form tritt überall deutlich hervor: Gott ist in der Tat allmächtig. Ca. 5,5 Milliarden Menschen leben auf der Erde. Vor kurzem haben wir gelernt, wie wir beweisen können, dass jedes Individuum absolut einzigartig ist - eine Vorstellung, die in vielen Koranversen betont wird -, indem wir nämlich Fingerabdrücke oder Gencodes vergleichen. Kein Gencode und kein Fingerabdruck eines Individuums ist mit dem eines anderen identisch. Dieses Faktum ist so zuverlässig, dass es dazu beiträgt, Kriminelle zu identifizieren. Ein weiteres Beispiel: Ein deutscher Professor hat vor dreißig Jahren die Beobachtung gemacht, dass von Millionen von Schneeflocken, die er analysiert hat, keine zwei in puncto Aussehen absolut übereinstimmen. Wie viele Schneeflocken in einer Jahreszeit an einem Berghang fallen bzw. wie viele Schneeflocken überhaupt jemals gefallen sind, übersteigt unser Vorstellungsvermögen bei weitem. Hieraus wird deutlich, dass der Allmächtige sehr wohl eine unbegrenzte Anzahl individueller Seelen erschaffen und sie mit einer unbegrenzten Zahl von Körpern versehen kann.

8) Wenn doch insgesamt etwa 5,5 Milliarden Menschen auf der Erde leben, könnten da nicht einige von ihnen zumindest wenige Anhaltspunkte oder Zeichen an sich gehabt haben - Beweise bzw. etwas Überzeugendes -, die von ihren Erinnerungen, Abenteuern und Erfahrungen in den unterschiedlichen Formen und Körpern künden? Müssten nicht zumindest einige von jenen, die schon mehrere Male in diese Welt gekommen sind oder ihre Zyklen sogar bereits beendet haben, über einen reichen Schatz an Wissen, Erfahrung und Kultur verfügen? Wenn wir dies nur für einen von einer Million Menschen für möglich halten, wäre es dann nicht auch wahrscheinlich, dass heute eine große Anzahl von Menschen leben, die sich durch außergewöhnliche Rechtschaffenheit und Kompetenz auszeichnen? Würden wir dann nicht einigen von ihnen auch in unseren eigenen Ländern begegnen? Wo also sind sie?

9) Sollte man nicht erwarten können, dass die Seele dann, wenn ein Körper (sagen wir mit drei oder vier Jahren) das Alter erster physischer Reife erreicht hat, mit allen Errungenschaften und Leistungen früherer Leben zum Vorschein kommt? Könnten wir dann nicht davon ausgehen, dass es viele Wunderkinder gibt? In der aufgezeichneten Geschichte hat es zwar einige solcher Wunderkinder gegeben, aber ihre besonderen Gaben waren nicht zwangsläufig die Resultate vieler bereits geführter Leben. Sie können auch als besondere Kombination genetischer Eigenschaften gedeutet werden, die erstens zu einer bestimmten Zeit an bestimmten Orten auftraten und Gottes Gnade und Gunst zuzuschreiben sind, und zweitens von außerordentlichen Anstrengungen des Individuums begleitet waren, seine Gabe in der Tradition und im Zusammenhang, in der sie steht, zu verstehen.

10) Bei keiner anderen belebten oder unbelebten Daseinsform wurde jemals eine typisch menschliche Fähigkeit entdeckt. Das aber sollten wir doch eigentlich erwarten dürfen, wenn auch nur ein Fünkchen Wahrheit in der Lehre der Reinkarnation läge. Wenn eine niedere Lebensform sozusagen die Konsequenz (Strafe) für bestimmte schlechte Taten in einem früheren Leben darstellen soll, dann müsste doch eigentlich auch das (vom Bösen überlagerte) Gute aus diesem Leben weitergereicht werden. Mit anderen Worten: Bestimmte Merkmale des früheren Lebens des Individuums sollten auch Bestandteil dessen nächsten Lebens sein. Doch dann müssten wir auch davon ausgehen, dass die Grenzen bestimmter Formen ständig gesprengt werden - so müssten zum Beispiel Pflanzen über Eigenschaften verfügen, die im Zusammenhang mit dem Tierleben stehen, obwohl man diese doch nie bei ihnen festgestellt hat. Aber bei der Barmherzigkeit Gottes, weder Zoologie noch Botanik haben, trotz all ihrer vielen gern gesehenen Fortschritte in jüngster Zeit, jemals solche Monster entdeckt!

11) Wenn es sich nach den Taten in einem vergangenen Leben richtet, ob man als Mensch oder Tier geboren wird, was existierte dann zuerst: Mensch oder Tier, das Höhere oder das Niedere? Befürworter der Lehre sind sich nicht darüber einig, wie das erste Lebewesen ausgesehen haben mag, denn jede Generation kündet ja insofern von ihrer Vorgängergeneration, als dass die Nachfolgegeneration als Konsequenz ihrer Vorgängergeneration zu betrachten ist. Und wenn das physische Leben ein Übel ist - wovon manche, die an die Reinkarnation glauben, ausgehen - warum hat das Ganze dann überhaupt angefangen? Warum ist das Leben dann überhaupt entstanden? Die Lehre der Reinkarnation führt eindeutig immer wieder ins Absurde.

[1] Thomas von Aquin, Summa Theologica, Teil I, Frage 90, Artikel 4"

 

 

 

Fethullah Gülen

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M. Fethullah Gülen.

Als ich diese Frage zum ersten Mal hörte, legte ich ganz spontan Zeugnis ab und sprach: „...und Muhammad, Friede sei mit ihm, ist sein Gesandter!“ Denn der Gesandte hatte prophezeit, dass diese Frage irgendwann einmal gestellt werden würde. Er sagte noch viele weitere zukünftige Ereignisse von Wichtigkeit voraus, die alle genau eingetroffen sind bzw. bis zum Ende der Zeit noch eintreffen werden. Einmal erwähnte er: Es wird fürwahr ein Tag kommen, an dem einige Leute mit gekreuzten Beinen sitzen und fragen werden: Wenn Gott doch alles erschaffen hat, wer erschuf dann Gott?

Natürlich sind Menschen, die Fragen wie diese stellen, Atheisten oder tendieren zumindest zum Unglauben und setzen alles daran, andere ebenfalls in die Irre zu führen. Mit ihrer Frage bezwecken sie, die Verantwortung, die ein Geschöpf seinem Schöpfer gegenüber schuldig ist, ebenso abzustreifen wie Glauben und Gottesanbetung. Bestenfalls beruht ihre Frage auf der Betrachtung der Beziehung zwischen ,Ursache und Wirkung'. Jede Gegebenheit lässt sich als eine ,Wirkung' bezeichnen, die einer vorangegangenen Gegebenheit, einer ,Ursache' zugeschrieben wird, für die ihrerseits ebenfalls eine frühere Gegebenheit verantwortlich gemacht wird usw. Erstens ist es aber für jeden, der unbefangen nachdenkt, offensichtlich, dass die Idee der ,Ursache' keine Tatsache, sondern nur eine Hypothese ist: Alles, was tatsächlich existiert, stellt eine bestimmte oft (aber nicht immer) wiederholte Abfolge von Gegebenheiten dar. Wendet man zweitens diese Hypothese auf die gesamte Schöpfung an, dann kann man gar nicht auf ihren Schöpfer stoßen, denn jeder Schöpfer müsste der Hypothese zufolge ja seinerseits auch wieder einen Schöpfer haben. (Die nutzlose Idee einer nicht enden wollenden Kette von Schöpfern war sogar eines der Argumente, die muslimische Theologen verwandten, um die Notwendigkeit, an Gott zu glauben, zu begründen.)

Dass der Schöpfer aus Sich Selbst heraus existiert, dass Er ein Einziger ist und weder Gleiche noch Ebenbürtige neben sich duldet, ist ganz offensichtlich. Wenn es stimmt, dass jedes erschaffene Lebewesen, etwas ,bewirkt', dann wurde die Fähigkeit zu ,bewirken' mit dem Lebewesen zusammen erschaffen. Von keinem Lebewesen im Universum darf behauptet werden, es würde aus sich selbst heraus existieren. Vielmehr verdankt jedes Lebewesen sein Dasein dem Schöpfer, der allein aus Sich Selbst heraus existiert und besteht. Aus der Tatsache, dass der Schöpfer als Einziger wirklich etwas erschafft, folgt, dass Er für alle Lebewesen, die Er erschafft, auch alle erdenklichen ,Ursachen' und ,Wirkungen' bestimmt hat, die diesen vorangehen bzw. folgen. Deshalb sprechen wir von Gott auch als dem, der alles aufrechterhält, der Seiner Schöpfung vom Anbeginn bis zum Ende Leben gibt und sie bewahrt. Alle ,Ursachen' haben in Ihm ihren Anfang, und alle ,Wirkungen' finden in Ihm ihr Ende. Erschaffene Dinge sind in Wirklichkeit nichts anderes als Ziffern oder Nullen, die sich unabhängig davon, wie viele von ihnen wir in eine Reihe stellen, auf Null summieren, sofern ihnen nicht eine positive Zahl vorangestellt wird, welche ihnen einen Wert verleiht. Dieser Logik folgend kann die Schöpfung ohne Gott keine wirkliche Existenz besitzen oder irgendeinen Wert haben.

Die so genannten ,Ursachen' haben keinen direkten oder eigenständigen Einfluss auf das Dasein, keine direkten oder eigenständigen ,Wirkungen'. Zwar mag es wohl sein, dass wir uns der Begriffe ,Ursachen' und ,Wirkungen' bedienen müssen, um verstehen zu können, wie uns (durch die Gnade Gottes) ein Teil der Schöpfung in einem begrenzten Raum und für eine kurze Zeitspanne verständlich und verfügbar gemacht wird. Aber selbst dies bestätigt unsere Abhängigkeit von Gott und unsere Verantwortung Ihm gegenüber. Gott hat es keineswegs nötig, ,Ursachen und Wirkungen' zu erschaffen. Vielmehr sind wir es, die auf ,Ursachen und Wirkungen' angewiesen sind, um begreifen zu können, was Er erschaffen hat. Er allein ist der Erste und der Letzte, der Ewige, der Veranlasser und der Ausschlag Gebende - all unsere bemühten aber winzigen Anstrengungen in Bezug auf Ursache und Wirkung sind nichts weiter als Schleier zwischen uns und dem Majestätischen Gott.

Um es also noch einmal zu betonen: Er, Allah, ist der Eine Gott, der aus Sich Selbst heraus Existierende, der ewig und um alles Anzuflehende. Er zeugt nicht und wurde nicht gezeugt; und nichts ist ihm gleich.

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  • 5 Monate später...

Ich habe einen Ausschnitt des Textes mal ein wenig abgeändert

 

 

Dass das Universum aus Sich Selbst heraus existiert, dass es das einzige Universum ist und weder Gleiche noch Ebenbürtige neben sich hat, ist ganz offensichtlich. Wenn es stimmt, dass jedes sich entwickelnde Lebewesen, etwas ,bewirkt', dann entstand die Fähigkeit zu ,bewirken' erst mit dem Urknall. Von nichts im Universum darf behauptet werden, es würde aus sich selbst heraus existieren. Vielmehr verdankt alles sein Dasein dem Urknall, der allein aus Sich Selbst ausgelöst wurde. Aus der Tatsache, dass der Urknall als Einziger wirklich etwas entstehen lässt, folgt, dass er für alles, das aus ihm heraus entstand, auch alle erdenklichen ,Ursachen' und ,Wirkungen' bestimmt hat, die diesen vorangehen bzw. folgen.

usw.

Wieso wird die Kausalkette mit Gott lediglich um ein Glied erweitert? Da halte ich es für bequemer beim Universum bzw. beim Urknall schluss zu machen.

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