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  4. Gewalt, Brutalität und Kapitalismus in alten Märchen Wer heute alte Märchen liest, ist häufig überrascht oder sogar schockiert. Kinder werden ausgesetzt, Menschen getötet, Körper verstümmelt und Reichtum erscheint oft als Voraussetzung für ein glückliches Leben. Schnell entsteht der Eindruck, die Geschichten der Brüder Grimm oder von Hans Christian Andersen seien grausam, unmoralisch oder pädagogisch problematisch. Doch eine solche Bewertung birgt einen grundlegenden soziologischen Fehler. Vergangene Gesellschaften dürfen nicht ausschließlich mit den moralischen Maßstäben der Gegenwart beurteilt werden. Jedes Werk muss im Zusammenhang und im Kontext mit der Zeit betrachtet werden muss, in der es entstanden ist. Die meisten Märchen der Brüder Grimm sowie die Geschichten Hans Christian Andersens stammen aus dem 19. Jahrhundert. Damals herrschten andere Vorstellungen von Gewalt, Erziehung, Familie und sozialem Zusammenleben. Hunger, Krankheit und eine hohe Kindersterblichkeit prägten den Alltag vieler Menschen. Auch die Grenzen dessen, was als akzeptabel oder schockierend galt, unterschieden sich deutlich von den heutigen Vorstellungen. Märchen als Spiegel ihrer Zeit Märchen waren ursprünglich keine harmlosen Gute-Nacht-Geschichten für Kinder. Sie wurden über Generationen hinweg mündlich weitergegeben und dienten dazu, Ängste, Hoffnungen und gesellschaftliche Normen auszudrücken. Viele Erzählungen entstanden in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit, großer sozialer Ungleichheit und harter Lebensbedingungen. Gewalt gehörte zum Alltag, und körperliche Strafen waren in der Erziehung weit verbreitet. Deshalb ist es problematisch, die Märchen allein mit heutigen pädagogischen Maßstäben zu bewerten. Wer das tut, übersieht, dass die Geschichten vor allem Ausdruck des damaligen Zeitgeistes sind. Die nachfolgend behandelten Märchen entstammen, mit Ausnahme von “Die Prinzessin auf der Erbse“, der Märchensammlung der Brüder Grimm. “Die Prinzessin auf der Erbse“ wurde hingegen von Hans Christian Andersen veröffentlicht. Der Froschkönig: Versprechen und gesellschaftliche Grenzen Im Märchen “Der Froschkönig“ hält die Königstochter ihr Versprechen gegenüber dem Frosch zunächst nicht ein. Schließlich wirft sie ihn voller Wut gegen die Wand. Erst nachdem sich der Frosch in einen Prinzen verwandelt hat, akzeptiert sie ihn als Menschen (Schuld, 2019, S. 5–7). Aus heutiger Sicht wirkt dieses Verhalten grausam und widersprüchlich. Gleichzeitig zeigt das Märchen die damalige Bedeutung sozialer Ordnung und äußerer Erscheinung. Solange der Prinz als Frosch erscheint, bleibt er ausgeschlossen. Erst seine Verwandlung ermöglicht Anerkennung und gesellschaftliche Akzeptanz. Hänsel und Gretel: Hunger, Gewalt und ökonomisches Denken Besonders deutlich wird der historische Hintergrund in “Hänsel und Gretel“ (Schuld, 2019, S. 8–11). Die Stiefmutter entscheidet aus egoistischen, kapitalistischen und wirtschaftlichen Gründen, die Kinder im Wald auszusetzen. Ihre Überlegung ist erschreckend einfach: Zwei Menschen weniger bedeuten weniger Münder, die gestopft werden müssen. Hier zeigt sich ein Denken, das man heute als egoistisch und kapitalistisch bezeichnen könnte. In Zeiten von Armut und Hungersnöten wurde das Überleben der Familie häufig zur zentralen Frage. Gleichzeitig begegnen die Kinder einer Hexe, die sie mästen und anschließend verspeisen möchte. Der Kannibalismus verstärkt die düstere Atmosphäre des Märchens. Bemerkenswert ist auch das Ende der Geschichte: Erst nachdem Hänsel und Gretel eine Kiste voller Perlen und Edelsteine gefunden haben, scheint ihr Leben glücklich zu werden. Wohlstand wird zur Voraussetzung für Sicherheit und Zufriedenheit. Das Märchen vermittelt damit indirekt die Botschaft, dass Reichtum soziale Probleme lösen könne. Dornröschen: Ausgrenzung mit tödlichen Folgen Bereits am Anfang von “Dornröschen“ (Schuld, 2019, S. 12–15) entsteht die Katastrophe durch soziale Ausgrenzung. Von dreizehn Feen werden nur zwölf zum Fest eingeladen, weil lediglich zwölf goldene Teller vorhanden sind. Die ausgeschlossene Fee reagiert mit einem Fluch. Das Märchen verdeutlicht, wie empfindlich gesellschaftliche Beziehungen und Hierarchien im 19. Jahrhundert wahrgenommen wurden. Anerkennung und Zugehörigkeit waren von großer Bedeutung. Wer ausgeschlossen wurde, konnte zur Gefahr werden. Der Wolf und die sieben Geißlein: Brutalität als Gerechtigkeit Im Märchen “Der Wolf und die sieben Geißlein“ (Schuld, 2019, S. 16–21) verschlingt der Wolf die jungen Geißlein. Am Ende wird ihm der Bauch aufgeschnitten, um die Kinder zu retten. Aus heutiger Perspektive erscheint diese Szene äußerst brutal. Dennoch entsprach eine solche Darstellung dem damaligen Verständnis von Gerechtigkeit. Böse Figuren wurden nicht nur bestraft, sondern oft körperlich vernichtet. Die Vorstellung, dass das Gute über das Böse triumphieren müsse, wurde mit drastischen Bildern vermittelt. Schneewittchen: Gewalt gegen Kinder “Schneewittchen“ (Schuld, 2019, S. 22–29) enthält zahlreiche Gewaltszenen. Die Königin befiehlt einem Jäger, das Mädchen in den Wald zu bringen und zu töten. Später versucht sie selbst mehrfach, Schneewittchen umzubringen. Einmal schnürt sie ihr Kleid so eng, dass sie beinahe erstickt, anschließend vergiftet sie sie mehrfach. Auch die Bestrafung der Königin am Ende ist grausam: Sie muss so lange tanzen, bis sie tot zusammenbricht. Das Märchen folgt damit einer Logik, in der Schuld und Strafe unmittelbar miteinander verbunden sind. Milde oder Resozialisierung spielen keine Rolle. Rotkäppchen: Gewalt als Rettung Ähnlich verhält es sich in “Rotkäppchen“ (Schuld, 2019, S. 30–32). Der Wolf verschlingt die Großmutter und das Mädchen, bevor ein Jäger eingreift und dem Tier den Bauch aufschneidet. Die drastische Rettungsaktion zeigt erneut, dass körperliche Gewalt im Märchen nicht nur der Abschreckung dient, sondern auch als legitimes Mittel erscheint, um Ordnung wiederherzustellen. Die Prinzessin auf der Erbse: Adel und soziale Unterschiede Hans Christian Andersens “Die Prinzessin auf der Erbse“ (Schuld, 2019, S. 38–39) enthält zwar weniger Gewalt, offenbart jedoch die damaligen Vorstellungen von sozialer Ungleichheit. Eine wahre Prinzessin erkennt man daran, dass sie eine kleine Erbse selbst unter zahlreichen Matratzen spürt. Die Geschichte vermittelt damit die Idee, dass adelige Menschen besondere feinfühlige Eigenschaften besitzen und sich grundlegend von gewöhnlichen Menschen unterscheiden. Gesellschaftliche Unterschiede erscheinen als selbstverständlich und naturgegeben. Aschenputtel: Schönheit und sozialer Aufstieg Auch “Aschenputtel“ (Schuld, 2019, S. 40–47) spiegelt die Wertvorstellungen seiner Zeit wider. Erst durch prächtige Kleider aus Gold und Silber wird die junge Frau für den Prinzen sichtbar und begehrenswert. Schönheit, Reichtum und gesellschaftliches Ansehen sind eng miteinander verknüpft. Das Märchen vermittelt die Botschaft, dass sozialer Aufstieg vor allem über äußere Erscheinung und materiellen Wohlstand gelingt. Rumpelstilzchen: Zwangsarbeit und Abhängigkeit In “Rumpelstilzchen“ (Schuld, 2019, S. 54–57) wird die Müllerstochter gezwungen, Stroh zu Gold zu spinnen. Schafft sie dies nicht, droht ihr der Tod. Sie wird eingesperrt und unter enormen Druck gesetzt. Aus heutiger Sicht erinnert diese Situation an Zwangsarbeit und Ausbeutung. Besonders bemerkenswert ist, dass die junge Frau am Ende den König heiratet, der sie zuvor unter diese unmenschlichen Bedingungen gestellt hatte. Machtverhältnisse und Unterordnung erscheinen im Märchen selbstverständlich. Märchen zwischen Vergangenheit und Gegenwart Die Gewalt und die wirtschaftlichen Motive in alten Märchen dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Sie sind Ausdruck einer Zeit, in der Armut, soziale Ungleichheit und körperliche Strafen zum Alltag gehörten. Wer diese Geschichten ausschließlich mit heutigen moralischen Vorstellungen beurteilt, begeht einen soziologischen Fehler. Das bedeutet jedoch nicht, dass Märchen unkritisch gelesen werden sollten. Vielmehr eröffnet eine historische Perspektive die Möglichkeit, gesellschaftliche Veränderungen besser zu verstehen. Märchen erzählen nicht nur fantastische Geschichten, sondern geben zugleich Einblicke in die Ängste, Werte und Lebensbedingungen vergangener Generationen. Gerade deshalb sind sie bis heute faszinierend. Sie zeigen, wie sehr sich Vorstellungen von Gewalt, Erziehung, Gerechtigkeit und Wohlstand im Laufe der Zeit verändert haben und wie wichtig es ist, den jeweiligen Zeitgeist zu berücksichtigen. Dr. Cemil Şahinöz Literatur Schuld K. M.: Es war einmal. Mein erstes großes Märchenbuch. Coppenrath: Münster, 2019
  5. Früher
  6. Bosna: Avrupa’nın Ortasında Bir Soykırım 1990’lı yılların ortasında, Avrupa’nın tam kalbinde insanlık tarihinin en karanlık sayfalarından biri yazıldı. Bosna-Hersek’te yaşanan savaş hem bir toprak mücadelesiydi, hem de kimliklerin hedef alındığı, insanların yalnızca kim oldukları ve neye inandıkları için öldürüldüğü bir trajediydi. Özellikle 1995 yılında Srebrenitsa’da yaşananlar, modern Avrupa tarihinin en büyük katliamlarından biri olarak hafızalara kazındı. On binlerce Bosnalı Müslüman sistematik şekilde öldürüldü, yüz binlercesi evlerinden sürüldü, kadınlar ve çocuklar korkunç acılar yaşadı. Bu olay, uluslararası mahkemeler tarafından açıkça soykırım olarak tanımlandı. Avrupa’da, Birleşmiş Milletler’in gözü önünde bir halk yok edilmeye çalışıldı. Dünyanın Gözü Önünde Yaşanan Felaket Bosna savaşı sırasında dünya kamuoyu uzun süre bu trajediye yalnızca seyirci kaldı. Televizyon ekranlarında toplama kamplarını andıran görüntüler, kuşatma altındaki şehirler ve açlık çeken insanlar görülüyordu. Buna rağmen uluslararası toplumun müdahalesi yetersiz kaldı. Saraybosna yıllarca kuşatma altında kaldı. İnsanlar suya, ekmeğe ve ilaca ulaşmak için keskin nişancıların hedefi olma riskini göze alıyordu. Avrupa’nın ortasında insanlar yalnız bırakılmıştı. Bu durum, uluslararası siyasetin ahlaki sorumluluğu konusunda hâlâ tartışılan büyük bir utanç olarak hatırlanıyor. Srebrenitsa ve Sessiz Kalan Mavi Bereliler Srebrenitsa, Birleşmiş Milletler tarafından “güvenli bölge” ilan edilmişti. Bölgede Hollandalı BM barış gücü askerleri bulunuyordu. Ancak Temmuz 1995’te Sırp birlikleri şehre girdiğinde, bu güvenli bölge kağıt üzerinde kaldı. Binlerce Bosnalı erkek ve genç çocuk, Hollandalı BM askerlerinin bulunduğu üslerin yakınında koruma umuduyla bekliyordu. Fakat beklenen koruma gelmedi. İnsanlar Sırp güçlerine teslim edildi ve kısa süre içinde sistematik şekilde katledildi. Yaklaşık 8.000’den fazla Bosnalı Müslüman erkek ve çocuk öldürüldü. Bugün Srebrenitsa, uluslararası sistemin başarısızlığının ve dünyanın sessizliğinin sembolü olarak anılıyor. Kimliklerinden Dolayı Hedef Alınan İnsanlar Bosna savaşında öldürülen insanların büyük kısmı yalnızca Müslüman kimliği nedeniyle hedef alındı. Birçok Bosnalı, savaş öncesinde dinî hayatı çok güçlü yaşamayan, daha seküler bir hayat süren insanlardı. Ancak savaş sırasında saldırganların gözünde tek bir kimlik vardı. Müslüman olmak. Bu gerçek, savaş sonrasında birçok Bosnalı için derin bir sorgulama sürecine yol açtı. Pek çok Bosnalı şu cümleyi kuruyor: “Biz belki inancımızı güçlü yaşamıyorduk. Fakat yine de yalnızca Müslüman olduğumuz için öldürüldük. Bu savaş bize Müslüman olduğumuzu hatırlattı.“ Acının İçindeki Hikmet Dolayısıyla Bosna’da yaşanan trajedi, aynı zamanda birçok insan için kimliğini yeniden hatırlama süreci oldu. Savaşın ardından Bosna’da dinî bilinçte belirgin bir canlanma görüldü. İnsanlar yaşadıkları felaketin ardından inançlarına daha sıkı sarıldıklarını dile getirdi. Kur’an’da bu gerçeğe işaret eden anlamlı bir ayet vardır: “Sizin hayır sandığınız şeyde şer, şer sandığınız şeyde hayır vardır. Allah bilir, siz bilmezsiniz” (Kur´an, 2:216). Birçok Bosnalı için bu ayet yaşadıkları tecrübeyi anlatan derin bir anlam taşıyor. Büyük acılar yaşandı, kayıplar verildi. Ancak aynı zamanda toplum içinde kimlik, dayanışma ve inanç konusunda yeni bir uyanış da meydana geldi. Unutulmaması Gereken Bir Ders Bosna’da yaşanan soykırım yalnızca Bosnalıların değil, tüm insanlığın hafızasında kalması gereken bir olaydır. Çünkü bu trajedi, modern dünyanın ortasında, uluslararası kurumların gözü önünde gerçekleşti. Srebrenitsa’nın mezar taşları bugün sadece geçmişi değil, aynı zamanda bir uyarıyı temsil ediyor. İnsanlık, nefretin ve kimlik temelli düşmanlığın nelere yol açabileceğini asla unutmamalıdır. Bosna’nın hikâyesi bize şu gerçeği de hatırlatıyor. Adalet geciktiğinde acı büyür. Sessizlik ise çoğu zaman zulmün en güçlü destekçisi olur. Bosna-Hersek Cumhuriyeti Cumhurbaşkanı Aliya İzzetbegoviç´in dediği gibi: “Her şey bittiğinde hatırlayacağımız düşmanlarımızın sözleri değil, dostlarımızın sessizliği olacaktır.” Dr. Cemil Şahinöz, Öztürk Gazetesi, Temmuz 2026
  7. Avrupalı Müslümanlar. Kimlik, Aidiyet ve Avrupa´nın geleceği Avrupalı MüslümanlarKimlik, Aidiyet ve Avrupa´nın geleceği Bu eser, Avrupa’daki Müslümanların tarihsel serüvenini, kimlik arayışlarını, aidiyet duygularını ve karşılaştıkları toplumsal meydan okumaları sosyolojik bir perspektifle ele almaktadır. Avrupa’da İslam’ın geçmişinden günümüze uzanan süreç, İslamofobya, medya, göç, entegrasyon, eğitim, dini hayat, gençlik, cemaatler ve Avrupa toplumlarının dönüşümü gibi pek çok konu bilimsel bir bakış açısıyla incelenmektedir. Kitap, sadece Müslümanların Avrupa’daki durumunu anlatmakla kalmıyor, aynı zamanda Avrupa’nın kendisini nasıl yeniden tanımladığını da sorguluyor. Çünkü Avrupa’nın İslam’a bakışı, bir yönüyle kendi kimlik arayışının da aynasıdır. Dr. Cemil Şahinöz, sosyolog, aile psikoloğu, üniversitede öğretim üyesi ve yazar. Avrupa’daki Müslüman topluluklar, göç, entegrasyon, din sosyolojisi ve kimlik meseleleri üzerine uzun yıllardır araştırmalar yapmakta, yazılar kaleme almakta ve konferanslar vermektedir. Bu eser, sahadaki gözlemleri ile akademik birikiminin birleşiminden doğmuştur. Sipariş için: https://www.kitapyurdu.com/kitap/avrupali-muslumanlar-kimlik-aidiyet-ve-avrupanin-gelecegi/759918.html
  8. Fortbildungsreihe für Lehrkräfte des islamischen Religionsunterrichts gestartet Fortbildungsreihe für Lehrkräfte des islamischen Religionsunterrichts gestartet Die erste Online-Fortbildung im Rahmen einer monatlich geplanten Weiterbildungsreihe für Lehrkräfte des islamischen Religionsunterrichts fand am 14. Dezember 2025 erfolgreich statt. Referent war der Soziologe und Psychologe Dr. Cemil Şahinöz mit seinem Vortrag „Islam im Spiegel der Moderne“. Mit 53 engagierten Teilnehmenden war das Programm sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich des Interesses ein voller Erfolg. Ziel der Reihe ist es, die fachliche und pädagogische Kompetenz der Lehrkräfte unter Berücksichtigung aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen zu stärken. Im Januar 2026 wird die Fortbildungsreihe mit Beiträgen von Prof. Dr. Constantin Wagner und der Promovendin, Empowerment-Trainerin und Autorin Rümeysa Şenel fortgesetzt. Die Veranstaltungsreihe soll einen nachhaltigen Beitrag zur Professionalisierung im islamischen Religionsunterricht leisten. Ilm https://ilm-academicians.org/de/post/advanced-training-program-for-islamic-religious-education-teachers-launched#
  9. (05.07.2026) Virtuelle Legitimität und ihre gefährliche Dynamik Virtuelle Legitimität und ihre gefährliche Dynamik Die digitale Welt hat eine neue Form der sozialen Realität hervorgebracht, die nicht nur Räume der Kommunikation, sondern auch Räume der Radikalisierung eröffnet. Junge Menschen, die in dieser Welt aufwachsen, bewegen sich in einer Umgebung, in der reale Grenzen verschwimmen und in der moralische Maßstäbe durch digitale Mechanismen ersetzt oder verzerrt werden. Was in der physischen Gesellschaft eindeutig als Unrecht oder Verbrechen gilt, erscheint in virtuellen Räumen oft als legitim, gerechtfertigt oder sogar notwendig. Dieses Phänomen kann als “virtuelle Legitimität“ bezeichnet werden, ein Konstrukt, das Menschen in eine Haltung versetzt, Taten zu begehen, die sie im realen Leben niemals in Erwägung gezogen hätten. Die Rolle der sozialen Bubble Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Bildung von sozialen Bubbles. Diese entstehen durch algorithmisch gesteuerte Kommunikationsräume, in denen Nutzerinnen und Nutzer zunehmend nur noch mit Gleichgesinnten konfrontiert werden. Abweichende Meinungen oder kritische Stimmen werden ausgeblendet, sodass eine verzerrte Wahrnehmung der Realität entsteht. Innerhalb dieser Bubbles wird das eigene Denken ständig bestätigt, wodurch sich ein Gefühl der Stärke und der moralischen Überlegenheit entwickelt. Soziale Kontrolle, die in physischen Gemeinschaften durch Familie, Nachbarschaft oder religiöse Institutionen wirkt, wird ausgehebelt. An ihre Stelle tritt eine künstliche Bestätigungskultur, die sogar Verbrechen in ein vermeintlich positives Licht rückt. Was als Anschlag, Mord oder schweres Unrecht gilt, erscheint innerhalb dieser Bubbles als heroischer Akt, als Beitrag zur Verteidigung einer Sache oder als gerechte Strafe. Algorithmen als Katalysator Digitale Algorithmen verstärken diesen Effekt. Sie sind so programmiert, dass sie die Aufmerksamkeit der Nutzer möglichst lange fesseln. Dies geschieht durch die ständige Zufuhr von Inhalten, die zu bisherigen Vorlieben und Interaktionen passen. Was ursprünglich als harmlose Unterhaltung beginnt, verwandelt sich durch die Logik der Algorithmen in eine Spirale der Radikalisierung. Inhalte, die extremer, aggressiver oder polarisierender sind, haben eine höhere Chance, sichtbar zu werden, da sie mehr Aufmerksamkeit erzeugen. Auf diese Weise werden soziale Bubbles nicht nur stabilisiert, sondern regelrecht angeheizt. Die Algorithmen fungieren als unsichtbare Motoren, die aus losem Interesse feste Überzeugungen und schließlich potenziell kriminelle Handlungsbereitschaft erzeugen. Soziologische Perspektive Aus soziologischer Sicht lässt sich dieses Phänomen als Auflösung traditioneller sozialer Kontrollmechanismen verstehen. Während in klassischen Gesellschaften Normen durch unmittelbare soziale Nähe überwacht wurden, ist die virtuelle Welt geprägt von Anonymität und Distanz. Normverletzungen werden dort nicht durch reale Sanktionen geahndet, sondern häufig durch Zustimmung belohnt. Der junge Mensch erfährt nicht Scham oder Schuld, sondern Anerkennung und Bestätigung. Damit wird die Schwelle zur Normüberschreitung herabgesetzt. Was im realen Umfeld eine sozial geächtete Handlung wäre, wird in der Bubble zur Quelle von Stolz und Zugehörigkeit. Islamische Perspektive Aus islamischer Sicht ist diese Entwicklung besonders problematisch, weil der Glaube stets auf eine Balance zwischen individueller Verantwortung und gemeinschaftlicher Kontrolle setzt. Der Koran warnt davor, der eigenen Neigung blind zu folgen und sich von falschen Gemeinschaften in die Irre führen zu lassen. Der Prophet Muhammed betonte, dass der Mensch der Religion seiner Freunde folgt, und mahnte, sorgfältig zu wählen, mit wem man sich umgibt: „Der Mensch folgt in seiner Religion (seiner Frömmigkeit) derjenigen seines Freundes. Deshalb sollte er darauf achten, mit wem er Freundschaft schließt” (Bukhari, Adab, 96; Müslim, Birr, 165; Tirmidhi, Zuhd, 50, Daawat, 98). Virtuelle Bubbles durchbrechen genau diese Schutzmechanismen. Sie ersetzen die Umma, die Gemeinschaft der Gläubigen, durch eine künstliche Gruppe, die nicht auf Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern auf algorithmisch gesteuerten Bestätigungsmechanismen beruht. Dadurch wird das Herz verführt, und die Seele empfindet Sünden nicht mehr als schwerwiegend, sondern als legitim. Verantwortung und Prävention Die Verantwortung liegt nicht allein bei den Jugendlichen, sondern auch bei den Eltern, den Bildungseinrichtungen, den religiösen Gemeinschaften und den Gesellschaften insgesamt. Islamisch betrachtet ist jeder Mensch für seine Handlungen verantwortlich, doch auch das soziale Umfeld trägt eine Mitverantwortung. Junge Menschen müssen befähigt werden, digitale Inhalte kritisch zu hinterfragen und zwischen wahrer und künstlicher Legitimität zu unterscheiden. Gleichzeitig braucht es Strukturen, die virtuelle Räume nicht zu Brutstätten der Radikalisierung werden lassen. Ohne diese Maßnahmen bleibt die virtuelle Legitimität ein Katalysator, der Menschen in zerstörerische Bahnen lenkt und den inneren moralischen Kompass schwächt. Dr. Cemil Şahinöz, Islamische Zeitung, Juli 2026 https://islamische-zeitung.de/legitimitaet-radikalisierung-soziale-medien/ Literatur: Bukhari: Sahih Bukhari. Çağrı Yayınları: Istanbul, 1992 Müslim: Sahih-i Müslim. İrfan Yayınevi: İstanbul, 2014 Tirmidhi: Sünenü’t-Tirmidhi. Çağrı Yayınlar: Istanbul, 1981
  10. Erinnerungskultur schützt nicht vor Wiederholungen. „Nie wieder“ muss Mechanismen erkennen Das Forum für Komparative Theologie an der Universität Paderborn organisiert regelmäßig das Format “Paderborner Gespräche“. Thema der letzten Veranstaltung war “Erinnerung suchen - Verletzlichkeit tragen“. Die Organisatoren und Moderatoren des Abends Mohammed Abdelrahem, Yael Attia und Katja Grashöfer kamen mit den Referenten Ella Ponizovsky Bergelson, Martina Aras und Cemil Sahinöz ins Gespräch. Gemeinsam mit den Zuhörern, u.a. der muslimischen Hochschulgruppe DMMK, entwickelten sich daraus spannende Dialoge zum Umgang mit der Erinnerungskultur. Meine eigenen Thesen möchte ich hier kurz wiedergeben. Geschichte wiederholt sich? Der große muslimische Gelehrte und der Begründer der Soziologe Ibn Khaldun schrieb einst den Satz: „Die Geschichte wiederholt sich.“ Dieser Satz klingt zunächst pessimistisch. Doch er beschreibt eine historische Realität, die Gesellschaften immer wieder verdrängen. Menschen glauben häufig, dass historische Katastrophen einzigartige Ausnahmen gewesen seien. Dabei ähneln sich die gesellschaftlichen Mechanismen oft erschreckend stark. Ausgrenzung beginnt selten plötzlich. Sie wächst langsam, normalisiert sich schrittweise und tarnt sich fast immer als etwas Vernünftiges, Notwendiges oder Gesellschaftsschützendes. Deutschland verfügt zweifellos über eine ausgeprägte Erinnerungskultur. Gedenkstätten, Bildungsprogramme, Schulunterricht und öffentliche Rituale sind Ausdruck eines ernsthaften historischen Verantwortungsbewusstseins. Doch die entscheidende Frage lautet nicht, ob erinnert wird. Die entscheidende Frage lautet, ob die Gesellschaft die Mechanismen erkennt, die damals wirkten und heute erneut entstehen können. Denn „Nie wieder“ bedeutet nicht nur, historische Ereignisse emotional zu erinnern. Es bedeutet auch zu analysieren, welche gesellschaftlichen, politischen und psychologischen Mechanismen überhaupt dazu geführt haben, dass solche Entwicklungen entstehen konnten. Nur wer Ursachen erkennt, kann Wiederholungen vorbeugen. Erinnerungskultur darf sich deshalb nicht nur auf das Gedenken konzentrieren, sondern muss auch Frühwarnsystem gesellschaftlicher Entwicklungen sein. Erinnerung wird oft museal statt gesellschaftlich verstanden Viele Formen der Erinnerungskultur konzentrieren sich stark auf die Vergangenheit als abgeschlossene historische Epoche. Genau darin liegt jedoch eine Gefahr. Erinnerung darf nicht nur rückwärtsgewandt sein. Sie muss gegenwartsfähig bleiben. Wenn Erinnerung nur noch aus ritualisierten Formeln besteht, verliert sie ihre gesellschaftliche Schutzfunktion. „Nie wieder“ wird dann zu einem moralischen Symbolsatz, der zwar oft ausgesprochen wird, aber im Alltag kaum praktische Konsequenzen entfaltet. Man erinnert sich an historische Verbrechen, erkennt jedoch ähnliche Dynamiken, Strukturen und Mechanismen in der Gegenwart nicht rechtzeitig. Daher ist es wichtig, eine moralische Brück zur Gegenwart zu bauen. Denn Diskriminierung beginnt nicht erst mit Gewalt. Sie beginnt mit Sprache, mit Pauschalisierungen, mit ständiger Verdächtigung, mit medialen Bildern, die bestimmte Gruppen immer wieder mit Problemen, Gefahr oder gesellschaftlicher Belastung verbinden. Sie beginnt dort, wo Menschen nicht mehr als Individuen wahrgenommen werden, sondern nur noch als Vertreter einer vermeintlich problematischen Gruppe. Vor allem wenn man der Diskriminierung gegenüber gleichgültig ist oder sie als normal empfindet, verbreitet sie sich rasant. Besonders problematisch ist dabei, dass Diskriminierung im Alltag häufig unsichtbar bleibt. Sie zeigt sich oft nicht offen, sondern versteckt sich hinter Witzen, beiläufigen Bemerkungen oder scheinbar harmlosen Sprüchen. Auch institutioneller Rassismus bleibt für viele unsichtbar, weil Betroffene die Benachteiligung häufig alleine erleben. Bei der Wohnungssuche, auf dem Arbeitsmarkt oder im Kontakt mit Behörden erleben Menschen Ausgrenzung oftmals subtil und ohne Zeugen. Gerade weil viele diese Mechanismen nicht unmittelbar sehen, muss Diskriminierung umso deutlicher sichtbar gemacht und benannt werden. Ausgrenzung beginnt mit gesellschaftlicher Gewöhnung Daher radikalisieren sich Gesellschaften selten abrupt. Viel häufiger gewöhnen sie sich Schritt für Schritt an neue Formen der Abwertung. Darin liegt die eigentliche Gefahr. Wenn Menschen aufgrund ihres Namens schlechtere Chancen auf dem Wohnungsmarkt haben, wenn religiöse Symbole automatisch Misstrauen erzeugen oder wenn ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht geraten, dann entstehen gesellschaftliche Muster, die ernst genommen werden müssen. Viele Betroffene berichten nicht von einzelnen spektakulären Ereignissen, sondern von einer dauerhaften Atmosphäre subtiler Abwertung, wie z.B. von Blicken, Bemerkungen oder von der ständigen Erwartung, sich erklären oder distanzieren zu müssen. Solche Erfahrungen mögen für Außenstehende klein wirken. In ihrer dauerhaften Wiederholung entfalten sie jedoch eine enorme psychologische Wirkung. Besonders problematisch ist dabei die gesellschaftliche Tendenz zur Relativierung. Menschen hören häufig Sätze wie: „Das war bestimmt nicht so gemeint“ oder „Du bist zu empfindlich“. Dadurch entsteht eine zweite Verletzung. Nicht nur die Diskriminierung selbst belastet die Betroffenen, sondern auch die Erfahrung, mit ihrem Schmerz nicht ernst genommen zu werden. Betroffene sind dann doppelt belastet, da sie nicht wissen, wohin sie mit ihrem Problem hingehen können. Viele Betroffene erleben zusätzlich ein tiefes Gefühl der Ohnmacht. Sie haben das Gefühl, dass sie sich gegen bestimmte gesellschaftliche Strukturen kaum wehren können. Deshalb ist es wichtig, Menschen nicht nur zuzuhören, sondern ihnen auch Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dazu gehört, Grenzen setzen zu dürfen, Unterstützung zu suchen und das eigene Erleben ernst zu nehmen, statt sich selbst ständig infrage zu stellen. Ab wann Diskriminierung? Dabei darf niemals vergessen werden, dass die Wahrnehmung der Betroffenen entscheidend ist. Viel zu oft wird versucht, Diskriminierung ausschließlich aus der Perspektive derjenigen zu bewerten, die sie verursacht haben. Doch entscheidend ist auch, wie Aussagen und Handlungen beim Gegenüber ankommen. Der islamische Gelehrte Mevlana Rumi formulierte es treffend: „Es kommt nicht darauf an, was du sagst, sondern was dein Gegenüber davon versteht.“ Viele Betroffene beginnen irgendwann an sich selbst zu zweifeln und fragen sich: „Bin ich zu empfindlich?“ Genau dieses Schuldgefühl verstärkt die psychische Belastung zusätzlich. Wer bestimmt also, ab wann eine Handlung, ein Spruch Diskriminierung war? Hier zählt ganz klar das Gefühl des Betroffen. Ob eine Erfahrung als diskriminierend empfunden wird, kann deshalb nicht ausschließlich von der Absicht der handelnden Person abhängig gemacht werden. Natürlich gibt es Situationen, in denen Menschen keine bewusste Diskriminierungsabsicht hatten. Dennoch kann eine Aussage oder Handlung verletzend wirken und bei Betroffenen das Gefühl erzeugen, abgewertet oder ausgeschlossen zu werden. Deshalb muss das Empfinden der Betroffenen ernst genommen werden. Eine Gesellschaft, die Diskriminierung wirksam bekämpfen möchte, darf sich nicht nur fragen, was gemeint war, sondern auch, was tatsächlich ausgelöst wurde. Erinnerung darf keine Hierarchie des Leids schaffen Eine demokratische Gesellschaft muss in der Lage sein, verschiedene Formen von Diskriminierung gleichzeitig ernst zu nehmen. Antisemitismus muss kompromisslos bekämpft werden. Gleichzeitig darf die Gesellschaft nicht blind für antimuslimischen Rassismus, antischwarzen Rassismus oder andere Formen der Ausgrenzung werden. Erinnerungskultur verliert ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie historische Sensibilität nur selektiv anwendet. Wer aus der Geschichte lernen möchte, darf nicht nur auf vergangene Opfer schauen, sondern muss auch aktuelle Mechanismen der Entmenschlichung erkennen. Dabei geht es nicht um Gleichsetzungen historischer Verbrechen. Geschichte wiederholt sich niemals identisch. Aber gesellschaftliche Dynamiken ähneln sich oft erstaunlich stark. Deshalb bleibt der Satz von Ibn Khaldun so aktuell. Eine demokratische Gesellschaft muss früh reagieren Das eigentliche Problem vieler Gesellschaften besteht darin, dass sie Gefahren erst erkennen, wenn sie bereits eskaliert sind. Doch demokratische Verantwortung beginnt viel früher. Sie beginnt dort, wo Menschen systematisch ausgeschlossen werden, wo Vorurteile politisch normalisiert werden oder wo Minderheiten nur noch als Sicherheitsfrage oder kulturelles Problem diskutiert werden. Eine funktionierende Erinnerungskultur müsste deshalb viel stärker präventiv wirken. Sie müsste Menschen befähigen, Mechanismen frühzeitig zu erkennen. Nicht erst Gewalt, sondern bereits ihre gesellschaftlichen Vorstufen. Räume des Zuhörens Gerade deshalb braucht es Räume des Zuhörens. In Therapie, Beratung und Seelsorge ist Zuhören eine der wichtigsten Kompetenzen überhaupt. Betroffene brauchen zunächst Menschen, die ihnen ohne Relativierung zuhören und ihnen Raum geben, über das Erlebte zu sprechen. Heilung beginnt oft genau dort, wo Schmerz ausgesprochen werden darf. Erst wenn Menschen ihre Erfahrungen erzählen können, ohne sich rechtfertigen zu müssen, entsteht das Gefühl, wieder gesehen und ernst genommen zu werden. Verletzlichkeit ist dabei keine Schwäche, sondern etwas zutiefst Menschliches. Problematisch wird Verletzlichkeit erst dann, wenn Menschen mit ihrem Schmerz alleine gelassen werden. Deshalb müssen Gesellschaften lernen, Verletzlichkeit gemeinsam zu tragen, damit daraus keine Isolation entsteht. Betroffene brauchen sichere Räume, in denen ihre Erfahrungen ernst genommen werden und in denen sie nicht nur symbolisch eingeladen, sondern tatsächlich in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Solche Räume schaffen Begegnung, Dialog und die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen. Gerade in polarisierten Zeiten braucht eine demokratische Gesellschaft Orte, an denen Menschen einander zuhören, voneinander lernen und gemeinsam Verantwortung für gesellschaftlichen Zusammenhalt übernehmen. Kennenlernen Wichtig ist deshalb vor allem echte Begegnung. Viele Vorurteile entstehen dort, wo Menschen einander nicht kennen. Ali, der Schwiegersohn des Propheten Muhammed, sagte einst sinngemäß: „Der Mensch ist Feind dessen, was er nicht kennt.“ Durch Begegnung und Kennenlernen erkennen Menschen häufig, wie viele Gemeinsamkeiten sie miteinander teilen. Darin liegt eine der wichtigsten Voraussetzungen für gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Nie wieder“ ist kein historischer Satz, sondern eine tägliche Aufgabe Die größte Gefahr moderner Gesellschaften besteht nicht darin, dass sie sich für unmoralisch halten. Die größte Gefahr besteht darin, dass sie überzeugt sind, aus der Geschichte bereits ausreichend gelernt zu haben. Doch Erinnerung ist niemals abgeschlossen. Sie ist kein Denkmal aus Stein, sondern eine gesellschaftliche Haltung, die sich jeden Tag neu bewähren muss. „Nie wieder“ bedeutet deshalb nicht nur, an Vergangenes zu erinnern. Es bedeutet vor allem, heutige Mechanismen der Ausgrenzung zu erkennen, bevor sie sich gesellschaftlich verfestigen. Dann erst entscheidet sich, ob Erinnerungskultur tatsächlich schützt oder nur beruhigt. Dr. Cemil Şahinöz, Islamische Zeitung, Juli 2026 https://islamische-zeitung.de/nie-wieder-erinnerungskultur-konsequent-sein/
  11. Zum Download: https://play.google.com/store/apps/details?id=appinventor.ai_mwoswo.Dragon_Pearl_og Begib Dich auf ein episches Abenteuer und rette die legendäre Dragon Pearl! Der dunkle Schattenfürst Zorak hat die mächtige Dragon Pearl gestohlen und das Reich ins Chaos gestürzt. Nur Du kannst die verlorene Kraft der Perle zurückbringen und das Land vor der Dunkelheit bewahren. Erkunde zehn abwechslungsreiche Welten voller Gefahren, Geheimnisse und mächtiger Gegner. Kämpfe gegen Goblins, Ritter, Geister, Drachen und viele weitere Kreaturen. Stelle Dich gewaltigen Endgegnern und gewinne Stück für Stück die Macht der Dragon Pearl zurück. Unterwegs erhältst Du die Unterstützung treuer Begleiter. Ein mutiger Wolf, ein scharfsichtiger Falke und ein mächtiger Löwe kämpfen an Deiner Seite und helfen Dir im Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Merkmale • 10 spannende Level mit unterschiedlichen Umgebungen • Einzigartiger Endgegner in jeder Welt • Wolf, Falke und Löwe als Begleiter • Schwertkämpfe und Sprünge • Plattformen und Kisten • Level-Codes zum späteren Fortsetzen • Weltkarte mit freischaltbaren Regionen • Deutsche und englische Sprache • Optimiert für Smartphone und Tablet • Klassischer Retro-Pixelstil mit modernem Spielgefühl Kannst Du Zorak besiegen und die Dragon Pearl retten? Das Schicksal des Reiches liegt in Deinen Händen! Zum Download: https://play.google.com/store/apps/details?id=appinventor.ai_mwoswo.Dragon_Pearl_og Teilen Sie dies mit:
  12. Die neueste Ausgabe der interkulturellen, unabhängigen Zeitschrift für Wissenschaft, Integration und Religionswissenschaften „Ayasofya“ ist erschienen. Zum Bestellen: https://www.lesen24.com/detail/index/sArticle/98/sCategory/19 Die neue Ayasofya enthält u.a.: Auf deutsch: Der Prophet Muhammed – Ein vollkommenes moralisches Vorbild (Mehmed Paksu) Anbetung und Gottesdienst (Said Nursi) Seelsorge in den Texten von Said Nursi (Dr. Cemil Şahinöz) Hilfeschreie im Osten von China (Kürşat) Wer sät, der erntet (Dilek Cavallaro) Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes (Gino Cavallaro) My Halal Check (Songül Şahinöz) Durch Hungern den Hunger stillen? (Ahmet Demirbilek) Das Gift des Rassismus (Yasin Baş) Auf türkisch: İbadet çok büyük bir ticarettir (Said Nursi) İnanmayanların Allah´a düşman olmasının sebebi nedir? (Mehmet Evren) Berlin Risale-i Nur Hizmetleri (Musa Coşkuner) Yoluma Kuşlar Konduran Rabbim (Seda Karabacak) Esselamün Aleykum ya „Ü“ harfi (Selma Öztürk) Mizah Köşesi (Şükrü Keseli)
  13. Alman psikoterapist Dr. Christina Kayales: Risale-i Nur, insanın ruhsal yaralarına şifa sunan bir eczane Almanya’da bu yıl beşincisi düzenlenen Bediüzzaman Said Nursi Sempozyumu, farklı şehirlerden gelen akademisyenleri, manevi bakım uzmanlarını ve Risale-i Nur okuyucularını Hannover’de bir araya getirdi Daha önce Bonn ve Osnabrück’te gerçekleştirilen sempozyum, ilk kez Hannover’de düzenlenirken yoğun katılım ve canlı tartışmalarla dikkat çekti. Osnabrück merkezli ve Almanya’da İslami Manevi Bakım alanındaki öncü çalışmalarıyla tanınan Islamkolleg tarafından organize edilen sempozyumun teması, “Risale-i Nur’un Işığında İslami Manevi Bakım: Said Nursi’nin İnanç, Dayanıklılık ve Modern Yaşam Alanlarına İlişkin Yaklaşımları” olarak belirlendi. İlahiyatçı ve biyolog Nurdan Kudu’nun sunuculuğunu üstlendiği programın açılış konuşmasını Islamkolleg Bilimsel Direktörü Dr. Yılmaz Gümüş yaptı. Gümüş, konuşmasında Mevlânâ Celâleddîn-i Rûmî, İmam-ı Rabbânî ve Bediüzzaman Said Nursi’nin manevi bakım anlayışına sundukları katkıları ele alarak, bu büyük şahsiyetlerin günümüz insanının manevi ihtiyaçlarına ışık tutmaya devam ettiğini vurguladı. İNSANIN RUH DÜNYASINA HİTAP EDEN GÜÇLÜ BİR MANEVİ DESTEK Ardından söz alan Islamkolleg Yönetim Kurulu Üyesi Avni Altıner, Said Nursi’nin özellikle hastalar, mahkûmlar ve zor hayat şartlarıyla mücadele eden insanlar için geliştirdiği manevi rehberlik yaklaşımına dikkat çekti. Altıner, Risale-i Nur’un sadece teorik bir eserler bütünü olmadığını, aynı zamanda insanın ruh dünyasına hitap eden güçlü bir manevi destek kaynağı olduğunu ifade etti. Sempozyumda konuşan sosyolog ve din psikoloğu Dr. Cemil Şahinöz ise İslam’da manevi bakım geleneğinin tarihsel kökenlerini anlatarak Almanya’daki güncel uygulamalar hakkında bilgi verdi. Şahinöz, Said Nursi’nin eserlerinin modern manevi bakım çalışmalarına sunduğu katkıları değerlendirirken, özellikle anlam arayışı, sabır, umut ve dayanıklılık gibi konuların günümüz toplumunda giderek daha fazla önem kazandığını belirtti. “İNSANIN RUHSAL YARALARINA ŞİFA SUNAN BİR ECZANE” Programın dikkat çeken sunumlarından birini gerçekleştiren ilahiyatçı ve psikoterapist Dr. Christina Kayales, Risale-i Nur ile modern psikoterapi yöntemleri arasındaki ortak noktaları ele aldı. Kayales, Risale-i Nur Külliyatı’nı “insanın ruhsal yaralarına şifa sunan bir eczane” olarak nitelendirirken, bu benzetme salondan büyük alkış aldı. Konuşmasında, eserlerin bireyin iç dünyasını güçlendiren yönlerine ve psikolojik dayanıklılığa yaptığı katkılara da vurgu yaptı. Sempozyumun son bölümünde telefonla manevi bakım hizmeti yürüten Mohammad Imran Sagir, Sosyal Hizmetler sunan Duha e.V. derneğinin kurucusu ve başkanı Mustafa Dedekeloğlu, Almanya Bosna Hersek İslam Toplumu Müftüsü Aldin Kusur ve Islamkolleg Yönetim Kurulu Üyesi Dr. Coşkun Sağlam söz aldı. Konuşmacılar, kendi çalışma alanlarından örnekler vererek manevi bakımın bireyler ve toplum üzerindeki etkilerini değerlendirdiler. Ayrıca Risale-i Nur’un, farklı sosyal ve kültürel alanlarda nasıl bir rehberlik sunduğuna dair tecrübelerini paylaştılar. Programın ardından Hannover’de bulunan Risale-i Nur Medresesi’nde katılımcılara yemek ikram edildi. Samimi bir atmosferde gerçekleşen buluşmada, katılımcılar Bediüzzaman Said Nursi’nin fikirleri, Risale-i Nur’un günümüzdeki önemi ve manevi bakım çalışmalarının geleceği üzerine uzun sohbetler gerçekleştirdi. Böylece sempozyum, yalnızca akademik bir toplantı olmanın ötesine geçerek fikir alışverişinin ve kardeşlik bağlarının güçlendiği anlamlı bir buluşmaya dönüştü. Risale Haber, 22.06.2026 https://www.risalehaber.com/alman-psikoterapist-dr-christina-kayales-risale-i-nur-insanin-ruhsal-yaralarina-452953h.htm
  14. (19.06.2026) Seelsorge in den Texten von Said Nursi Seelsorge in den Texten von Said Nursi Das Aufsuchen eines Therapeuten, Beraters oder Seelsorgers war in der islamischen Geschichte nie ein Tabuthema. Ein Gespräch mit einem solchen Experten war gewissermaßen eine Auslegung des Koranverses „Diejenigen, die ihre Angelegenheit(en) durch Beratung untereinander (regeln)“ (Koran, 42:38). So gab es stets islamische Gelehrte, die sich mit den Themen der menschlichen Psychologie befassten, etwa Harith al Muhasibi (9. Jhr.), al Kindi (9. Jhr.), Abu Bakr ar Razi (10. Jhr.), Farabi (10. Jhr.), Ibn Sina (Avicenna, 11. Jhr.), Gazali (11. Jhr.), Fahraddin ar Razi (13. Jhr.) und Ibn Khaldun (15. Jhr.). Dies änderte sich jedoch ab der Industrialisierung im 19. Jhr. Seitdem hat die Menschheit in technischer und materieller Hinsicht enorme Fortschritte gemacht. Diese Entwicklung war aber nicht von einem gleichwertigen Fortschritt in ethischer, spiritueller und seelischer Hinsicht begleitet. Im Gegenteil, die Spiritualität ist zurückgegangen, und die Menschen haben den ersehnten inneren Frieden nicht im Materiellen gefunden. Sie sind von materiellen Dingen, gesellschaftlichen Positionen oder anderen Faktoren abhängig geworden. So hat sich nicht nur die Wirtschaft, sondern auch psychische Probleme und Unzufriedenheit haben sich globalisiert. Als Gegenmittel gegen diese gesellschaftlichen psychischen Krisen empfahl der Islamgelehrte Said Nursi Glauben und Vertrauen: „Ich schätze, dass diejenigen, die auf dem ganzen Erdenrund in allem Sturm und Brand noch den Frieden des Herzens bewahren und die Ruhe des Geistes retten können, einzig diejenigen sind, die den wahren Glauben und Vertrauen in Gott besitzen und darum zufrieden sind“ (Nursi, k.A.a, S. 121). Er sah den Glauben als ein Anker gegen jegliche Krisen. Bekanntlich setzte sich Nursi dafür ein, Naturwissenschaften mit Religionswissenschaften zu vereinen: „Die Wissenschaft von der Religion ist das Licht des Gewissens. Die Naturwissenschaft spiegelt das Licht der Vernunft wider. Die Wahrheit wird offenbar durch die Vereinigung der Beiden. Wenn sie getrennt sind, kommt es zu Fanatismus in der Religion. Und es entstehen Argwohn und Zweifel in der Wissenschaft” (Nursi, 1999, S. 80). Wenn man diesen Ansatz auf die Psychotherapie überträgt, war Nursi für die Erweiterung des modernen Verständnisses von Psychologie um die Faktoren Glaube und Spiritualität. Im Grunde also das, was eine gute Seelsorge ausmacht. Wenn Glaube in der Therapie ausgeblendet wird, kann dies ggfs. keine vollumfassende Hilfe ermöglichen. Gleichzeitig würde eine Ablehnung der Psychologie dazu führen, dass psychische Erkrankungen nicht ernst genommen werden. Daher setzte sich Nursi für eine Synergie zwischen spirituellen Aspekten und modernen Wissenschaften ein (vgl. Rahman, 2020) und betonte die Rolle spiritueller Aspekte in den modernen Wissenschaften. Demnach kann keine Psychologie existieren, ohne die spirituelle Realität zu berücksichtigen. Durch die Verwendung von göttlichen Quellen werden verschiedene Informationen über die menschliche Natur bereitgestellt. Die Ausklammerung göttlicher Informationen würde die Psychologie zu einer halben Wahrheit machen. Daher entwickelte er ein integratives islamisches Persönlichkeitsmodell, das die Seele miteinschließt. Dabei sei es wichtig, Lösungsansätze und Hilfestellungen zu geben, die diese beiden Methoden kombinieren und der Natur des Menschen und seiner Beschaffenheit entsprechen. „Die natürliche Beschaffenheit lehnt alles ab, was unnatürlich und ungebührlich ist, und verwirft es“ (Nursi, k.A.c, S. 625). Hierzu gibt Nursi auch ein Beispiel: „Sich an die Anweisungen geschulter und gläubiger Ärzte zu halten, ist ein bedeutendes Heilmittel. Die meisten Krankheiten entstehen durch Missbrauch, Unmäßigkeit, Maßlosigkeit, Lasterhaftigkeit, Ausschweifung und Unvorsichtigkeit. Der gläubige Arzt wird dem Kranken sicherlich im Rahmen dessen, was erlaubt ist, einen Rat erteilen oder ihm etwas verbieten. Er wird ihm Missbrauch und Maßlosigkeit verbieten und ihm Trost geben. Der Kranke, der auf diese Ratschläge und Tröstungen vertraut, wird für seine Krankheit Erleichterung finden, und nach seiner Beklemmung froh und frei atmen können. […] Wenn aber jemand in die Hände jener unbarmherzigen, halbgebildeten oder verständnislosen Doktoren gerät, verschlimmert sich noch seine Einbildung. Handelt es sich dabei um einen Reichen, verliert er ein Vermögen. Und wenn nicht dies, dann den Verstand oder die Gesundheit“ (Nursi, k.A.d, S. 433ff). Daher ist es im Sinne von Nursi wichtig, Psychotherapie und Glaube zu verbinden. Hierfür sehen wir Ansätze in seinen Werken. Selbstverständlich sind die Werke von Nursi, also die Risale-i Nur, keine Therapiebücher und enthalten keine psychotherapeutischen Methoden. Doch wie bei anderen Büchern auch – etwa in den Geschichten von Rumi (vgl. Tarhan, 2012), in Büchern über die Beziehung zwischen Koran, Hadith und Psychotherapie (vgl. Necati, 2008, 2011; Tarhan, 2009; Laabdallaoui, Rüschoff, 2009) – gibt es auch in den Schriften von Nursi wertvolle Erkenntnisse zur menschlichen Psychologie (vgl. Şahinöz, 2016, 2020; Şahinöz, Altıner, 2018). Natürlich ist das Hauptziel der Risale-i Nur nicht die Psychotherapie, aber es ist möglich, die aus diesen Schriften gewonnenen Erkenntnisse in der Selbstbehandlung und Selbstreflexion zu nutzen. In der Psychologie wird dies als Bibliotherapie bezeichnet – also als Therapie durch das Lesen von Texten. Konkrete Textstellen aus der Risale-i Nur, die sich im Bereich der Psychotherapie und Seelsorge bewegen, sind z.B. 21. Wort – Unterbewusstsein des Menschen und Zwangsgedanken 26. Wort – Schicksal und freier Wille 29. Wort – die Natur des Geistes 30. Wort – Selbsterkenntnis 17. Brief – Beileidsbekundungen bei Kindestod 20. Brief – Tröstungen 22. Brief – Beziehungen zwischen Menschen 2. Lichtblitz – Geduld bei Krankheiten und Krisen 13. Lichtblitz – Zwangsgedanken 25. Lichtblitz – Seelenführer für die Kranken 26. Lichtblitz – Tröstungen In solchen und weiteren ähnlichen Textstellen beschäftigt sich Nursi mit Themen der Seelsorge und Psychotherapie, wie z.B. Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Depression, Zwangsgedanken oder Hilflosigkeit. Er bietet dem Leser einen Perspektivenwechsel (vgl. Şahinöz, 2024) an, in dem er sowohl dem menschlichen Sein als auch Krankheiten und Krisen einen Sinn gibt. Auf diese Weise bewahrt er den Menschen vor der Sinnlosigkeit. Nursi bietet daher “Medikamente“ im Sinne eines Perspektivenwechsels an. Da seine Quellen stets der Koran und die Traditionen des Propheten Muhammed sind, stammen diese Medikamente aus der Apotheke des Korans und sind daher wirksam, weil sie mit der Natur des Menschen vereinbar sind. Im Koran heißt es: „Er (der Koran) ist für diejenigen, die glauben, eine Rechtleitung und eine Heilung“ (Koran, 41:44), „Wir offenbaren vom Koran, was für die Gläubigen Heilung und Barmherzigkeit ist“ (Koran, 17:82). Nursi drückt diese Tatsache wie folgt aus: „Dieser Heilungsvers war lange Zeit das Heilmittel und die Medizin für meine Probleme, und ich habe ihn aus den Mitteln des allweisen Korans, der die große Apotheke Gottes ist, und aus den Gläsern der Risale-in-Nur entnommen. Ich fand darin tausend Heilmittel für meine Probleme“ (Nursi, 2000b, S. 703), „Wenn sie aus der heiligen Apotheke des Koran die Medikamente des Glaubens als ein Gegengift zu entnehmen wissen, können sie sowohl ihre eigenen Krankheiten als auch die Wunden der Menschheit heilen“ (Nursi, k.A.b, S. 56). Letztendlich gelingt die Verbesserung des seelischen Zustandes laut Nursi durch die Beschäftigung mit dem Glauben: „Denn da sie im Lichte und in der Sichtweise des Unterrichts im wahren Glauben, […] in allen Dingen stets die Spur und das Antlitz der göttlichen Barmherzigkeit erblicken, in allen Dingen Seine vollkommene Weisheit und die vollkommene Ausgewogenheit Seiner Gerechtigkeit bezeugen, in vollkommener Hingabe und Zufriedenheit auch mit allem Unglück, das zum Handeln der Herrschaft Gottes hinzu gehört und das sie in Ergebenheit und Gelassenheit, zufrieden auf sich nehmen, keineswegs versuchen, in ihrem Mitgefühl selbst noch über die göttliche Barmherzigkeit hinauszugehen, erleiden sie auch niemals Pein und Qual“ (Nursi, k.A.a, S. 121). In einem anderen Brief erwähnt Nursi die weltlichen Vorteile der Beschäftigung mit den Glaubenswahrheiten und schreibt in diesem Zusammenhang: „Ruhe und Freude im Herzen“ (Nursi, k.A.e, S. 174). Fazit Seelsorge und Psychotherapie haben im Islam eine lange Tradition, die aber in der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts an Bedeutung verlor. Said Nursi kritisiert den Rückgang von Spiritualität und den Fokus auf Materialismus, der innere Unzufriedenheit fördert, und sieht Glauben und Vertrauen in Gott als Heilmittel gegen Krisen. Er verbindet Natur- und Religionswissenschaften und erweitert Psychotherapie um spirituelle Elemente, da Glaube und Spiritualität essenzielle Faktoren für seelisches Wohlbefinden sind. Seine Werke sind keine Therapiebücher, bieten jedoch durch Ansätze wie Perspektivenwechsel, Trost und Sinngebung wertvolle Beiträge zur Seelsorge. Nursi bezeichnet den Koran als “Apotheke Gottes“ und glaubt, dass dessen Heilmittel den seelischen Zustand verbessern können. Er hebt hervor, dass Krankheiten und Krisen durch Glaubenswahrheiten als sinnvoll erkannt werden können, was Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit vorbeugt. Für ihn führen diese Wahrheiten zu Gelassenheit, innerem Frieden und einer tiefen Verbindung zu göttlicher Barmherzigkeit. Letztlich sieht er Glauben als unverzichtbares Gegengift gegen die seelischen Wunden der Menschheit. Dr. Cemil Şahinöz, Ayasofya Zeitschrift, Nr. 67, 2026 Literatur Laabdallaoui M., Rüschoff I.: Ratgeber für Muslime bei psychischen und psychosozialen Krisen. Edition Bukhara: Mössingen, 2009 Necati O.: Hadis ve Psikoloji. 2. Baskı. Fecr: Ankara, 2008 Necati O.: Kur´an ve Psikoloji. 3. Baskı. Fecr: Ankara, 2011 Nursi S.: Münazarat. Yeni Asya: İstanbul, 1999 Nursi S.: Şualar. Yeni Asya: Istanbul, 2000b Nursi S.: Briefe aus Kastamonu. VFJH: Köln, k.A.a Nursi S.: Briefe aus Barla. VFJH: Köln, k.A.b Nursi S.: Worte. VFJH: Köln, k.A.c Nursi S.: Blitze. VFJH: Köln, k.A.d Nursi S.: Briefe aus Emirdag. VFJH: Köln, k.A.e Rahman S. A.: The Epistemology, Ontology and Axiology of Psychology from Islamic Perspectives. Imam Nursi as a Model. In: The Journal of Risale-i Nur Studies, 3:2, 2020, S. 14-17 Şahinöz C.: Pozitif ol. Pozitif bak. Psikolojik Terapide Risale-i Nur. Zafer Yayınları: Istanbul, 2016 Şahinöz C.: Kalbinizle yaptığınız her şey, size geri dönecektir. Kitap Arası: Istanbul, 2020 Şahinöz C.: Perspektivenwechsel. Durch positive Psychologie das Leben neu entdecken. BOD: Norderstedt, 2024 Şahinöz C., Altıner A.: Islamische Seelsorge bei Said Nursi. BOD: Norderstedt, 2018 Tarhan N.: İnanç Psikolojisi. Timaş: İstanbul, 2009 Tarhan N.: Mesnevi Terapi. Timaş: İstanbul, 2012
  15. (19.06.2026) Der Mensch braucht Sinn Der Mensch braucht Sinn Wir leben in einer Zeit, in der Informationen schneller reisen als Gedanken. Meinungen entstehen oft, bevor Wissen gereift ist. Schlagzeilen wechseln im Stundentakt. Empörung wird zur Währung sozialer Medien. Und während die Welt immer lauter wird, wächst in vielen Menschen eine stille innere Leere. Gerade in solchen Zeiten braucht der Mensch Orte der Orientierung. Nicht nur geografische Orte, sondern geistige Orte, an denen nicht die Lautstärke zählt, sondern die Wahrheit. Nicht die Schnelligkeit, sondern die Tiefe. Nicht die Aufregung des Moments, sondern die Weisheit, die über Jahrzehnte und Jahrhunderte trägt. Ayasofya möchte ein solcher Ort sein. Der Name Ayasofya erinnert an Geschichte, Zivilisation und spirituelle Tiefe. Er erinnert an die Begegnung von Vergangenheit und Gegenwart. An Verantwortung gegenüber dem Erbe früherer Generationen und gleichzeitig an die Pflicht, Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu finden. Denn die Fragen sind groß. Wie bewahren Familien ihren Zusammenhalt in einer Zeit zunehmender Individualisierung? Wie schützen wir unsere Kinder vor Orientierungslosigkeit in digitalen Welten? Wie sprechen wir über Glauben in einer Gesellschaft, die Religion oft entweder romantisiert oder problematisiert? Wie begegnen wir gesellschaftlicher Spaltung, wachsendem Misstrauen und einer Sprache, die immer härter wird? Soziologen wissen, dass Gesellschaften nicht plötzlich zerbrechen. Sie verlieren zunächst gemeinsame Werte, gemeinsame Sprache und gemeinsame Verantwortung. Als Gläubige wissen wir zugleich, dass Krisen nicht nur Bedrohungen sind. Sie können auch Weckrufe sein. Gerade deshalb wollen wir in jeder Ausgabe nicht nur Probleme beschreiben. Davon gibt es bereits genug. Wir wollen Hintergründe liefern, Perspektiven eröffnen und Hoffnung stärken. Wir sprechen über Familie, Bildung, Identität, Spiritualität, gesellschaftlichen Wandel und die Herausforderungen des modernen Lebens. Wir analysieren Entwicklungen nüchtern, aber niemals kalt. Wir argumentieren kritisch, aber niemals destruktiv. Und wir erinnern daran, dass Fortschritt ohne Moral und Freiheit ohne Verantwortung langfristig den Menschen schwächen können. Besonders junge Menschen stehen heute zwischen vielen Welten. Zwischen Tradition und Moderne. Zwischen Herkunft und Zukunft. Zwischen digitaler Selbstdarstellung und echter Selbstfindung. Sie brauchen keine moralischen Vorträge. Sie brauchen glaubwürdige Vorbilder, ehrliche Gespräche und Räume, in denen Fragen erlaubt sind. Auch Familien tragen heute enorme Lasten. Wirtschaftlicher Druck, Zeitmangel und gesellschaftliche Unsicherheiten wirken direkt in das Zuhause hinein. Umso wichtiger ist es, Familie nicht als romantische Erinnerung zu betrachten, sondern als gesellschaftliches Fundament. Und schließlich bleibt die spirituelle Frage bestehen. Wer bin ich? Warum bin ich hier? Was gibt meinem Leben Sinn? Es sind Fragen, die technologische Entwicklungen nicht beantworten können. Auch künstliche Intelligenz, wirtschaftlicher Wohlstand oder politischer Fortschritt ersetzen nicht die Suche nach innerem Frieden. Der Mensch braucht mehr als Konsum, Unterhaltung und Ablenkung. Er braucht Sinn. Ayasofya versteht sich stets als Einladung zum Nachdenken. Vielleicht auch zum Innehalten. Vielleicht zum Perspektivwechsel. Wenn ein einziger Artikel dazu beiträgt, dass ein Leser bewusster lebt, eine Familie neue Hoffnung schöpft oder ein junger Mensch seinen Wert erkennt, dann hat diese Ausgabe ihren Zweck erfüllt. Dr. Cemil Sahinöz, Ayasofya Zeitschrift, Nr. 67, 2026
  16. Wa alaikum salam, natürlich werden die Schulden inschallah wieder zurückgezahlt. (Ich selbst habe ja sowieo keine). Aber wenn man Schulden hat, bei denen Zinsaufwendungen anfallen und man versehentlich stirbt, so dass man die Schulden nicht mehr zurückzahlen kann, dann werden die Schulden auch immer mehr. Im Internet steht, dass auch eine Zinslast eine Sünde ist, weil die Banken davon profitieren. Aber wenn man nichts dafür kann, dass man Schulden hat? Wird man dann auch im Jenseits mit dem Höllenfeuer bestraft? (Man unterstützt ja die Zentralbanken damit indirekt, auch wenn man nichts dafür kann, dass man Schulden hat). Im Endeffekt kann man sein und hart arbeiten was man möchte. Wer Schulden hat oder nicht bestimmt Allahs Schicksal. Danke für Eure hilfreichen Antworten Wa alaikum salam
  17. Wa Alaikum Salam, Allah ist Barmherzig. Er kann jede Sünde verzeihen. Egal, wie groß sie ist. Daher können wir nicht mit Gewissheit wissen, wer für etwas belohnt oder bestraft wird. Wichtig ist es, sich von Sünden fern zu halten. Wenn du Schulden hast, versuche sie zurückzuzahlen. Wenn du Zinsen erhälst, versuche sie abzuwenden, so dass du zinslos bleibst. Man muss in dieser vergänglichen Welt nicht reich werden und Millionen besitzen. Geht sowieso alles vorüber. Echtes Reichtum ist es, das unser Herz in Frieden lebt. wassalam
  18. @ Mit Schulden meine ich hier Zinsschulden. Da ich gehört habe, dass auch Zinssschulden Sünden sind wollte ich mich hiermit nochmals vergewissern, ob man durch Zinsschulden in die Hölle kommt, auch wenn man nichts dafür kann, dass man diese Zinsschulden hat. Schließlich sind es ja die Banken, die die Zinsen verlangen. Wa alaikum salam
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