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Qries Qries Qries Qries Qries Qries

Empfohlene Beiträge

Genau, und die Masken der so lieblichen Kinder und die Steine in den Händen, das sind nur missverstandene Geschenke. Die kaputte Heckscheibe ist bestimmt ein Versehen gewesen. So viele Kameras vor Ort und nur den "Unfall" veröffentlicht. Solche Leute wie du, die nur die eine Seite sehen, das sind die, die keiner braucht und am meisten Schaden anrichten.
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Ich will zu der Art etwas sagen. Keine Ahnung, hab mir den Link grad etwas angeschaut, aber nicht so lange, dass ich mir auf die Schnelle eine Meinung bilden konnte. Aber; man, angenommen, es ist wahr, huntertprozentig wahr. Kannt man nicht sachlich bleiben und sagen; "Siedler überfahren Kind"?

 

Feind Allahs usw ... es ist so ... nicht korrekt einfach. Ich weiß gar nicht wie ich manchmal meine Gefühle dem Forum passend formulieren soll.

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Feind Allahs usw ... es ist so ... nicht korrekt einfach. Ich weiß gar nicht wie ich manchmal meine Gefühle dem Forum passend formulieren soll.

Liegt wohl daran dass einige alles nur nach 2 Gesichtspunkten unterscheidend auffassen und auch gleich danach "richten". Mehrschichtiges denken ist dann schwierig. Wenn das aber auch aufrichtig im Leben umgesetzt werden würde, dann würde ich Respekt zollen.

Stell Dir mal vor, Du hast keine Möbel und keine Kochstelle, denn die sind vom Feinde Allahs. Du fährst auch kein Auto und kannst damit nicht zur Arbeit fahren oder Deine Arbeit machen, denn die Autos sind alle von Feinden Allahs gebaut. Der Wohnungsschlüssel in Deiner Tasche, Deine Schuhe, die Kaffeemaschine die Du bedienst, der DVD-Player, der Regenmantel ist aus China, die Tomaten auf dem Teller aus Spanien, der Monitor ist auch nicht MAde in Iran, die Tastatur ist zwar aus Asien aber nicht aus einem muslimischen Land also de facto von den Feinden Allahs.

 

Aber wie gesagt, solange das nicht der Fall ist steckt auch dahinter eine gewisse doppelmoral dahinter.

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Stell Dir mal vor, Du hast keine Möbel und keine Kochstelle, denn die sind vom Feinde Allahs.

 

Wenn Allah der arabische Name Gottes ist, wie können dann alle anderen, ausgenommen die Muslime natürlich, Feinde Allahs sein? Hat der Islam nun das alleinige Recht an Gott zu glauben übernommen? So ein Blödsinn lese ich andauernd.

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Nein Jörg, wie kommst du nur drauf? Nur Muslime glauben an Allah! Auch wenn Allah gleich Gott ist!

 

(Wette manche haben die Ironie nichtmal verstanden.)

 

Man, dabei ist der Scherz nicht einmal witzig -.-

 

Ja, Yilmaz schilderte das auch glaub ich aus der Sicht dieser .. einschichtig denkenden Menschen, werde ich mal gewagt sagen

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Stell Dir mal vor, Du hast keine Möbel und keine Kochstelle, denn die sind vom Feinde Allahs. Du fährst auch kein Auto und kannst damit nicht zur Arbeit fahren oder Deine Arbeit machen, denn die Autos sind alle von Feinden Allahs gebaut. Der Wohnungsschlüssel in Deiner Tasche, Deine Schuhe, die Kaffeemaschine die Du bedienst, der DVD-Player, der Regenmantel ist aus China, die Tomaten auf dem Teller aus Spanien, der Monitor ist auch nicht MAde in Iran, die Tastatur ist zwar aus Asien aber nicht aus einem muslimischen Land also de facto von den Feinden Allahs.

 

Ich komme gerade vom Arzt, der ist Iraner. Natürlich von den Konter Revoluzzern. Meinst du der fragt, wer sein Stethoskop, Auto oder die Pillen die er verschreibt gemacht hat? Und ich frage ihn nicht, ob er mich als Feind Allahs behandelt. Der würde mich wohl anschauen, als wenn ich beim falschen Arzt wäre.

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Weißt es ist ein breiteres Problem als das es den Anschein hat. Diese Methode der reduzierung auf das bloße, auf das einzig unterscheidbare führt nunmal auf fortwährende gegenseitige Ablehnung.Und vor allem die Art die da noch hinzu kommt.

Die "studierten", "belesenen","Künstler", sogar die vorbildpflichtigen Politiker und Parteien des Landes/Länder haben systematisch dafür gesorgt dass zunächst die eigene Bevölkerung die Muslime nur am wesentlichsten wahrnimmt. Über einen langen Zeitraum hinaus, Hand in Hand mit den Medien und wer aller noch wissen sie wahrscheinlich selbst nicht, aber dafür umso mehr Einfluss übend. Es sind nun schon Generationen heraus pubertiert seit das los ging. Für mich erscheint das auch durchaus logisch, das wer sich in Ablehung befindet eine noch größere Ablehnung produzieren wird. Es ist sinnlos die Menschen an den Rand des Hasses zu bringen um dann in der kritischsten Phase der einen Gruppe zu sagen "Du mußt Dich mit Allem ändern - Sei Du jemand anders, Jetzt!"

Solange die Regierungen diese Politik betreiben und gleichzeitig ihre eigenen Bürger scharf machen, um einen Keil gegen das friedvolle Zusammen zu treiben.

Denkverbot durch Ablehnung am anderen um Reaktionen einzufangen, genau das ist am Wochenende dem österreichischen Rechtspopulisten gelungen. Er erklärt öffentlich auf der Bühne Gegner des Islam, also Feind Allahs zu sein, damit wirbt er für sich. Seine Plakate erteilen Denkverbot durch Ablehnung um Reaktionen einzufangen. Genau damit geht er hausieren. Diesen Würsteln die ihm uninformiert hinterher folgen ist es gar nicht bewußt dass sie ihm auch im Jenseits folgen werden müssen. Das Bier hat ohnehinschon betäubt, egal wohin seine Reise geht, würde er sowieso gerne folgen - im Moment ;)

Das ist definitiv keine gute Gesellschaftspolitik die hier schon so lange Dornen zwischen die Leute saät.

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Yllatz, das ist doch Politik. Den Konservatieven laufen die Leute weg und sie fischen am rechten Rand. Wenn die sagen, du bist schlecht und du kommst mit der Axt, dann können sie wieder auf dich zeigen und sagen: Siehste wir haben Recht.

 

Ich hatte so ein Disk mit einem Palästinenser. Er wollte mir nachher an die Wäsche und zum Glück sind zwei Pakistanie dazwischen. Die Rabinzeit war noch nicht wirklich vorbei da ist Sharon auf den Tempelberg gegangen und hat ihn für die Israelis alleine beansprucht. Der wußte genau, das er ohne die Hilfe der Hamas nie gewählt werden würde und die Hamas tat ihm den gefallen und rief die zweite Infada aus und griffen mit Steinen und Raketen an. Nun konnte Sharon wieder auf die bösen Palästinenser zeigen und gewann prommt die Wahl. Deshalb sage ich auch, da lebt der eine von dem anderen. Hätten die Palästinenser ihn damals nur ausgelacht, wäre das anders verlaufen. Damit hätte er nicht gerechnet. Aber da die Hamas auch nur einen Grund sucht, zu zeigen wie schlecht Israel ist, um den Staat zu vernichten, nehmen die auch jeden Grund dankend an. Und wenn man den ganzen Blödsinn durchschaut hat, kann man daran teilhaben oder auch nicht.

 

Warum gehen sehs jährige Jungen auf die Straße und werfen mit Steinen auf die Autos. Die haben von Politik noch keine Ahnung. Man sagt es ihnen, das so was richtig ist und lobt sie noch und das geht dann so ewig weiter. Und vor der Kamera wollen dann beide Seiten natürlich Frieden. Der Witz dabei ist, es gibt da wirklich Menschen auf beiden Seiten, die wollen das. Nur werden das dann immer weniger, weil irgendeiner hat einem Familienangehörigen bestimmt schon mal vor´s Schienbein getreten und dadurch macht man sich eher Feinde als Freunde.

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I´m sorry, sind vom Thema abgekommen. Mein Posting ist in Richtung Europa, besonders Deutschland und Österreich abgeschweift. Bruder Du hast Recht, Palästina und Israel sind wesentlich komplexer verwoben.

 

Auf den Fotos sehe ich vordergründig Hass und die absolute Ablehnung. Niemand will diese "Leute" dort haben, nur die unbehaltenkeit der Kinder traut sich dort auf die Gasse, als wollen sie diesen "Fremdkörper" aus ihrer kleinen Welt raus haben. Soviel hat sich in all den vielen Jahren dort ereignet, es gibt nahezu niemanden dort dessen Schicksal nicht in irgendeiner Form negativ mit dem Davidstern in Relation steht. Das auf dem Foto ist ein aktuelles Ergebnis der realitätsfremden Politik des israelischen Staates. Da ist sogar der Funke in die radikalen Gruppen übergesprungen, mehr als es ihnen gut tun wird, nur ist das ihnen gar nicht bewußt weil sie selbst sehr Rechts stehen, und naturgemäß sie von dort keine Gefahr erwarten. Aber längst handeln sie schon in ihrem Sinne, haben dabei jegliches Maß und Verhältnismäßigkeit und vor allem die Menschlichkeit überschritten und sich selbst dabei aufs schlimmste bloß gestellt. Die ganze Welt hats gesehen, weil ihre Übertriebenheit einem gar nicht mehr entgehen kann: http://de.wikipedia.org/wiki/Phosphorbombe

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  • 4 Wochen später...

Die Jüdische Frage aus Sicht eines Muslims

 

Quelle: http://www.muslim-markt.de/forum/messages/2245.htm

 

 

 

Die Jüdische Frage aus Sicht eines Muslims

 

Beitrag eines Muslims zur Aktionswoche gegen Antisemitismus

 

Spricht man über das Judentum, so handelt es sich gemäß Wikipaedia um „die Gesamtheit aus Kultur, Geschichte, Religion und Tradition des sich selbst als Volk Israel bezeichnenden jüdischen Volkes. Mit dem Begriff können auch gezielt die jüdische Religion oder, als Gruppe, die sowohl ein Volk als auch eine Glaubensgemeinschaft darstellenden Juden (hebr. jehudim) angesprochen werden.“

 

Bereits bei dieser Definition wird klar, dass “das Judentum“ nicht so ohne Weiteres mit anderen Religionen, wie dem Islam oder dem Christentum, vergleichbar ist. Der Unterschied wird im folgenden Aspekt deutlich. Ein z.B. Christ ist zunächst jemand, der von christlichen Eltern geboren und dann auf deren Wunsch getauft wird und später sich selbst zum Christentum bekennt (unabhängig davon zu welcher Konfession oder Kirche). Sobald er sich nicht mehr zum Christentum bekennt, ist er kein Christ mehr! Als Christ kann er Deutscher, Türke oder Iraner sein (ja, es gibt auch iranische Christen!). Seine Staatsangehörigkeit ändert nichts an seiner Religion und seine Religion nichts an seiner Staatsangehörigkeit. Er kann seine Staatsangehörigkeit wechseln (wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind), würde aber dennoch Christ bleiben. Diese recht einfach zu verstehende Konstellation ist eigentlich in allen Religionsgemeinschaften gleich.

 

Auch ein Muslim ist nur so lange Muslim, so lange er sich zum Islam bekennt! Konvertiert er z.B. zum Christentum ist er logischerweise kein Muslim mehr, aber es hat keine Auswirkungen auf seine Staatsangehörigkeit. So gibt es in fast allen mehrheitlich muslimischen Ländern (bis auf die, die 150% in CIA-Hand sind) auch Christen als Staatsbürger und in fast allen mehrheitlich christlichen Ländern Muslime. Sie sind jeweils Staatsbürger “ihres“ Staates, und es gibt für sie aufgrund der Religion keinen Anspruch auf irgendeine Staatsbürgerschaft eines “Christenstaates“ oder eines “Muslimenstaates“. Selbst wenn sich z.B. die Islamische Republik Iran als “Islamischer Staat“ versteht, hat kein nichtiranischer Muslim deshalb das Recht, die iranische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Der iranische Christ wird im Iran stets mehr Rechte habe (wie z.B. das Wahlrecht aufgrund seiner Staatsbürgerschaft oder Grunderwerbsrecht) als ein nichtiranischer Muslim.

 

Verlässt man die monotheistischen Religionen, so stellt man fest, dass es auch bei den nichtmonotheistischen Religionen ähnlich geartet ist. Indien z.B. heißt “Hindustan“, also das “Land der Hindus“! Dennoch hat ein Hindu mit irgendeiner anderen Staatsbürgerschaft deshalb nicht einen Anspruch auf die indische Staatsbürgerschaft, nur weil er sich zum Hinduismus bekennt.

 

Um es kurz zusammen zu fassen: Das, was man in dieser Welt als “Religion“ bezeichnet, ist ein persönliches Bekenntnis, sobald man die Reife dazu hat. Dieses Bekenntnis hat idealerweise keinerlei Auswirkungen auf die Staatsbürgerschaft. Diese Denkweise ist auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert in Artikel 3 (3): „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden...“. Bezogen auf diese Abhandlung bedeutet es, dass kein deutscher Staatsbürger mindere oder höhere Rechte aufgrund seiner Abstammung oder Religion ableiten kann. Ein zum Islam konvertierter deutscher Staatsbürger, der aus einer christlichen Familie stammt, hat die gleichen Rechte und Pflichten, wie ein eingebürgerter ehemaliger Türke, der aus einer muslimischen, jüdischen oder sonstigen Familie stammt. Beide sind gleichberechtigte Staatsbürger. So ist das Ideal, und so ist auch das Verständnis (außer bei Nazis).

 

Bereits an dieser Stelle wird deutlich, dass es zwischen “dem Judentum“ und den anderen genannten Religionen einen gravierenden prinzipiellen Unterscheid gibt. Der Begriff “das Judentum“ steht hier in Anführungszeichen, weil hier eine unzulässige Verallgemeinerung durchgeführt wird, die im Folgenden differenziert werden soll, denn “das Judentum“ gibt es genau so wenig wie “das Christentum“ oder “den Islam“. Es darf aber bereits an dieser Stelle festgestellt werden, dass es keine Christen gibt, die Menschen auch dann als Christen betrachten, wenn sie sich zu einer anderen Religion bekennen (z.B. zum Buddhismus). Und es gibt auch keine Muslime, die jemanden als Muslim ansehen, der z.B. von sich behauptet, Atheist zu sein. Es gibt aber Juden – und das darf man auch als Nichtjude feststellen – die von sich behaupten, Atheist und dennoch Jude zu sein. Das genau führt zur jüdischen Frage, die nur letztendlich Juden beantworten können: Wer ist ein Jude?

 

Grundsätzlich steht es Nichtjuden nicht zu, definieren zu wollen, was das Judentum ist und was nicht und wer ein Jude ist und wer nicht. Daher soll hier nur aus der Erfahrung heraus und vereinfacht dargestellt werden, welche unterschiedlichen Ansichten es unter Juden selbst diesbezüglich gibt. Sollten dabei Fehler auftreten, werden die Vertreter der Gruppen gebeten, sich dazu zu äußern, damit es korrigiert werden kann. Auch eingefleischte Zionisten werden im Folgenden erkennen, dass anhand einer differenzierten Betrachtung der Versuch gestartet wird, Mauern der Feindschaft, die allen Beteiligten schaden, zu durchbrechen.

 

Eine erste Gruppe von Juden betrachtet sich als Juden vor allem durch Bekenntnis. Dabei steht das Bekenntnis zum Judentum als Religion und zu Gott im Vordergrund. Für diese Gruppe gibt es keine Staatsangehörigkeit “Jude“. Sie sind Juden aus religiöser Überzeugung und Staatsangehörige des Staates, zum dem sie gehören. Sie können deutsche Juden sein oder polnische oder auch türkische. Sie halten die Reinheitsregeln des Judentums ein wie auch die Gebote und den Sabbat; oder versuchen es zumindest. Für diese Gruppe ist die Annahme des Judentums durch einen Nichtjuden – wenn auch unter schweren Bedingungen – durchaus möglich. Der Holocaust war aus Sicht dieser Gruppe ein großes Verbrechen, das aber heute nicht mehr instrumentalisiert werden sollte. Aushängeschild für diese Art der Denkweise ist die Gruppe Naturei Karta, die den “Judenstaat“ Israel ablehnt. Für sie sind Palästinenser Vertriebene, die im missbrauchten Namen des Judentums unmenschlich behandelt werden.

 

Die zweite Gruppe betrachtet sich genau wie die erste Gruppe als “religiöse“ Juden. Sie leitet aus ihrer Religion allerdings das religiöse Recht ab, dass das Heilige Land unter der Kontrolle von Juden zu stehen hat. Wer sich dem widersetzt, wird bekämpft und kann sogar seinen Status als “Jude“ bis hin zu seinem Lebensrecht verlieren. Aushängeschild dieser Art der Denkweise sind “radikale“ Siedler, die an Gräbern von Massenmördern, die unschuldige unbewaffnete Zivilisten ermordet haben, beten, und einige darunter auch dem Mord am israelischen Ministerpräsidenten Rabin zugestimmt haben. Die schlimmsten Anführer dieser Gruppe haben sich gerade erst in den letzten Tagen extrem abfällig über Nichtjuden geäußert. Für diese Gruppe ist ein Mensch, der das Judentum annimmt, selbst nicht gleichwertig in der Religion, sondern seine Nachkommen erst in der soundsovielten Generation. Für sie gibt es keine Staatsbürgerschaft dieser Welt, die irgendeine Relevanz hätte. Ein Jude ist automatisch Israeli, unabhängig davon, ob er Deutscher, Pole oder Türke ist. Und er kann das Judentum auch nie verlassen. So ist z.B. der Atomforscher Vanunu, der zum Christentum konvertiert ist, in den Augen dieser Leute nach wie vor ein Jude. Die Leute dieser Gruppe leisten ihren Wehrdienst in Israel, selbst wenn sie als Staatsbürger eines anderen Landes geboren sind. Der Holocaust war aus Sicht dieser Gruppe zwar das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte, aber ihren Anspruch auf Israel leiten sie nicht aus dem Holocaust ab, er würde auch ohne Holocaust bestehen.

 

Die dritte Gruppe glaubt nicht an Gott. Sie sind teils offen, teils eher ohne darüber nachzudenken, Atheisten. Der Gott der Bibel hat für sie keine Relevanz. Sie sind Jude, weil sie von einer jüdischen Mutter abstammen und betrachten sich auch als solche. Für sie ist Judentum eine “Kultur“, der sie durch die Geburt angehören. Auch die “Religion“ des Judentums ist für sie eher ein Kulturbestandteil, nicht aber ein Bekenntnis. Sie unterstützen zwar des Staat Israel, würden deshalb aber nicht unbedingt “Israeli“ werden wollen. Sie blieben weiterhin Staatsbürger des Staates, als dessen Staatsbürger sie geboren wurden, leisten ggf. auch den Wehrdienst dort ab, setzten sich dort aber für die Belange Israels ein, aus kulturellen Gründen, aus Gründen, die mit dem Holocaust zu tun haben, aber eben nicht aus religiösen Gründen. Gegenüber den Reinheitsregeln des Judentums haben sie Respekt, halten diese aber eher nicht ein. Obwohl sie sich selbst niemals als Rassisten betrachten würden und auch keinerlei solche Gefühle zu pflegen glauben, steckt ein gewisser Widerspruch in ihrem Handeln, denn es gibt keinen sachlich nachvollziehbaren Grund dafür, dass sie sich als “Juden“ betrachten, außer aus “Abstammungsgründen“, was allerdings rassistische Ansätze hat (heute würde man sagen: ethnische Gründe), sobald der Mensch sich ausschließlich aufgrund seiner Abstammung definiert. Den Anspruch Israels als “jüdischen Staat“ leiten sie mehr oder weniger direkt aus dem Holocaust ab oder stellen ihn zumindest in einen direkten Zusammenhang.

 

Die vierte Gruppe sind Juden, die entweder zu einer anderen Religion konvertiert sind oder glauben Atheist zu sein und sich daher auch gar nicht mehr als Jude fühlen. Sie sind Mitglieder ihrer neuen Religion und Staatsbürger ihres jeweiligen Staates. Mit Israel fühlen sie keinerlei Verbindung, und sie treten auch nicht als “Jude“ auf. Die Personen dieser Gruppe stellen aus Sicht aller Menschen keine Juden dar. Lediglich die zweite und dritte genannte Gruppe vereinnahmt sie weiterhin als Juden.

 

Zweifelsohne gibt es auch weitere Gruppen im Judentum, weitere Differenzierungen sind möglich und die Grenzen zwischen den Gruppen sind zudem oft fließend. Auch können unterschiedliche Ansichten dieselbe Gruppe zu unterschiedlichen Zeiten dominieren. So gab es z.B. Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, die sich nach ihrem Ableben ganz bewusst in Deutschland, ihrer Heimat, haben begraben lassen. Andere hingegen wollten in Israel begraben werden, die sie als ihre einzige Heimat ansehen. Ihre geistigen Nachkommen bekämpfen sich in den Medien teils unversöhnlich.

 

Aus Sicht Israels sind alle genannten vier Gruppen Juden und damit automatisch Staatsbürger Israels, völlig unabhängig von ihrem Bekenntnis. So kann es aus diesem Verständnis heraus tatsächlich “jüdische Christen“ und “jüdische Muslime“ geben, eine Konstellation, die bei anderen Religionen undenkbar wäre. Eine bekennende Zionistin hat mir einmal vorgeworfen, wir könnten deshalb nie einen gedanklichen Ausweg unseres Konfliktes finden, weil ich das Judentum als Religion betrachte, sie hingegen als Volk (zumal sie Atheistin ist).

 

Als Antisemitismus wird in der Regel als eine Judenfeindlichkeit, die durch eine pauschale Ablehnung der Juden und des Judentums gekennzeichnet ist, bezeichnet. Auch das Zuschreiben bestimmter Verschwörungsabsichten auf “die Juden“ wie z.B. das Ansinnen nach Weltherrschaft zu streben, ist zweifelsohne Antisemitismus. Doch genau so komplex und gleichzeitig so differenziert man “das Judentum“ betrachten muss, muss man auch den Antisemitismus betrachten. Es ist eben nicht jeder ein Antisemit, wenn er bestimmte Juden ablehnt, genau so wie man nicht vom Antisemitismus frei gesprochen werden kann, weil man lediglich Israel ablehnt. Die jüdische Frage ist so gesehen nicht nur eine Frage der Juden selbst, sondern auch eine Frage z.B. der Muslime, in wie weit es ihnen gelingt, sachlich und nachvollziehbar transparent zu differenzieren.

 

Wenn wir aus muslimischer Sicht das Judentum als Religion achten und jederzeit Juden schützen würden, auch vor rassistischen Nazis, wie es viele Muslime im Zweiten Weltkrieg getan haben, so steht das nicht im Widerspruch dazu, dass wir gleichzeitig ganz offen zugeben, Antizionisten zu sein. Vielmehr betrachten wir es als unsere menschliche Pflicht, den Zionismus abzulehnen. Der Zionismus ist der politische Anspruch auf ein – bisher nicht genau definiertes – Staatsgebiet im missbrauchten Namen des Judentums, in dem besagter Artikel des bundesdeutschen Grundgesetzes auf den Kopf gestellt wird. Das, was derzeit als “Anerkennung Israel als jüdischer Staat“ gefordert wird, stellt eine eklatante Missachtung der Werte des bundesdeutschen Grundgesetzes dar. Und ironischerweise wird genau jene Missachtung der Werte des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland insbesondere von den neuen muslimischen Staatsbürgern Deutschlands am heftigsten eingefordert.

 

Antizionismus ist die logische Konsequenz auf Artikel 3 (3) des Grundgesetzes. Antisemitismus hingegen ist ein Verbrechen! Es liegt in der Natur der Sache, dass Zionisten – und die sind am häufigsten in den genannten Gruppen zwei und drei zu finden – alles in ihrer Macht liegende unternehmen, um Antizionismus zu diskreditieren und mit Antisemitismus gleich zu setzten. Es gelingt ihnen allerdings – trotz zunehmendem Aufwand – immer schlechter.

 

Menschen, die Juden ablehnen, weil sie Juden sind, sind Antisemiten, und das ist ein Rassismus, der abzulehnen ist. Menschen hingegen, die behaupten, dass Juden selbst nie Rassisten sein können, weil sie Juden sind, sind nicht anders zu bewerten! Es gibt Rassisten unter Juden, wie es sie in jeder Religionsgemeinschaft, in jedem Volk, in jeder Menschengruppe und sonstigen größeren Unterteilung gibt. Und der Rassismus unter Juden findet im Zionismus seine politische Ausdrucksform. Das Judentum ist mehrere tausend Jahre alt, der Zionismus erst wenige hundert.

 

Der aktuelle Weltkonflikt entsteht dadurch, dass der Rassismus im missbrauchten Namen des Judentums einen Staatsanspruch stellt, der ein anderes Volk seiner Heimat beraubt. Überzeugte religiöse Zionisten, also die zweite genannte Gruppe, rechtfertigen die Vertreibung der Palästinenser mit angeblichen religiösen Gründen. Das ist zwar schlimm genug – denn keine menschwürdige Religion dürfte Vertreibung rechtfertigen – aber es beinhaltet zumindest eine “innere Logik“, wenn sie auch abzulehnen ist. Die dritte Gruppe hingegen rechtfertigt den Anspruch vor allem aufgrund des Holocaust mit Erinnerung an das “jüdische Erbe“. Den Holocaust haben nicht die nun vertriebenen Palästinenser zu verantworten und ein Bezug auf ein 3000 Jahre altes jüdisches Erbe ohne an Gott zu glauben, ist eine so deutliche Form des Rassismus, dass es eher verwunderlich erscheint, dass es die Vertreter dieses Gedankenguts nicht selbst merken! Denn warum sollte ein Atheist auf dem “Volk Israel“ bestehen, wenn es eine Definition Gottes ist?

 

Der aus Sicht des Islam beste Lösungsansatz für die Problematik steckt im Nahen Osten. Warum soll eigentlich jener Staat Israel oder Palästina heißen? Und warum soll er zweigeteilt werden? Wenn er zweigeteilt ist, was soll dann mit den Nichtjuden geschehen, die weiterhin in Israel leben? Jeder, der sich mit der Thematik intensiv beschäftigt hat, weiß, dass man vor einem scheinbar unlösbaren Problem steht, dessen Unlösbarkeit darauf zurück zu führen ist, dass für Anhänger des Staates Israel die Religionsdefinition Judentum mit einer “Rassedefinition“ einhergeht.

 

Wie aber wäre es, wenn man visionär daran denken würde, den gemeinschaftlichen Staat “Heiliges Land“ zu nennen? Und wie wäre es, wenn darin Juden, Muslime, Christen und andere jeweils zwar ihre religiösen Rechte erhalten, als Staatsbürger aber gleichberechtigt sind? Dann bräuchte die UNESCO auch nicht darüber zu diskutieren, ob Rachels Grab eine Moschee oder jüdisches Heiligtum ist. Beide würden einen Weg finden, wie sie die Heiligen Stätten, ohne einander zu stören, besuchen. Die Kirche in der Türkei, in der z.B. die Heilige Maria zum Himmel aufgestiegen sein soll, kann auch problemlos von Christen und Muslimen gleichermaßen besucht werden, und alle freuen sich sogar darüber, dass die anderen die Heilige Maria ebenfalls ehren.

 

Ein gerechter Frieden im Heiligen Land könnte für Frieden in der Region und in der ganzen Welt ein großer Schritt sein! Und die gesamte Menschheit wäre den Umsetzern dieser Vision dankbar. Die jüdische Frage ist keine Frage von Holocaust, Kriegen, Religion und vielem anderen mehr. Es ist eine Frage des Selbstverständnisses der Menschen, die sich als Juden betrachten. Die ungeklärte Frage spiegelt sich im extremen Unfrieden wieder, welche Juden mehr als an allen anderen Orten dieser Welt in Israel ertragen müssen. Dabei führt nicht nur die äußere Bedrohung zu diesem Unfrieden, sondern auch das tägliche Morden unschuldiger palästinensischer Zivilisten durch israelische Soldaten. Israelische Soldaten, die an Checkpoints Palästinenser schikanieren, schikanieren damit auch ihr eigenes Leben, und inzwischen ist die gesamte israelische Gesellschaft von dieser geistigen Selbstzerstörung heimgesucht.

 

Der Autor dieser Zeilen kann nicht mit einem echten Lösungsvorschlag aufwarten. Die einzige Parole, die in diesem Zusammenhang sehr vereinfacht wirkungsvoll erscheint ist: “Juden Muslime und Christen, Hand in Hand gegen Zionisten.“ Dabei werden Christen nur deshalb zuletzt genannt, weil es sich dann reimt!

 

Der Artikel soll eine differenzierte Diskussion in der Aktionswochen gegen Antisemitismus unter den Teilnehmern des Muslim-Forums initiieren – so Gott will. Es ist denkbar, dass jüdische Leser, die sich nicht registrieren lassen wollen, auch konstruktive Diskussionsbeiträge leisten möchten. In diesen Fällen bitten wir um ein Mail und der Muslim-Markt wird die Beiträge ausnahmsweise auch ohne Registrierung veröffentlichen.

 

Wir wünschen in der Aktionswochen gegen Antisemitismus in Deutschland einen segensreichen Einsatz gegen jede Form von Rassismus auf Grundlage des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland!

 

PS: Der Muslim-Markt weist auf die im Laufe der Jahre gesammelten zahllosen Interviews im Muslim-Interview hin, die ganz bewusst mit Juden geführt wurden, für die wir sehr dankbar sind.

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  • 1 Monat später...

Westbank:

Die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtet von israelischen

Schuss-Attacken auf Haldun Samudi, während er ein Checkpoint nach Eriha, zu

seiner Arbeitsstätte überquerte. Obwohl die Sanitäter zum Tatort kamen,

wurden sie nicht in den Bereich hineingelassen, die Ein- und Ausgänge wurden

gesperrt während der schwerverletzte junge Mann dort verblutete.

 

Das israelische Militär-Radio gab wie auch Augenzeugen zuvor bekannt, dass der

junge Mann zur überquerung des Checkpoints aus einem Taxi ausstieg und

"Allah´u Ekber" (Gott ist groß) sagte, woraufhin die Soldaten das Feuer auf

ihn eröffneten.

 

Am gleichen Checkpoint wurde bereits vor eine Woche am Sonntag der

21-jährige Mahmud Muhammed Müslümani von israelischen Soldaten erschossen.

 

*Übersetzt aus Timeturk vom 08.01.2011

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Nach einer Reihe weiterer lateinamerikanischer Länder hat auch Chile einen unabhängigen palästinensischen Staat anerkannt. Mit ihrer Entscheidung folge die Regierung Resolutionen der Vereinten Nationen, sagte Aussenminister Alfredo Moreno.

 

(sda) Der Ankündigung ging ein Treffen zwischen dem chilenischen Präsidenten Sebastián Pinera mit seinem palästinensischen Kollegen Mahmud Abbas in Brasilien voraus. Chile folgte damit dem Beispiel von Brasilien und Argentinien. Auch die Staaten Kuba, Venezuela, Nicaragua, Costa Rica, Bolivien und Ecuador erkannten einen unabhängigen Palästinenserstaat bereits an.

 

Chile wird im Gegensatz zu diesen Ländern aber von einem rechtsgerichteten Politiker regiert und unterhält enge Beziehungen zu Israels wichtigstem Verbündeten, den USA. Piñera kündigte über seinen Aussenminister an, dass er Israel und die Palästinensergebiete am 4. und 5. März besuchen werde.

 

In der Erklärung wurden keine Angaben zu den Grenzen des Palästinenserstaates gemacht. Andere lateinamerikanische Länder hatten einen Palästinenserstaat in den Grenzen vor dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und damit vor der Besetzung des Gazastreifens und des Westjordanlandes durch Israel anerkannt.

 

Angesichts der jüngsten Entwicklungen hatte der israelische Industrieminister Benjamin Ben Elieser Ende Dezember vor einer Anerkennung Palästinas durch "die ganze Welt" gewarnt.

 

Die direkten Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern liegen seit Ende September wegen des Streits über den israelischen Siedlungsbau in den Palästinensergebieten auf Eis.

 

Etwa 100 Länder erkennen inzwischen einen unabhängigen Palästinenserstaat an. In Uruguay und Paraguay wird eine entsprechende Entscheidung in den kommenden Wochen erwartet.

 

http://www.bielertagblatt.ch/News/Ausland/194884#ancContent

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Israel hat mit dem Abriss eines symbolträchtigen Hotels zugunsten eines Bauprojektes im arabischen Ostteil Jerusalems empörte Reaktionen ausgelöst. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte den Abriss des „Shepherd“-Hotels gestern mit scharfen Worten. Die Palästinenser erklärten, die Abrissarbeiten hätten jede Chance auf Friedensverhandlungen mit Israel „ruiniert“.„Ich verurteile entschieden die Zerstörung des Shepherd-Hotels an diesem Morgen und den geplanten Bau einer neuen illegalen Siedlung“, sagte Ashton in Brüssel. Sie erinnerte daran, dass die Siedlungen in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten nach internationalen Recht illegal seien. Sie „untergraben das Vertrauen zwischen den Parteien und sind ein Hindernis für den Frieden“.

 

 

Clinton: „Untergräbt Friedensbemühungen“

 

US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte ebenfalls den Abriss des Hotels scharf. „Wir sind sehr besorgt über den Beginn des Abrisses des Shepherd-Hotels in Ostjerusalem“, sagte sie nach ihrer Ankunft im Golfemirat Abu Dhabi. „Diese beunruhigende Entwicklung untergräbt die Friedensbemühungen zur Erlangung einer Zweistaatenlösung.“ Auch widerspreche das der Logik eines vernünftigen Abkommens zwischen beiden Seiten über den künftigen Status von Jerusalem.

Der Sprecher der Palästinensischen Autonomiebehörde, Nabil Abu Rudeina, erklärte, die Abrissarbeiten hätten „jede Chance ruiniert“, die Friedensverhandlungen mit Israel wieder aufzunehmen.

 

 

Platz für Luxusappartments

 

Unter Polizeischutz brachen Bulldozer Mauern des Nordtrakts des Hotels im palästinensischen Stadtteil Scheich Dscharra ab, um Platz für 20 Luxusappartements für jüdische Siedler zu schaffen. Das von dem US-Millionär Irwin (Irving) Moskowitz finanzierte Bauprojekt war im März genehmigt worden. Moskowitz ist Besitzer von Bingo-Salons in Florida und Finanzier jüdischer Siedler.

http://orf.at/#/stories/2035413/

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  • 2 Wochen später...

Die Kaperung der "Free-Gaza-Flotte" am 31. Mai durch die israelische Armee hat auch unter jungen Muslimen und Migranten heftige Reaktionen ausgelöst. Nicht selten mischte sich in die Empörung über die Toten und Verletzten offene antisemitische Hetze. (siehe einen Bericht im Tagesspiegel)

Im folgenden Beitrag plädiert Muhammad Sameer Murtaza dafür, sich nicht von Feindbildern, die durch die Ereignisse in Israel und Palästina geschürt werden, leiten zu lassen. Murtaza ist Islamwissenschaftler und Mitarbeiter der Stiftung Weltethos. Sein Beitrag erschien ursprünglich auf islam.de, dem Portal des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

von Muhammad Sameer Murtaza

Ich möchte mit drei Feststellungen beginnen:

(1) Die Abriegelung des Gaza-Streifens ist ein klarer Bruch des Völkerrechts. Keine Regierung der Welt besitzt das Recht, Menschen auf Dauer einzusperren. Diese Politik wird von der internationalen Gemeinschaft nicht mehr gedeckt. Auch hat der geplante Bau von 1.600 Wohneinheiten im annektierten Ostjerusalem und der unaufhörliche Siedlungsbau im Westjordanland, der inzwischen als „natürliches Wachstum“ bezeichnet wird, Israel politisch zu einem einsamen Staat werden lassen.

 

 

(2) Weltweit empfinden Muslime Wut und Empörung über das, was ihren Glaubensgeschwistern in Palästina angetan wird. Demütigung birgt die Gefahr blinder Gewaltbereitschaft. Es gibt einen kausalen Zusammenhang zwischen den Ereignissen in Palästina und den verwerflichen weltweiten Anschlägen auf jüdische Einrichtungen wie Schulen oder Synagogen. Fatalerweise unterscheiden Muslime in der Regel nur unzureichend zwischen den Handlungen des israelischen Staates als politischem Akteur und der jüdischen Religion.

 

(3) Der Nahost-Konflikt hat tiefe Spuren im beiderseitigen Denken hinterlassen. Auf Seiten von Muslimen wie auch Juden sind Feindbilder entstanden, die einen Tunnelblick verleihen. Das Einsickern europäischen antisemitischen Gedankenguts in das muslimische Denken im Zuge des Palästinakonfliktes erfolgte in zwei Schritten. In der ersten Phase wurden europäische antisemitische Themen und Anklagen (z.B. durch Übersetzung antisemitischer Fälschungen wie Die Protokolle der Weisen von Zion) absorbiert. In der zweiten Phase wurden diese Themen durch islamische Ideologen wie Sayyid Qutb assimiliert, verinnerlicht und schließlich dem Islam übergestülpt. Ein gutes Beispiel hierfür ist Qutbs Schrift Ma’rakatuna ma’a l-Yahud (Unser Kampf mit den Juden). Dieser islamisch verbrämte Antisemitismus hat die gegenwärtige muslimische Sichtweise auf das Judentum stark beeinflusst.

 

Verschärfend kommt hinzu, dass der Zentralrat der Muslime zwar mahnt, dass der Nahost-Konflikt ein politischer sei, er jedoch von nicht wenigen Muslimen und Juden als religiöser Konflikt gesehen wird.

In den nächsten Tagen oder Wochen werden tausende Muslime auf die Straße gehen und gegen die Gaza-Blockade demonstrieren. Dies ist gut so und stellt eine legitime Kritik dar, aber mit welcher Einstellung tun wir dies und was kommt danach?

 

Wir sollten uns vorsehen vor einem simplen Schwarz-Weiß-Denken

 

Die Muslime werden im Qur’an als eine Gemeinschaft der Mitte charakterisiert. Eine solche Gemeinschaft ist eine vernunftgeleitete, die sich nicht von Emotionen überwältigen lässt, so sehr sie auch berechtigt sein mögen. Allen muslimischen Demonstranten sollte klar sein: Wir protestieren gegen die Handlungen der israelischen Regierung, die offenbar davon überzeugt ist, in einer moralischen Sonderwelt zu leben, in der sie glaubt, sich mit dem steten Hinweis auf angebliche Selbstverteidigung jedes Recht herausnehmen zu dürfen. Gleichzeitig dürfen wir jedoch nicht übersehen, dass die Hamas Raketenbeschüsse auf israelisches Gebiet duldet und diese nicht unterbindet bzw. als Vergeltungsaktionen provoziert.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat es im Tagesspiegel deutlich auf den Punkt gebracht: „Unsere Trauer und unser Zorn richten sich nicht gegen das jüdische Volk, sondern gegen rechtswidrige und tödliche Handlungen der Armee.“

 

Unsere Alarmglocken sollten schrillen, wenn wir bei uns eine feindselige Haltung gegenüber Juden im Allgemeinen feststellen, die ihnen einen von Natur aus schlechten Charakter zuschreibt. Wenn wir solches verspüren, dann sind wir Opfer eines verführerischen antisemitischen Denkens geworden, das keinen Platz im Islam hat. Dieser Antisemitismus entwirft ein Feindbild, das sich hervorragend dazu eignet, die komplexe Wirklichkeit zu vereinfachen, um sie somit schlüssig zu machen:

 

• Das Feindbild entlastet: Durch das Stereotyp des international agierenden Judentums kann man diesem alle Schuld zuschieben. Alle unsere Frustrationen lassen sich gefahrlos nach außen auf einen Sündenbock projizieren. Juden werden nicht mehr als Individuen wahrgenommen, sondern als ein kollektiv handelnder Körper. Ausgeblendet wird dabei, dass auch Juden an dem Vorgehen der Regierung Netanjahus und der Siedlungsbewegung heftige Kritik üben.

 

• Das Feindbild eint: Wir Muslime sind uns zwar in vielem uneins, doch einig sind wir gegen einen äußeren Feind. Ein gemeinsamer Feind stärkt den Zusammenhalt. Das Judentum wird als Kollektiv wahrgenommen und ermöglicht ein Block-Denken. Ausgeblendet wird dabei, (1) dass Israel gemeinsam mit Ägypten eine Blockade über den Gaza-Streifen verhängt hat, (2) dass das religiöse Establishment der Al-Azhar-Universität sich daran wenig störte, (3) dass die Türkei, die nun als Fürsprecher der Palästinenser auftritt, zugleich durch Rüstungslieferungen an Israel ein gutes Geschäft betreibt und (4), dass die gesamte muslimische Welt sich bis heute wenig engagiert gezeigt hat, um politische Perspektiven für einen Frieden zwischen Palästinensern und Israelis zu entwerfen. Wenn es um den Friedensprozess geht, blicken die Palästinenser nicht nach Teheran oder Riad, sondern sehnsüchtig nach Washington.

 

• Das Feindbild polarisiert: Muslime, die ihre Stimmen gegen eine solche Simplifizierung erheben, werden ausgegrenzt. Es gilt das Prinzip Entweder-Oder. Entweder man steht auf Seiten der Muslime oder auf Seiten der Juden. Feindbilder pressen alles in ein Freund-Feind-Schema. Jedes Vorgehen des Feindes wird an den Pranger gestellt, aber die Methoden der eigenen Leute bleiben frei von jeglicher Kritik, gleichgültig wie verwerflich sie sind wie z.B. die islamwidrigen Selbstmordattentate.

 

• Das Feindbild aktiviert: Wir gehen auf die Straße demonstrieren, versenden Rundmails, gründen Pro-Gaza-Gruppen auf Facebook und Studivz und machen unserem Zorn Luft…, aber was dann? Spätestens zwei bis drei Wochen später nehmen wir unser geregeltes Leben wieder auf, aber die Menschen in Palästina und Israel können dies nicht. Für sie ist der Nahost-Konflikt Alltag.

 

Laßt uns die Feindbilder auf beiden Seiten einreißen

 

Was wünschen wir uns für die Menschen in Palästina? Wie lange sollen ganze Generationen von Palästinensern unter den Bedingungen einer willkürlichen Besatzungsmacht aufwachsen und leben? Frieden und Sicherheit für die Palästinenser muss aber zugleich Frieden und Sicherheit für die Israelis bedeuten. Hierzu kann jeder Jude und jeder Muslim einen Teil beitragen. Der Theologe Hans Küng hat es deutlich formuliert: Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen. Kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen. Kein Dialog zwischen den Religionen ohne Grundlagenforschung in den Religionen.

 

Dies bedeutet eine enorme Kraftanstrengung von Muslimen und Juden: (1) Beide Seiten müssen sich vom vorherrschenden unseligen Kollektivdenken befreien. Es gibt nicht die Juden, ebenso wenig wie es die Muslime gibt. Das Judentum und der Islam sind keine monolithischen Gebilde.

 

(2) Beide Seiten müssen das Wir-Die-Denken aufgeben. Was uns über alle Religionen eint ist unser Menschsein. Jeder Mensch verfügt über eine Würde, die bereits mit seiner Existenz gegeben ist. Sie ist nicht Gegenstand einer Zuerkennung, sondern einer Anerkennung.

 

(3) Wir müssen anerkennen, dass beiden Seiten Leid widerfahren ist. Die Schoah und die Naqba haben Juden wie Palästinenser tief geprägt.

 

(4) Beide Seiten sollten sich auf ihren gemeinsamen Ursprung besinnen. Juden und Muslime glauben gemeinsam an denselben einen Gott, den Gott Abrahams, Ismaels und Isaaks. Dieser Glaube befreite sie aus der Knechtschaft des Polytheismus und machte sie zu einer Gemeinschaft der Gleichen unter Gott und damit zu freien Menschen unter Gott. Juden und Muslime bilden jeweils theozentrische Gemeinschaften. Gemeinsam bilden sie eine abrahamitische, gottgläubige Gemeinschaft.

 

(5) Beide Seiten müssen sich an die Zeit vor dem Nahost-Konflikt erinnern. Es gab niemals eine „ewige Feindschaft“ zwischen Juden und Muslimen, wie uns Extremisten auf beiden Seiten dies glauben machen wollen. Die Juden sahen seit jeher die Muslime, mit Verweis auf den Bund Noahs, als Fromme unter den Weltvölkern an, die ihren Platz in der göttlichen Weltordnung haben, auch wenn sie keine Juden sind. Die Muslime betrachteten die Juden stets als Leute der Schrift, die unter Schutz der Muslime standen. In der Geschichte des Islam haben Juden zehn Jahrhunderte lang unter islamischer Herrschaft gelebt. Auch in dieser Geschichte gab es Diskriminierung, aber es gibt keine Parallelen zu den Verfolgungen und den Pogromen in Europa oder dem Holocaust. Im Gegenteil, wer sich in die Geschichte der Juden und der Muslime vertieft, findet eine Geschichte der gegenseitigen intellektuellen Befruchtung vor.

 

(6) In beiden Religionen ist Gerechtigkeit zentral. Für Juden und Muslime ist Gerechtigkeit kein abstrakter Begriff, sondern ein Verhaltensbegriff. Gerechtigkeit ist etwas, dass realistisch durch Tun erreicht werden kann. Dies eröffnet den Weg, völker- und religionsübergreifend nach einem gemeinsamen Ethos zu suchen, um dem Frieden einen Schritt näher zu kommen.

 

Es ist schon verwunderlich, dass es nach dem Gaza-Krieg nicht zu einer Zusammenarbeit von Juden und Muslimen gekommen ist. Initiativen wie die Stiftung Weltethos (http://www.weltethos.org), JuMuDia (Jüdisch-Muslimischer Dialog; http://jumudia.wordpress.com), das Projekt „Gemeinsames Kernethos von Judentum und Islam“ des Arbeitskreises Eine Menschheit (http://www.eine-menschheit.de) oder die Bemühungen des Vereins Jung und Jüdisch (http://www.jungundjuedisch.de/) für einen Dialog zwischen Juden und Muslimen bleiben exotisch.

 

Was bleibt von dieser Krise? Kehren wir nach ein paar Wochen Wut zu unserem Alltag zurück oder beginnen wir produktiv für den Frieden zu arbeiten? Dies wäre wahrhaft gelebte Solidarität mit den Palästinensern. Gelingen kann dies nur, wenn Juden und Muslime Kooperationsgemeinschaften gründen oder bereits bestehende Friedensprojekte unterstützen. Es gilt das Motto: Lokal handeln, global denken. Kooperationsgemeinschaften sind globale Akteure, denn sie setzen grenzüberschreitend Zeichen für den Frieden. Wie erfolgreich diese Bemühungen sein werden, wird die Zeit zeigen. Doch eines ist jetzt schon klar, wo miteinander gesprochen wird, schweigen die Waffen, wo nach dem Gemeinsamen gesucht wird, da wird nicht ausgeschlossen, wer Dialog führt, der beweist die Stärke, den Dialog auszuhalten.

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Habs bis zur Hälfte gelesen, kann nicht mehr, Augen gehen zu und ich geh gleich schlafen. Aber so viel wie ich bis zur Hälfte gelesen habe, find ich den Artikel gut. Leider ist in manch Foren zu beobachten, dass wenn ein Muslim sagt, der Angriff war falsch gewesen, dass die Islamkritiker sich sofort auf die Seite der Israelis stellten. Oder sowas ähnliches aber auch andersrum.

 

Ich mag das "das ist meeeiiiineee Seite" und "das ist deeiiiinneee Seite" nicht. Es gibt nur eine objektive Betrachtung und man sollte stets versuchen diese zu haben und bereit sein sich selbst mal zu kritisieren und die Schuld nicht nur an andern suchen.

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Natürlich nicht!, wie konnte ich das auch annehmen?

 

24.01.2011:

Geheimdokumente: Weitreichende Zugeständnisse von Abbas

 

Der arabische Nachrichtensender al-Jazeera hat im Stil der Enthüllungsplattform Wikileaks eine Sammlung von Geheimdokumenten zu den Nahost-Friedensverhandlungen veröffentlicht. Daraus geht unter anderem hervor, dass die Palästinenser unter Präsident Mahmud Abbas seit zwei Jahren zu weitreichenden Zugeständnissen in Bezug auf die Stadt Jerusalem bereit sind. Doch auch dies reichte bisher nicht aus, um eine Einigung auf eine Zwei-Staaten-Lösung für Israelis und Palästinenser zu erzielen.

 

Österreichischer Rundfunk orf.at

http://orf.at/#/stories/2038127/

 

http://en.wikipedia.org/wiki/My_Name_Is_Rachel_Corrie

http://www.timeturk.com/tr/fotogaleri/dunya/rachel-corrie-nin-resimleri/2

Bearbeitet von yilmaz
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